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#1
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Hallo Andrea,
natürlich hast du in gewisser Weise Recht. Man kann nicht von allen anderen erwarten, daß sie jetzt mittrauern. Für alle anderen geht ja das Leben auch normal weiter. Ich weiß ja auch nicht, wie ich noch vor ein paar Jahren reagiert hätte, wenn von den Bekannten eine nahestehende Person gestorben wäre, vielleicht hätte ich auch nicht gewußt, wie ich damit umgehen soll. Mein Freund sagt ja auch immer, dein Leben geht doch weiter, und deine Mama hätte nicht gewollt, daß du nur noch weinst und traurig bist. Ich weiß ja auch, daß das so ist. Aber mich k........ diese Leute an, die so tun, als ob nie etwas passiert wäre, oder die meinen, naja, daß muß doch jetzt mal langsam gut sein mit dem traurig sein. Weil ich genau weiß, wenn es umgekehrt wäre, würden die auch nicht so reden. Es ist eben alles nicht einfach, und ich hoffe doch so sehr, daß alles wieder gut wird...... LG Anja
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#2
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Hallo Anja,
hab gestern schon Deinen Beitrag gelesen, aber es nicht geschafft, Dir etwas mitzuteilen. Hätte sonst nur weinen müssen. Heute geht es wieder besser. (mal hoch, mal tief, mal so la la). Meine Mutter ist nun auch schon seit 30.01.05 nicht mehr bei uns... Eierstockkrebs. Sie war erst 66 Jahre alt... Viel zu früh. Aber es ist wahrscheinlich immer zu früh. Ich habe auch nach diesen über 9 Monaten immer noch ganz schlechte Tage, aber auch wirklich gute Tage, wo ich sogar lachen kann und meine Gedanken tatsächlich nicht ständig um meine Mutter kreisen, richtig ist eigentlich: nicht um meine ganze Familie kreisen. Irgendwie ist mein Problem nicht nur die Trauer, sondern die Frage, ob ich alles richtig mache. Schließlich bin ich schon 'ein grosses Kind, was seine Mama verloren hat', und zwar bin ich jetzt 45 Jahre alt oder jung (wie man's nimmt). Ich glaube, ich bin jetzt diejenige, die alle zusammenhalten muss? Ich weiss nicht, ob man das von mir erwartet, aber ich fühle das so. Nur, schaffe ich das? Wer soll es sonst tun? Das hat doch meine Mutter immer gemacht... Und davor meine Oma. Was mich beschäftigt ist, dass wir -damit meine ich meinen Vater und meinen Bruder- nicht über unsere Traurigkeit sprechen. Wir wissen natürlich, das meine Mutter nicht mehr da ist und nicht mehr wiederkommt, aber irgendwie tun wir so, als könnte sie wiederkommen. Mama wollte das so... Mama hätte das so nicht gewollt .. Das sind Sätze, die wir abwechselnd sagen. Mein Vater (66), mein Bruder (36) und ich. Kann das nicht so richtig beschreiben. Wir umgehen einfach das Thema Gefühle und Traurigkeit. Ich fühle aber die Angst bei meinem Vater und bei mir selber so wie "hoffentlich spricht keiner das Thema 'Gefühle' an. Von aussen gesehen kommt mein Vater gut mit der Situation, dem sog. Weiterleben, zurecht. Auch bei meinem Bruder und mir siehts sicherlich von aussen so aus. Aber manchmal sehe ich die verweinten Augen meines Vaters. Ich kann ihn nicht darauf ansprechen. Ich schaffe das nicht. Ich will es nicht sehen ... Das selbe mache ich, wenn er mich 'erwischen' sollte. Schnell verstecke ich mich unter irgendeinem Vorwand (gerade zu duschen oder so was ähnliches). Die Kleidung von meiner Mutter hat er auch noch nicht wegräumen können. Ich glaube, ich könnte ihm dabei auch zur Zeit nicht helfen, weil ich die Situation nicht aushalten würde und wahrscheinlich ohne Ende weinen müsste. Am Nikolausabend waren wir immer alle bei meiner Mutter zum Essen. Jetzt muss ich das glaub ich irgendwie hinkriegen. Ich denke einfach, es ist tatsächlich noch zu alles zu frisch und Trauer dauert eben. Mit meinem Mann kann ich ohne mich zu verstellen oder zu verstecken über meine Mutter sprechen; er mochte sie auch sehr sehr gerne und sagt immer, dass er einen Freund verloren hat. Wir weinen dann manchmal abwechselnd (je nachdem wer gerade obenauf ist oder unten), manchmal weinen wir auch zusammen. Mein Beitrag ist zwar nicht gerade aufmunternd, aber ich denke, dass es auch Dir hilft zu wissen, dass Du nicht alleine bist und viele Menschen ähnliches durchmachen. Mir hilft es immer wieder, hier im Forum zu lesen. Es gibt mir Kraft weiter zu machen und Mut durchzuhalten. Ich bin mir sicher, dass der Tag kommt, wo es nicht mehr so furchtbar weh tut. Kann vielleicht noch dauern. Wie lange es dauer, ist wahrscheinlich immer anders. Aber er kommt bestimmt. Meine Mutter hat ihren Vater abgöttisch geliebt. Trotzdem konnte sie nach seinem Tod irgendwann wieder herzhaft lachen und war -so glaube ich doch- überwiegend eine glückliche Frau. Übrigens wohne ich auch in Mönchengladbach. Liebe Grüsse Simone.44 |
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#3
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Hallo Andrea,
