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#1
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Liebe Carla.
auch ich musste nun wieder die Taschentücher holen,... Habe Deine Geschichte ja etwas mitverfolgt (im Forum für Angehörige) und muss Dir meine tief empfundene Anerkennung ausdrücken, dass Du bei Deinem Papa warst, als er eingeschlafen ist! Ich habe meine Mama im Stich gelassen und sie war ganz alleine als sie starb! Die Tage davor und auch die davor war ich meistens den ganzen Tag bei ihr im Krankenhaus, habe alles für sie getan, was in meiner Macht stand und einfach bei ihr zu sein. Ich war die ganze Zeit stark und habe mich zusammen gerissen, nicht an ihrem Bett zu weinen, ihr stattdessen irgendwie Mut zu machen und sie abzulenken! Seit dem Gespräch mit dem Oberarzt jedoch bröckelte meine Mauer stündlich, so dass ich immer wieder aus dem Zimmer gehen musste, damit sie mich nicht weinen sieht! Sie sah so schlimm aus, die Angst vor dem Tod immer im Blick! Trotz hoher Morphiumdosen war sie sehr unruhig, schreckte immer wieder auf, riss ihre Augen auf, versuchte, mit der Hand etwas zu greifen und stöhnte... Dieses Stöhnen und diese Augen konnte ich immer schlechter ertragen. Eine Schwester holte einen Seelsorger, bei dem ich mich erstmal richtig ausgeheult habe... und danach mit etwas mehr Kraft zurück zu Mama.. Am Samstag Nachmittag kam dann der Pfarrer um ihr die letzte Salbung zu geben... Dieser Moment hat meine restliche Mauer mit einem mal komplett zerstört, ich bin weinend zusammmen gebrochen und konnte mich kaum bremsen! Ich weiß ja nicht, ob und was sie zum Schluss noch mitbekommen hat, aber ich glaube, jetzt war ihr klar, dass sie bald sterben wird! Auch das viele Morphium konnte ihr diese Angst (verständlicherweise) nicht nehmen! Ich war dann noch einige Stunden bei ihr und habe ihr für alles gedankt, ihr gesagt, wie sehr ich sie liebe und dass sie gehen kann, dass es okay ist, die Augen zu schließen und einzuschlafen! Irgendwann kamen noch 2 meiner Geschwister und so haben wir uns am Bett abgewechselt! Irgendwann wurde sie ruhiger und schreckte nur noch selten hoch! Dann kam eine weitere Seelsorgerin und ihre Worte haben veranlasst, dass ich aufgegeben und meine Mama in ihrem schwersten Moment alleine gelassen habe! "Helga, du kannst jetzt loslassen, der Herrgott erwartet Dich, hab keine Angst..." Da war es bei mir vorbei, ich musste da raus, das war zuviel, kein Verdrängen und hoffen mehr möglich, alles so nah und real... In dem Wisssen, dass meine Geschwister (die sich die letzten Wochen so gut wie nie haben blicken lassen) mich nun endlich mal ablösen und der, im Nachhinein total kranke Plan, nach Hause zu fahren um für den nächsten Tag Kraft zu schöpfen, ließen mich nach Hause fahren. Ich konnte und wollte nicht wahrhaben und glauben, dass sie morgen nicht mehr da ist! Ich habe sie im Stich gelassen!!! Später haben mir meine Geschwister gesagt, dass sie nun auch zuhause sind, da Mama nun ganz ruhig schlafen würde und .... 2 Stunden später kam der Anruf!!! Von da ab kreiste erstmal nur ein Gedanke durch meinen Kopf.. ich habe sie alleine gelassen... in ihrem Todeskampf alleine gelassen! Das werde ich mir niemals verzeihen! Ich kann nicht mehr, muss aufhören, melde mich bald wieder..
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#2
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ihr findet immer alle so tolle worte... ich bin immer wieder sprachlos!
