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Alt 16.03.2006, 14:07
J2K J2K ist offline
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Standard AW: Nasenkrebs

Zitat:
Zitat von Karin10
Hast du Erfahrung mit der Epithese oder eventuell mit einer Wiederherstellung der Nase.Wie sieht das aus ?

Ich wäre sehr dankbar wenn mir jemand seine Erfahrungen mitteilen würde.
Hallo Karin,

wollte diesen Beitrag schon gestern posten, aber irgendwie ist er nicht im Forum erschienen. Naja, hier der 2te Anlauf:

Ich habe zwar auch kein "Nasenkrebs" aber bei mir muss nach Tumor-Op ein Nasenflügel wiederhergestellt werden, und da 4 plast. Op's trotz vollmundiger Versprechungen der Ärzte fehlschlugen, habe ich mir erst einmal einen Op-Stopp verhängt und mich in internationalen Fachzeitschriften informiert. Ich kann dir also einiges zu dem Thema erzählen und dir, wenn du einen Wiederaufbau erwägst, nur empfehlen, dich auch gründlich zu informieren.

Bevor du zu nächstbesten plast. Chirurgen rennst, musst du wissen, dass das Thema rekonstruktive Rhinoplastik (Nasenwiederherstellung) wohl eines der anspruchsvollsten Gebiete der plast. Chirurgie überhaupt ist. Es gibt nur ganz wenige Chirurgen weltweit, die zufriedenstellende Nasenrekonstruktionen (mit Hautgewebe aus der Stirn) durchführen können auch wenn trotzdem jede Klinik mit plast. und HNO-Ärzten solche Leistungen zumindest in der Theorie anbietet und durchführt. Ich persönlich würde die Wahrscheinlichkeit, als uninformierter Patient einen wirklich kompetenten und erfahrenen plast. Chirurgen in dem Gebiet zu finden allerdings auf <1% beziffern, aber das mag subjektiv von meinen eigenen Erfahrungen beeinflusst sein. Auch die Methode, sich in seinem Bekanntenkreis nach einem guten Arzt umzuhören oder nach dem Renomme zu gehen, halte ich nicht für hilfreich, weil es etwas ganz anderes ist, eine Nase zu rekonstruieren als einen Nasenhöcker in einer ästhetischen Op abzutragen. Ich würde dir auch auf jeden Fall raten, dir von Ärzten Adressen von Personen, die eine Nasenrekonstruktion haben durchführen lassen, geben zu lassen und mit denen Kontakt aufzunehmen.

Um es gleich vorwegzunehmen, mir ist nur eine Klinik in Deutschland bekannt, bei der ich schon Patienten mit zufriedenstellenden Totalrekonstruktionen gesehen habe. 2 Beispiele (davon 1 Totalrekonstruktion) dieser Klinik finden sich auch freizugänglich im Netz:
http://www.marienhospital-stuttgart....e_augelli1.pdf
Und in dieser Broschüre findest du auf S.10 ein Bildbeispiel
http://www.eafps.it/cgi-bin/newsletter%20light.pdf
Andere Beispiele finden sich in Fachpublikationen der dortigen Ärzte. Es ist allerdings sehr schwierig dort einen Termin zu bekommen, weil man mit Patienten die eine rein ästhetische Nasenkorrektur suchen, um Termine konkurrieren muss.

Das heisst nicht unbedingt, dass es keine weiteren kompeteten Kliniken/Ärzte in Deutschland geben mag, sondern dass ich persönlich mich nicht mehr auf eine Op dort einlassen würde, weil diese Kliniken/Chirurgen nicht in ausreichendem Maße über ihre Op-Techniken und Operationserfolge publizieren. Es wäre allerdings ewas anderes, wenn mir ein Arzt erfolgreiche vorher/nachher-Fälle in ausreichender Zahl zeigen könnte. Ich habe schon einige plast. Chirurgen besucht und es war immer sehr verdächtig, wenn ein Arzt nicht bereit war, vorher/nachher bilder zu zeigen (auch wenn dann die blödesten Ausreden fielen: die Bilder sind im Keller, jeder Fall ist verschieden, es sei unseriös, Bilder zu zeigen etc.). Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass der Operateur nicht in der Lage ist, zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen oder nicht genügend Erfahrung/Fälle operiert hat, was sich im Nachhinein bei mir dann auch stets bestätigt hat.

Einer der meiner Einschätzung nach besten Chirurgen weltweit befindet sich in Tucson,Arizona. Hier finden sich Bildbeispiele von Patienten, die er operiert hat:
http://www.drmenick.com/recon.asp
Bei den Bildern muss man aber immer im Hinterkopf behalten, dass diese wohl die Ausnahme und ein Optimum dessen darstellen, was derzeit operativ machbar ist. Dieser Chirurg hat in den 80er Jahren zusammen mit einem Kollegen die jahrtausendealte Operationsmethode des Stirnlappens entscheidend weiterentwickelt. Er nennt seine neuere Methode "3-stufiger paramedianer Stirnlappen". Viel wichtiger als diese Formulierung sind aber bestimmte Prinzipien, die er der Nasenwiederherstellung anwendet, z.B. das Prinzip der ästhetischen Untereinheiten der Nase (die Narbenstränge verlaufen entlang dieser Untereinheiten, so dass sie nicht sichtbar sind), die Durchführung in 3 kleinen Operationen im Abstand von jeweils 3 Wochen, das sukzessive Ausdünnen der äußeren Hautschicht, die Herstellung einer inneren Auskleidung der Nasenlöcher mit freien Hautlappen oder Schleimhautlappen von der Nasenscheidenwand, die Erstellung eines Knorpelgerüstes aus Ohrknorpel.
Eine detaillierte Beschreibung der methode findet sich hier (allerdings auf englisch):
http://www.emedicine.com/plastic/topic368.htm
Er hat auch als erster ein ganzes Buch dem Thema Nasenrekonstruktion gewidmet.

