Krebs-Kompass-Forum seit 1997  


Zurück   Krebs-Kompass-Forum seit 1997 > Spezielle Nutzergruppen > Forum für Hinterbliebene

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 04.03.2015, 16:00
Anni1993 Anni1993 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2015
Beiträge: 33
Standard AW: Das Schicksal ist ein mieser Verräter...

Hallo Julia,

Wir 2 sind in gleichen Alter und ich habe vor Kurzem auch meinen Papa verloren.

Auch ich kann mir nicht vorstellen seinen Schrank jemals auszuräumen, ich habe das Gefühl, als wäre es das letzte was ich noch von ihm habe.
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 16.04.2015, 14:57
Julia93 Julia93 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 23.07.2014
Beiträge: 42
Standard AW: Das Schicksal ist ein mieser Verräter...

Halle zusammen,

am 25.04. Ist es genau ein Jahr her, dass mein lieber Papa uns hier unten allein gelassen hat.
In letzter Zeit war ich häufig traurig, momentan geht es aber eigentlich. Was wohl daran liegt, dass ich Urlaub habe und im Prüfungsstress bin. Wahnsinn, wie schnell drei Jahre Ausbildung doch vergehen. Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit, oder? Ich möchte eine richtig gute Abschlussprüfung machen und das Ganze danach noch mit einem Studium krönen. Wäre Papa jetzt noch da, hätten wir bestimmt schon gerätselt an welchen Uns ich mich bewerben soll. Ein gute Ausbildung für mich lag ihm immer am Herzen, weshalb er ja mindestens bis nach dem Studium durchhalten wollte, um mir auch private Hochschulen und Einrichtungen zu ermöglichen. Naja das kann ich jetzt knicken. Das Geld reicht gerade um neben dem Job noch abends und am Wochenende studieren zu können. Aber ich ziehe das durch und danach werden sich alle wundern wie ich mich dadurch gekämpft habe.
Meine Mutti wird an Papas Todestag wahrscheinlich nicht da sein. Finde ich nicht gut, wenn Sie den Todestag Ihres Ehemanns lieber mit ihrem Neuen verbringt und mich nichtmal fragt ob wir den Tag zusammen verbringen wollen. Wie seht ihr das? Manchmal habe ich auch den Verdach, dass das ihre Art ist alles zu verdrängen.
Ein Junge aus unserem Dorf, dessen Mutter nach langem Krebskampf vor circa 5 Monaten starb, ist in psychologischer Behandlung weil er damit nicht fertig wird. Er müsste so ca 18 sein. Da frage ich mich wirklich warum ich so eine Hilfe nicht in Anspruch genommen habe...vllt hätte es mir doch so einiges erleichtert.

Julia
__________________
Liebe ist stärker als der Tod!
Papa 04.10.1948 - 25.04.2014
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 12.06.2015, 21:25
Julia93 Julia93 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 23.07.2014
Beiträge: 42
Standard AW: Das Schicksal ist ein mieser Verräter...