du hast Recht mit allem, was du schreibst. Auch ich habe vorher nicht wirklich gewusst, was es bedeutet, wie schrecklich weh es tut. Ich persönlich möchte auch nicht, dass alle Welt mit mir trauert. Das geht ja gar nicht, sie haben ja nicht verloren, was ich verloren habe. Aber von vermeindlichen Freunden, von Leuten, die "im alten Leben" sich Claus Freund genannt haben, hätte ich erwartet, dass es sie noch interessiert. Dass E R sie noch interessiert. Dass sie nicht in brutaler Weise vorleben (ich sage es jetzt bewusst etwas überspitzt) dass ein Freund austauschbar ist, der eine ist tot, macht nichts, wir haben noch genug andere. (und diese kranken Gedanken hört man als noch nicht greise Witwe auch immer wieder als "Trost" -ach du wirst schon noch einen "neuen Mann" finden, spinne ich oder die?) Du weißt aus meinen Beiträgen, dass wir nach wie vor feiern, dass wir versuchen trotz der offenen Wunde ums Herz, so oft wie möglich fröhlich zu sein. Die Menschen, die uns nicht meiden, feiern und lachen mit uns, sind aber genauso bereit, die Tränen, die zwangsläufig an solchen Abenden früher oder später doch fließen, zu akzeptieren, eventuell sogar diese mit uns zu teilen. Und sie geben uns Zeit. Sie setzen uns nicht unter Druck, nur weil die Monate vergehen. Das ist der Unterschied. Weißt du, wenn deine Gegenüber merken, dass es dir an einem Tag nicht so gut geht, tut es doch schon gut einfach einmal zu hören: Gell, es dauert lange? Oder - jetzt kommt die schlimme Jahreszeit, ich kann mir vorstellen, dass dann alles wieder schlimmer wird.. o.ä. Muss tatsächlich erst im eigenen Leben eine Katastrophe eintreten, um sich diese Kleinigkeiten ganz einfach nur vorstellen zu können? Und bei Euch ist es wahrscheinlich noch schlimmer dieses fehlende Fingerspitzengefühl. "Erwachsene Töchter, die bereits ihr eigenes Leben leben, wie können die ihrer Mama oder ihrem Papa so lange nachtrauern. Da müsste doch mit der Beerdigung alles wieder im Normalbereich sein." Du hast wie gesagt Recht. Man sollte nicht zu hart verurteilen. Möchte ich auch nicht. Aber ein wenig hart bin ich schon geworden und einige gemeine Gedanken kommen mir schon und eine gewisse Genugtuung (hoffentlich versündige ich mich nicht...) wenn ich mir vorstelle, dass sie es alle noch fühlen werden. Früher oder später sind sie alle dran. Und ich könnte mir vorstellen, dass bei manchen ein spätes Entsetzen darüber eintreten wird, wenn sie an ihr einstiges Verhalten zurückdenken. Diesen Vorwurf muss ich mir zum Glück nicht machen lassen. Wirklich begriffen, wirklich verstanden habe ich den Schmerz der anderen nicht, das gebe ich zu, das würde man auch nicht ertragen, aber ich habe es versucht, ehrlich versucht und habe mich nicht gescheut,da zu sein auch auf die Gefahr hin, dass der Trauernde mich bittet zu gehen... Wieder leicht verzettelt geschrieben, ich hoffe, ihr versteht trotzdem LG Andrea
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Που να 'σαι τώρα που κρυώνω και φοβάμαι και δεν επέστρεψες |
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#4
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Liebe AndreaS, ich denke genauso wie du.
Auch ich habe mir schon öfter Gedanken darüber gemacht, daß ich mich nicht versündige, aber diesen einen Satz hab ich mir schon so oft gesagt: "irgendwann seid ihr alle mal dran, und dann wißt ihr, wie das ist". Hätte nie gedacht, daß ich mal solche Gedanken hegen werde, aber das bringt das Leben mit den Mitmenschen so mit sich. Leider. Heute ist wieder so ein Tag, an dem es mir nicht so gut geht, das ist ein ewiges Auf und Ab, meistens weiß ich schon morgens, wenn ich aufwache, wie der Tag wird. Manchmal muß ich mich wirklich mit aller Gewalt zwingen, aufzustehen, es gibt aber auch Tage, wo es nicht so schwerfällt. Vielleicht ist es die Jahreszeit, jetzt, wo es eben auch auf die besagten Feiertage zugeht. Nun ja, irgendwie werde ich auch diesen Tag überstehen und freue mich auf Post von euch! LG Anja
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#5
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Hallo @ all
habe heute nochmal ein wenig gestöbert und habe den Link wieder gefunden bezüglich Dauer der Trauer und auch Ratschläge für die Nichtbetroffenen, die diese aber wohl leider nie lesen werden... http://www.psychosoziale-gesundheit....le/trauer.html Vielleicht hilft es ja auch euch ein wenig, zu lesen, dass alles "normal" ist, was mit uns passiert. LG Andrea
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Που να 'σαι τώρα που κρυώνω και φοβάμαι και δεν επέστρεψες |
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#6
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Danke Andrea.
Ich werds auch meiner Mutti ausdrucken, denn ständig werde ich gefragt, wie lange das mit den Höhen und Tiefen wohl noch gehen wird LG Simone |
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