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Alt 27.12.2007, 22:50
Mervyn Mervyn ist offline
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Registriert seit: 06.03.2007
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Standard AW: Meine Mutter hat es auch erwischt

Hallo,

ich hoffe, Ihr habt alle schöne Weihnachtstage mit Euren Familien verbringen können.

Mitte Dezember hatte meine Mutter wieder ein Kontroll CT, mit dem Ergebnis sind alle soweit zufrieden.

Der Primärtumor ist leider nicht weiter geschrumpft, aber auch nicht wieder gewachsen.
Bei den Metastasen tut sich leider ins Positive gar nichts, aber zum Glück verändern sie sich auch nicht ins Negative, weder größer noch mehr.
Da hat sich also nichts weiter getan.

Die Chemo verträgt sie immer noch so weit sehr gut. Nur die Gliederschmerzen, die sich kurzzeitig einstellen stören sie.
Auch sonst hat sie keine Beschwerden, was uns alle glücklich macht.

Was uns allerdings leichte Sorgen macht, ist Wasser an der Lunge.
Das Wasser an der Lunge hat ein Volumen von ~ 1 Liter. Noch gibt es keine genaue Vergleichsaufnahme (anderes System + andere Haltung), so das man nicht sagen kann, wie schnell es einläuft. Es soll wohl seit Anfang November nicht mehr geworden sein.
Meine Mutter bekommt seit ein paar Wochen deshalb Entwässerungstabletten. Sie scheinen ihr zu bekommen und zu helfen.
Das Ganze macht ihr sehr zu schaffen, da sie dadurch sehr kurzatmig geworden ist. Es stört sie gewaltig, das sie so schnell aus der Puste kommt. Der Kreislauf macht da wohl auch mal etwas schlapp.

So fährt sie nun nicht mehr mit dem Fahrrad zur Chemo, da sie Angst hat zwischendurch schlapp zu machen. Da sind ihr die ~5 km pro Weg doch etwas zu viel. Zum Einkaufen fährt sie aber weiterhin mit Fahrrad.
Auch so versucht sie alles selber zu machen, auch wenn es etwas langsamer geht und länger dauert. Zu Weihnachten, als ich zu Hause war hätte ich ihr ja viel helfen können, wenn sie gewollt hätte. Sie hat sich aber lieber selber um fast alles gekümmert. Ich habe sie einfach machen lassen, wenn sie Hilfe brauchte, hat sie sich schon gemeldet.
Sie will sich nicht schonen und unterkriegen lassen. So macht sie halt eben öfters eine kleine Pause zwischendurch. Sie kämpft!

Mit dem Port ist sie zufrieden. Nun geht es alles etwas einfacher. Er stört sie nur bei manchen Bewegungen.

Meine Mutter hat sich als Ziel gesetzt, länger als der Rekord auf der Station zu leben, bei der Diagnose BSDK inoperabel. So will sie es auf mindestens drei Jahre nach Diagnosestellung bringen, dann will sie sich ein neues Ziel stecken.
Ich finde meine Mutter ist auf der Station sehr gut aufgehoben, so wohl Schwestern als auch die Ärzte, die ich kennen gelernt habe, nehmen sich Zeit und beantworten die Fragen meiner Mutter gut. Sie sind gut organisiert. Meine Mutter kommt, meldet sich im Schwesternzimmer an, bekommt ein Zimmer zu gewiesen. Sie braucht nicht lange zu warten und ein Arzt kommt, der mit ihr spricht und die 1.Infusion anschließt. Wenn ich dabei bin unterhalten wir uns und wenn sie alleine ist ließt sie. Eine Schwester schließt die 2.Infusion an und nimmt die Infusion auch wieder ab. Auch auf die Schwestern braucht sie nicht lange zu warten, sie klingelt nur einmal um Bescheid zu geben es ist alles durchgelaufen. So verbringt sie nicht sehr viel Zeit mit der Chemo.

Wer mir zur Zeit eher Sorgen bereitet ist mein Vater.
Er macht uns verrückt. Er kommt im Moment mit der Situation einfach nicht zurecht. Er hatte im Sommer alles gut verkraftet. Jetzt mit dem Wasser und der Schwäche hat er sehr große Probleme. Er sieht meine Mutter schon am Ende, das versuchen mein Bruder und ich ihm auszureden, es gibt keine Prognose, wie und wann es irgendwann zu Ende geht und ich will auch keine machen. Er hat glaube ich einfach Angst. Angst vor dem Alleinesein und wie er alles schaffen soll. Wir versuchen ihn da zu beruhigen.
Was für mich schlimm ist, was ich ihm auch gesagt habe ist, das ich Schwierigkeiten habe, jetzt schon das Haus auszuräumen und Sachen mitzunehmen, wozu er uns schon auffordert. Das hat für mich Zeit bis nach dem Tod meiner Mutter, der noch in weiter Ferne ist. Sich überlegen, wer was haben möchte / bekommt, das ist in Ordnung. Wenn ich jetzt schon Bücher, Geschirr usw. mitnehmen würde, hätte ich das Gefühl meine Mutter aufgegeben zu haben und das kann ich nicht. Vielleicht denkt auch sie dann, wir hätten sie aufgegeben und das will ich auf keinen Fall.
Eines haben ich in den letzten Tagen mitbekommen, Zuspruch und Hilfe braucht eher mein Vater als meine Mutter. Er ist der Jenige, der Angst und Panik macht und nicht meine Mutter.

Ich habe sehr schöne Weihnachtstag mit meiner Familie gehabt. Daraus haben wir alle wieder Ruhe und Kraft geschöpft. Mein Bruder und ich sind heute beide mit ruhigerem Gewissen nach Hause gefahren.


Ich hoffe und wünsche, das auch Ihr so schöne Feiertage hattet, wo Ihr auch Kraft schöpfen konntet, für den weiteren Kampf gegen die Krankheit.

Liebe Grüße

Imke
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