aber michaela, ich erinner mich wieder. ich habe es dir vermutlich scon mal geschrieben. du hast sie nicht alleine gelassen. sie hat sich verabschiedet und wollte alleine sein. meine mama hat immer gesagt, sie möchte in DEM moment alleine sein. sie hätte angst, dass wir sie nicht loslassen würden. deine mama hatte ihre innere ruhe gefunden und wollte vielleicht auch alleine sein. du hast alles absolut richtig gemacht! es sollte so sein. deine mama hätte vielleicht ihren abschied nie gefunden und wäre wieder unruhig geworden... ich glaube sie wollten es alles so! ich bin so traurig, wenn ich das alles sehe. und da ich verdrängungsprofi bin, heule ich gerade wie blöde... alles liebe annika
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betroffen: meine mama (1952) ![]() diagnose 20.05.2010: epitheliales pleuramesotheliom rechts - T3N0M0 ![]() Für immer eingeschlafen: 07.07.2011 |
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#3
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Hallo Michaela,
meine herzliche Anteilnahme zum Tod deiner Mama. Ich kann so gut nachvollziehen, wie du dich gerade fühlst. Aber du hast deine Mama nicht im Stich gelassen......warst in den letzten Wochen immer für sie da. Auch ich habe meine Mama über 2 Jahre während ihrer Erkrankung begleitet.....und letztendlich ist sie für immer gegangen, als ich mal grade einen Nachmittag keine Zeit wegen der Erstkommunion meiner Tochter hatte. Noch nach über einem halben Jahr frage ich mich, warum ich an diesem Tag den Termin nicht abgesagt habe und bei Mama geblieben bin....denn ich habe es irgendwo in mir gefühlt, dass sie uns an diesem Tag für immer verlässt. Als dann mein Handy klingelte, wusste ich schon, bevor ich dran ging, dass es meine Schwester ist, die mir sagte, dass Mama es geschafft hat. Bitte mach dir keine Vorwürfe, weil du nicht bei ihr warst. Vielleicht hat sie genau auf diesen Augenblick gewartet, als sie allein war. Liebe Grüße Simone
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In Liebe geboren. In Liebe gelebt. In Liebe gestorben. Meine geliebte Mama ![]() 14.10.1945 - 15.01.2011 |
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#4
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Liebe Michaela,
danke für Deine lieben Worte. Ich lese Deine Zeilen und mir laufen schon wieder die Tränen. Eine Umarmung und Dich festhalten, das ist alles, was ich Dir im Moment schicken kann. Wirklich tröstende Worte gibt es nicht. Du warst so viel für Deine Mutter da. Hast an Ihrer Seite gesessen und sie begleitet. Du konntest Ihr noch alles sagen, ihr noch danken und ich bin mir sicher, dass sie alleine gehen wollte. Mach Dir bitte keine Vorwürfe. Ich dachte an dem Samstag auch, dass mein Vati geht, wenn ich dann zu Hause bin nach über 10 Stunden an seinem Bett. Viele Menschen können besser loslassen, wenn sie dann alleine sind. Aber mein Vati wollte mich unbedingt dabei haben. Er brauchte meine haltende Hand, hat es mir immer wieder sehr deutlich gezeigt. Auch am Sonntag, als er dann wirklich eingeschlafen ist. Es war auch niemand Anderes da, der es hätte machen können, meine Mutter nicht, mein Bruder nicht und einen Seelsorger hatten wir nicht. Liebe Michaela, ich wünsche Dir viel Kraft in diesen schweren Stunden. Ich hoffe, dass Du jemanden an Deiner Seite hast, wo Du Dich fallen lassen und anlehnen kannst. Ich denke an Dich und umarme Dich. Carla
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Mein lieber Vati ist am 17.7.2011 um 16.30 Uhr in meinen Armen friedlich eingeschlafen. Hand in Hand - gemeinsam sind wir stark |
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#5
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Liebe Michaela, Deine Worte haben es vollkommen auf den Punkt gebracht "Man entwickelt eine Kraft, was man vorher nicht erwartet hätte". Das stimmt absolut. Das ist sicher auch der Grund dafür, dass man dann - ich zumindest, sicher viele andere auch - in so ein immenses Loch fällt und erschöpft ist, wenn der Kranke, in dem Fall mein Papa, es geschafft hat zu gehen. Während der ganzen Zeit geht man über seine Grenzen.
Ich möchte Dir noch etwas dazu schreiben, dass Du nicht bei Deiner Ma warst. Nämlich genau das, was alle andeen zuvor auch schon geschrieben haben. Du hast sie nicht allein gelassen. Ich habe bei meinem Papa wie auch bei anderen Angehörigen die Erfahrung gemacht, dass der/die Sterbende mitentscheiden kann - irgendwie - wann und in welchem Rahmen er geht. Nicht alle, viele haben einen Kamof bis zum Schluss, aber dennoch einige. Das kannst Du nicht beeinflussen, ohne kaputt zu gehen, weil Du tagelang dabei sitzt. Ich hoffe, dass das mit der Zeit bei dir ankommt und Du erkennst, dass Du alles getan hast, was Du tun konntest, dass die gefühlten "Versäuminsse" in den Hintergrund rutschen. Beim Sterben gibt es glaube ich kein richtig und falsch. Fühl Dich gedrückt. Sowohl meine Oma als auch der Uropa meiner Tochter hatten Tag- und NAcht jemanden der Familie am Bett. Und wann sind sie gegeangen?! Als derjenige, der dabei saß, für 2 Minuten aufm Klo war. Ich hoffe, es ist