Meine Mutter dreht total am Rad.
Es ist jetzt etwas über ein Jahr her und mittlerweile kann ich sagen, dass das Verhältnis zu meiner Mama, eigentlich keines mehr ist. Früher haben wir häufig unsere Lieblingssendungen zusammen im Fernsehen geschaut, heute nicht mehr weil sie jeden Abend mit ihrem Freund telefonieren muss. Überhaupt hängt sie nur noch am Handy und benimmt sich wie ein Teenager.
Jedes zweite Wochenende kommt er auch zu uns. Dann rauchen Sie das ganze Haus zu, scheiß egal was ich darüber denke. Ihr Ehemann ist an Lungenkrebs gestorben und sie hat ihm versprochen aufzuhören. Alles leere Worte. Und mich nervt es auch gewaltig. Wenn wir nicht unbedingt wegen des Hauses, was keiner von uns alleine halten kann, zusammen leben müssten, dann wäre ich schon weg. Aber das ist mein Zuhause und der Ort an dem schon mein Papa geboren und gestorben ist. Es steckt in jeder Ecke eine wertvolle Erinnerung .
Wenn er am Wochenende da ist, dann werde ich auch nur noch toleriert. Ich verstehe mich nicht mit ihm. Und das nicht, weil er ihr neuer Freund ist sondern weil seine Lebensansichten einfach nicht meinen entsprechen. Sein Niveau ist wirklich unter aller Sau und das habe ich nun schon von mehreren Leuten gehört .Wenn er dann da ist gucken die beiden den ganzen Tag Fernsehen, rauchen und spielen Sudoku. Meine Mama, die sonst überhaupt nicht so ist, passt sich seinem Niveau immer mehr an. Den Haushalt schmeißen und sich um die Tiere kümmern ist auch zuviel verlangt. Ich fühle mich mittlerweile wie eine Mutter und sie ist das Kind. Früher haben wir auch zusammen gegessen, mittlerweile werde ich nicht mal mehr gefragt. Das mich ihr Verhalten traurig und wütend macht, versteht sie auch nicht.
Sie kann machen was sie will, dazu ist Sie alt genug. Aber solange wir in einer "Wg" Leben, kann man eben nicht machen was man will.
Freunde traue ich mich nicht mehr einzuladen wenn die beiden da sind, das ist mir unangenehm.
Ich wünsche mir mein altes Leben zurück , obwohl ich ganz genau weiß ,dass es das nie wieder geben wird.
Warum tut sie mit ihm Dinge, die sie mit Papa nie gemacht hat? Das ist doch nicht fair.
__________________
Liebe ist stärker als der Tod!
Papa 04.10.1948 - 25.04.2014
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 12.06.2015, 22:14
Lucky2181 Lucky2181 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 02.06.2015
Ort: im schönen Odenwald
Beiträge: 21
Standard AW: Das Schicksal ist ein mieser Verräter...

hallo Julia

das ist bestimmt nicht einfach für Dich. Kann es vielleicht sein dass Deine Mum damit Ihre Trauer überspielt und diese damit verdrängt?

Ich lebe wie ich will und mache was ich will. Kommt mir so ein wenig vor um manches zu überspielen und weiter zu gehen.

Nur so eine Vermutung, vor allem wenn deine Mum vorher anders war.

LG
Timo
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 12.06.2015, 22:46
Julia93 Julia93 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 23.07.2014
Beiträge: 42
Standard AW: Das Schicksal ist ein mieser Verräter...

Ja, das kann ich mir schon vorstellen. Sie ist generell nicht der Typ, der seine Gefühle zeigt oder vor anderen weint. Aber einfach so zu tun, als hätte es ihn nicht gegeben, das geht zu weit.
Wenn ihr Freund nicht da ist, spricht sie manchmal über ihn. Nichts tiefsinniges. Sie nennt ihn auch nur noch bei vollem Namen und nicht wie früher beim Spitznamen.
Wenn er aber da ist, dann tut sie so als wenn es ihn nie gab. Aber vieles deutet schon darauf hin, dass sie noch nicht genug getrauert hat. Zum Beispiel steht in ihrem Sch lafzimmer ein sehr großes Bild von meinem Vater. Andererseits schläft ihr Neuer in seinem alten Bett.
Und Papa muss das alles vom Bild "mit ansehen".
__________________
Liebe ist stärker als der Tod!
Papa 04.10.1948 - 25.04.2014
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 13.06.2015, 16:07
Lucky2181 Lucky2181 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 02.06.2015
Ort: im schönen Odenwald
Beiträge: 21
Standard AW: Das Schicksal ist ein mieser Verräter...

Hi,

das ist natürlich dann schwierig. Denke es macht dir beides zu schaffen. Das Sie so darüber weggeht, aber deiner Meinung nach nicht richtig. Was ich verstehen kann ich würde es auch nicht verstehen.