Eine Op bei diesem Arzt würde übrigens ca. 7000-11000$ kosten, falls es dir das Wert ist (und du Englisch sprichst/verstehst). Mir sind auch weitere Chirurgen in den USA bekannt, von denen ich mit Sicherheit weiss, dass sie solch exzellente Ergebnisse erzielen können, Baker, Rohrich, Burget, um einige Namen zu nennen. Oft genügt es, sich anzuschauen, welcher Arzt am meisten zu dem Thema in Fachzeitschriften publiziert hat, um den richtigen zu finden. Denn nur die Wenigsten trauen sich, dort vor den kritischen Augen der Kollegen Fotos zu veröffentlichen Und komischerweise entscheiden bei den Fachdiskussionen um die beste Op-Technik in der Regel die vorher/nachher bilder, die ggü. dem Patienten als unseriös abgetan werden.

Allerdings ist ein Vorstellungsgespräch im Marienhospital Stuttgart für dich wohl erst mal naheliegender und wird auch von der KK bezahlt. Schick' denen am besten eine Email mit Fotos deines Falles, damit die sehen, dass es sich um einen ernsthaften Fall handelt und nicht bloß um eine ästhetische Korrektur. Das erhöht die Chance auf einen Termin.

Wie eine Rekonstruktion von Nasendefekten aussieht, die nicht nach den besagten Prinzipien ausgeführt wird, lässt sich hier bewundern: http://www.entusa.com/nose_reconstruction.htm wobei es sich hierbei noch nicht einmal um eine Totalrekonstruktion handelt. Wenn du keine allzugroßen Ansprüche an die Ästhetik hast, dann ist allerdings nichts gegen einen solchen 0815-Stirnlappen einzuwenden, wenn es hingegen natürlich aussehen soll, ist weitmehr an Technik und Aufwand nötig. AUch spielt der funktionelle Aspekt eine wichtige Rolle. Bei vielen einfach durchgeführten Nasenrekonstruktionen klagen die Patienten hinterher über behinderte Nasenatmung, verursacht durch Stenosen und ein schlecht konstruiertes Nasengerüst...

Hier finden sich widerum Beispiele eines Arztes, der die oben beschriebenen Prinzipien nach Menick konsequent angewandt hat:
http://www.mobleymd.com/index.php?s=...reconstruction
Geradezu atemberaubend, wie er es geschafft hat, bei der einen Patientin die Narbenstränge am Nasenflügel/Nasenspitze zu verbergen, bei mir sieht das nach einem verpfuschten Nasolabiallappen ganz anders aus.

Der Prozess einer Totalrekonstruktion erscheint vielen Patienten auf den ersten Blick erst einmal sehr erschreckend, u.a. auch deshalb weil man 6 Wochen lang mit einem gestielten blutversorgten Lappen im Gesicht herumlaufen muss. Wenn es richtig gemacht wird, können die Ergebnisse aber so gut sein, dass niemand merkt, dass es sich um eine "künstliche" Nase aus Stirnhautgewebe handelt. Natürlich bleibt allerdings eine Narbe an der Stirn übrig, bei den meisten Patienten ist diese jedoch sehr unscheinbar und zur Not kann man die später nachkorrigieren. Allerdings muss auch bei dieser Methode etwas Geduld aufbringen, es dauert bis zu 1/2 Jahre, bis die Narben im Nasenbereich verschwinden (oder eben nicht) und das Endergebnis sichtbar wird. Du musst dir also überlegen, ob du bereit bist, diese 6 Wochen Strapazen mit dem Stirnlappen + 1/2 Jahre Wartezeit mit sichtbaren Narben auf dich zu nehmen.

Ein besonderes Problem könnte jedoch aus der Natur deines Tumors folgen. Wie wurde denn operiert, nach der Methode mikrographischer/histologischer Schnittkontrolle (Mohs surgery) oder konventionell? Die konventionelle Methode scheint nämlich zu höheren Rezidivraten zu führen, was erst einmal ein Abwarten erforderlich machen würde (schliesslich will man nicht riskieren, dass die aufwendig rekonstruierte Nase gleich wieder entfernt werden muss). Rauchen ist auch nicht gerade förderlich für ein anwachsn und einheilen des Stirnlappens.

Ich hoffe die "feinen" Unterschiede sind klargeworden

Übrigens, besonders kurios finde ich nicht nur die Tatsache, dass schon vor Tausenden jahren Nasenrekonstruktionen mit Stirnlappen durchgeführt wurden, sondern auch, dass vor ca. 100 Jahren in Deutschland ein Chirurg lebte, der bessere Ergebnisse als die meisten seiner heute lebenden Kollegen erzielte (nachzulesen hier):
http://www.jacques-joseph.de/100_JJ_2.html


Viele Grüsse,
J2K
 

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