ok für Dich wie auch die anderen, wenn ich noch was zum Gehen meines Vaters schreibe - kannte damals den KK noch nicht - und merke, dass es gut tut, einfach zu schreiben. Mein Papa hat gewartet, bis meine Schwester da war (sie lebt nciht in Deutschland). Eigentlich wollte sie nur eine Woche bleiben, geplant war ihr Urlaub zu Hause, weil sie meinen Sohn, der gerade geboren war, sehen wollte. Und dass das dann mit Papa so schnell ging (er galt als geheilt, dann Metas, drei Wochen später war er tot), ist sie geblieben, und er hat es voll ausgekostet. Ich habe gebetet, dass er stirbt, solange sie da ist - die Vortellung sie fliegt und sieht ihn nie wieder - grausam. Einen Tag vor der geplanten Rückreise konnte er gehen. Alleine. Wir haben uns so wie Du gefühlt. Er lag auf der Palliativ, die Schwestern wollten anrufen, wenn es absehbar ist. War es nicht. Er ist nach tagelangen Kampf, so wie Du ihn auch schilderst, einfach eingeschlafen, ein Pfleger war grad nach ihm schauen. Ich denke heute, er wollte es so. Nicht ganz allein sein, aber uns nicht belasten. Wir waren an dem abend auf der Hochzeit meiner Schwiemu, und als wir um 1h in unserer Unterkunft waren, rief meine Mama an, dass Papa es geschafft hat. Als ich die genaue Uhrzeit erfahren habe, lief mir ein Schauer durch MArk und Bein. Er ist genau dann gestorben, als wir die Feier vrlassen haben. Als wollte er uns einen schönen Abend (naja, sofern das in der Situation möglich ist) haben lassen. Dieser Gedanke hat mir im Nachhinein Frieden gegeben. Meine Mama meine Schwester und ich sind dann nachts noch zu ihm und haben in aller Ruhe Abschied genommen. Bei der hinfahrt zur Palliativ (30km) war ich wie ferngesteuert. war allein, weil mein Mann bei den Kindern bleiiben musste. Hatte nur 2 Stunden, weil ich gestillt habe. Wie ich das geschafft habe? Ich weiss es nicht. Ich wüsnsche Dir alles, alles Liebe und dass die Zeit kommt, dass die ewig auftauchenden Bilder der letzten Zeit überdeckt werden von denen der liebevollen Erinnerungen. Ich hoffe, ich habe nicht zu viel über mich geschrieben, wenn doch, tut es mir leid. Ich fahre nun mit meiner Ma zum Friseur, es wird die Hölle, sie lässt sich gleich eine Glatze rasieren, weil die Haare von der Bestrahlung ausgehen. Sicher ist das auch ein Grund, dass ich nun schriebe, schreibe, schreibe. Liebe Grüße an Alle, besonders gerade an Dich, Michaela - Sunny |
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#6
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Hallo an alle hier...
Musste mir in den letzten Tagen eine Ausziet von hier nehmen... Wannimmer ich hier schreibe, wird alles so real und meine Betäubung läßt nach! Das tut weh! Mein Gefühlsleben ist derzeit arg "wirr". Die meiste Zeit wirkt bei mir noch immer die Verdrängung. Manchmal bin ich dermaßen gereizt, dass ich alles und jeden einfach nur noch anschnauze. Sonntag bin ich mit einer solchen Sch..... Laune baden gegangen und auf einmal kam mir der Gedanke, ... ich muss Mama anrufen.... nach einer Millisekunde wurde mir klar, dass das ja nun nicht mehr möglich ist! Dann gingen die Schleusen auf und ich habe mir die Seele wund geweint! Das Schlimmste ist, dass ich wußte, wieviel Angst meine Mama vorm Sterben und vorm Tod hatte! Heute habe ich meinen Stiefpapa besucht... Die Couch neben ihm leer zu sehen, ist jedes Mal ein Schock u nd ich frage mich, wie es ihm drinnen geht! Er möchte überhaupt nicht über Mama reden, er kann es einfach nicht ertragen! Jetzt hat er auch ihren Hund abgeben müssen, da er es alleine nicht schafft! Das muss doch die Hölle für ihn sein! Ich meine, ich habe mein Zuhause, meinen "Mann", meinen Kater und mein Leben, doch was hat er jetzt noch? An Sonnenschein 78: Natürlich kannst Du mir gerne über Deinen Papa schreiben, da brauchst Du Dich auch ganz bestimmt nicht für zu entschuldigen! Wie geht es Deiner Mama zurzeit? Wie geht es Dir? Habe hier ein sehr schönes und auch tröstendes Gedicht gefunden: Wenn Engel einsam sind Wenn Engel einsam sind in ihren Kreisen, dann gehen sie von Zeit zu Zeit auf Reisen. Sie suchen auf der ganzen Welt nach ihresgleichen, nach Engeln, die in Menschgestalt durchs Leben streichen. Sie nehmen diese mit zu sich nach Haus – für uns sieht dies Verschwinden dann wie Sterben aus. Renate Eggert-Schwarten Liebe Grüße an Euch alle und ..... haltet durch... |
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#7
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Hallo Ihr Lieben,
wie geht es Euch heute? Wollte mal eben testen, ob meine Signatur so funzt, wie ich es mir vorgestellt habe!
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Meine geliebte Mama![]() kleinzelliges Bronchialkarzinom mit Lebermetas 27.11.1945 - 23.07.2011 "Wenn Engel einsam sind in ihren Kreisen, dann gehen sie von Zeit zu Zeit auf Reisen. Sie suchen auf der ganzen Welt nach ihresgleichen, nach Engeln, die in Menschengestalt durchs Leben streichen. Sie nehmen diese mit zu sich nach Haus - für uns sieht dies Verschwinden dann wie sterben aus." von Renate Eggert-Schwarten |
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