Das auch so schnell jemand neues ins Leben deiner Mum kam, kommt da noch hinzu. Und on top dass du dich mit ihm nicht verstehst. Hat Deine Mum ne gute Freundin mit der Du auch gut kannst? Hast Du mit so jemandem nahestehenden dass schonmal besprochen und diese Person gebeten dass deiner Mum zu sagen?

Wäre vielleicht eine Idee?!
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 28.08.2015, 19:24
Julia93 Julia93 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 23.07.2014
Beiträge: 42
Standard AW: Das Schicksal ist ein mieser Verräter...

Hallo zusammen,

heute ist wieder ein Freitag und wie jeden Freitag muss ich mich an den einen Freitag zurück erinnern, an dem mein Papa plötzlich gegangen ist.
Mittlerweile glaube ich ja, dass das alles kein Zufall war.
Warum habe ich kurz nach der Diagnose das dringende Bedürfnis gehabt, mit meinen Eltern zum Fotografen zu fahren und Bilder von uns machen zu lassen? Papa wusste es auch irgendwie das er das alles nicht packen wird. Er hat so häufig gesagt, dass wir das auch alleine schaffen und ich gut aufpassen soll. Ahnt der eigene Körper unterbewusst, wenn der Tod herannaht ohne dass man es bewusst im Kopf erlebt? Wie von einer inneren, unerklärlichen Kraft gesteuert verabschiedet man sich, ohne zu wissen, dass es ein wirklicher Abschied ist. Wahrscheinlich versteht niemand hier was ich meine, aber ich kann es nicht besser formulieren :-D
Ich stecke immernoch mitten im Erbstreit der Erbengemeinschaft meines Vaters. Man will mir unser Haus wegnehmen und es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben als vor Gericht zu ziehen. Niemand versteht, was mir das Haus bedeutet. Hier ist mein Vater geboren und gestorben, überall sind Erinnerungen und außerdem bin ich noch nie umgezogen. Eigentlich ist das alles ein bisschen viel mit meinen 21 Jahren, aber welche Wahl habe ich? Keine! Meine Mutter wird früher oder später mit ihrem Neuen Lebensgefährten zusammen ziehen und hat prinzipiell jetzt schon mit der Vergangenheit abgeschlossen, also stehe ich alleine da und kämpfe weiter. Dass mich das alles doch ziemlich mitkommt, merke ich daran, dass ich seit einiger Zeit jede Nacht Alpträume habe und einfach nicht zur Ruhe komme. Manchmal träume ich aber auch von meinem Vater und das wirkt so wahnsinnig real, dass ich am liebsten nie wieder davon erwachen würde. Dann ist er einfach wieder da und ich kann ihm alles erzählen.
Ich habe es immernoch nicht geschafft, seine Kleidung weg zu geben. Allerdings habe ich überlegt, einen Teil an Flüchtlinge zu spenden. Damit wäre er sicher auch zufrieden.
Letztens hatte ich ein merkwürdiges Erlebnis. Ich war eine Bekannte besuchen und sie hat mir das Grab ihrer Mutter gezeigt. Mitten drauf steht eine Sonnenblume und ich wunderte mich schon sehr darüber, weil auf dem ganzen Friedhof keine andere Sonnenblume zu sehen war. Dann erzählte Sie mir, dass sie ihre Mutter gebeten hat ihr ein Zeichen zu geben, wenn es ihr gut geht und einige Monate nach der Urnenbeisetzung wuchs aus der Stelle, wo die Urne in die Erde gelassen wurde diese eine Sonnenblume. Von ganz allein und es waren die Lieblingsblumen der Mutter. Kann es denn sowas geben?!
Ich rieche manchmal, in den unterschiedlichsten Situationen, den Geruch, den ich gerochen habe als mein Vater aufgebahrt war. Allerdings lässt mich das eher erschauern, als das ich daran denke, dass er gerade irgendwie bei mir ist. Aber wer weiß das schon? Normal ist das jedenfalls nicht, aber ich würde es sehr begrüßen, wenn er auf mich aufpasst und ab und zu mal in meiner Nähe ist.
Ich vermisse ihn immernoch wie am ersten Tag...
__________________
Liebe ist stärker als der Tod!
Papa 04.10.1948 - 25.04.2014
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 04.12.2015, 22:09
Julia93 Julia93 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 23.07.2014
Beiträge: 42
Standard AW: Das Schicksal ist ein mieser Verräter...

Hallo zusammen,

mir brennt was auf der Seele und ich würde gerne eure ehrliche Meinung hören.
Ich habe mehr oder weniger zufällig mitgehört, dass meine Mutter plant, dass Ihr neuer Lebensgefährter Heiligabend bei uns verbringt. Ich habe sie darüber sprechen hören, dass sie zusammen einen Tannenbaum aussuchen wollen und den schmücken wollen und was es zu essen gibt und solche Dinge.
Ich wurde dazu nicht einmal gefragt.
Weihnachten ist furchtbar seitdem mein Vater verstorben ist und es ist auch erst das zweite Weihnachten ohne ihn. Letztes Jahr haben wir es auch zu zweit verbracht.
Ich möchte Weihnachten auch nicht mit ihrem Lebensgefährten verbringen. Es ist ein so "intimes" Fest für mich und so eine traurige Angelegenheit, dass ich niemanden, der nicht zu meiner Familie gehört, dabei haben will.
Außerdem kenne ich ihn kaum und habe vielleicht 10 Sätze mit ihm gewechselt. Wenn er jedes zweite Wochenende bei uns ist, lebt jeder sein eigenes Leben und gut ist. Es ist nicht so, als säßen wir gemeinsam im Wohnzimmer zum fernsehen oder so.
Ich bin traurig und wütend darüber, kein Mitspracherecht zu haben. Ich kann ja nichtmal mit im Wohnzimmer sitzen und Weihnachten feiern dann. Die kuscheln sich zusammen, qualmen eine nach der anderen und widern mich nur an. Ab und zu hustet er dann noch extrem schleimig und erstickt beinahe daran. Es würde mich nicht wundern, wenn der Krebs da sein nächstes Opfer findet. Aber selber Schuld bei der Qualmerei und wenn Mama durch Papas Tod keines Besseren belehrt wurde.
Ich will Heiligabend nicht auf "fröhliche Familie" machen, die wir nicht sind. Ich hatte überlegt, sie mal beiläufig zu fragen, wie es denn an Weihnachten aussieht und sie zu bitten, dass wir alleine feiern. Sie kann ja am 1. Weihnachtstag dahin oder meinetwegen auch Heiligabend. Ich sitze lieber alleine da als mit denen.
Es ist doch nicht zuviel verlangt, vorher wenigstens gefragt zu werden. Oder? :-(
__________________
Liebe ist stärker als der Tod!
Papa 04.10.1948 - 25.04.2014
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 13:22 Uhr.


Für die Inhalte der einzelnen Beiträge ist der jeweilige Autor verantwortlich. Mit allgemeinen Fragen, Ergänzungen oder Kommentaren wenden Sie sich bitte an Marcus Oehlrich. Diese Informationen wurden sorgfältig ausgewählt und werden regelmäßig überarbeitet. Dennoch kann die Richtigkeit der Inhalte keine Gewähr übernommen werden. Insbesondere für Links (Verweise) auf andere Informationsangebote kann keine Haftung übernommen werden. Mit der Nutzung erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen an.
Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2026, vBulletin Solutions, Inc.
Gehostet bei der 1&1 Internet AG
Copyright © 1997-2025 Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V.
Impressum: Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V. · Eisenacher Str. 8 · 64560 Riedstadt / Vertretungsberechtigter Vorstand: Marcus Oehlrich / Datenschutzerklärung
Spendenkonto: Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V. · Volksbank Darmstadt Mainz eG · IBAN DE74 5519 0000 0172 5250 16 · BIC: MVBMDE55