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#1
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Hallo Rezzan, hallo @Alle,
mein Vater starb 1972. Seine Grabstelle zu besuchen, hat mir nie etwas ausgemacht - ich war vier als er starb und habe keinerlei Erinnerungen an ihn. Ich kann mich aber noch erinnern, daß wir als Kinder den Naturstein geschrubbt haben, aber alles ohne schmerzliche Gedanken. Auch war ich später jahrelang nicht ein einziges Mal mehr an seinem Grab. Seit September letzten Jahres liegt meine Mutter neben ihm. Ich kümmere mich in Abständen um die Grabpflege - wir wohnen nicht im gleichen Ort - und stelle meiner Mutter eine Kerze hin. Schwer beschäftigt mit der Grabpflege verdränge ich dabei meist alle Gedanken an sie. Unabhängig davon sind meine Gedanken jeden Tag bei ihr und ich weiß, daß das für meine Mutter auch so absolut ok ist. Sie selbst war auch absolut kein Friedhofsgänger. Und dann ist da noch meine Schwester, die 1992 tödlich verunglückte. 10 Jahre lang bin ich an ihrem Todestag, ihrem Geburtstag und auf Weihnachten jeweils zu ihrem Grab - ein Einzelgrab, was mich noch heute stört - gefahren, habe ihr ganz bestimmte Blumen gebracht und eine Kerze für sie angezündet. Nach 10 Jahren habe ich mir dann gesagt, daß ich endlich loslassen muß - ich wußte, daß ich das selbst 10 Jahre danach noch nicht geschafft hatte und vielleicht auch noch immer nicht so recht habe, auch wenn ich nicht mehr zu ihr fahre. Ich denke wie auch immer wir es mit dem Gang zum Friedhof halten, einzig wichtig ist, daß wir unsere Lieben im Herzen behalten. Und daß dem so ist, dessen bin ich mir eigentlich bei jedem, der hier schreibt, sicher. Rezzan, Du schreibst, 'die Zeit heilt gar nix'. Aus meiner Sicht würde ich sagen, über den tiefen Wunden bilden sich mit der Zeit Narben, die je nach 'Wetterlage' manchmal nur 'zwicken' und an anderen Tagen selbst Jahre später immer wieder mal aufbrechen können. Eine echte Heilung unseres Schmerzes kann auch ich mir nicht so recht vorstellen, doch werden die schmerzvollen Momente im Laufe der Zeit merklich weniger - so habe ich es zumindest erlebt. Ich wünsch Euch noch einen schönen Abend. LG Beate |
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#2
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Liebe Beate,
ich finde deine Sicht der Dinge und deine Einstellung bewundernswert. Du scheinst deinen Weg gefunden zu haben um mit all deiner Trauer umzugehen. Ich wünschte, ich könnte das auch. Vielleicht ist es doch eine Frage der Zeit, aber irgendwie habe ich da keine echte Hoffnung...Es hat sicher auch viel damit zu tun, dass ich meine Eltern "langsam" verloren habe und sie bei ihrem Leidensweg begleitet habe. Auch wenn sich das wieder komisch anhört, aber das schlimmste ist für mich wirklich nicht der Verlust meiner Eltern (obwohl sie mir natürlich sehr fehlen). Das schlimmste ist, dass sie so leiden mussten. Und diese Bilder und Erinnerungen, die verblassen nicht wirklich. Liebe Grüße & dir auch einen schönen Abend, Rezzan |
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#3
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Zitat:
genau so ist es bei mir bzgl. meiner Mutter. Keine 3 Monate blieben ihr ab der Diagnose (metastasierter Bauchspeicheldrüsenkrebs). Von den ihr verbliebenen 88 Tagen war sie 56 Tage im Krankenhaus, wo ich sie fast täglich besuchte. Und die letzten 12 Tage war ich stundenlang fast den ganzen Tag bei ihr. Die Bilder werde ich nie aus dem Kopf bekommen - genauso erinnere ich mich aber auch noch an die letzten Minuten mit meiner Schwester, ich war die letzte, die sie lebend sah. Das seelische Leid, daß meine Mutter neben dem körperlichen durchleiden mußte, schmerzt auch mich noch heute. Aber auch erinnere ich mich daran, wie friedlich sie schließlich nur mit mir an ihrer Seite einschlief. Mit diesem Wissen ist ihr Tod für mich deutlich einfacher annehmbar. Rezzan, auch Du wirst Deinen Weg finden, nicht mehr ganz so schmerzlich an die letzten Wochen/Stunden Deiner Eltern zu denken - irgendwann werden die schönen Erinnerungen an sie Deine Gedanken an sie bestimmen und die traurigen Phasen in den Hintergrund rücken. Der Weg dorthin ist sicher steinig und manchmal nicht ganz einfach zu finden, ja auch ich bin noch lange nicht am Ende meines Weges angekommen und auch noch auf der Suche. Liebe Carina, so wie Du es bzgl. Deines Vaters schreibst - stark sein für die anderen, den Schmerz verdrängen und im kleinen Kämmerlein allein austragen... - habe ich es meist auch bezüglich meiner Schwester gehalten. Auch wenn manch ein Psychologe nun aufschreien würde, daß wir uns damit langfristig nur schaden, ist es für den einen oder anderen vielleicht trotzdem ein sinnvoller oder vielleicht auch nur der einzig gangbare Weg, um nicht am Schmerz zu zerbrechen. Ich finde, jeder muß den Weg gehen, den er für sich als den erträglichsten erachtet. Irgendwie werden wir alle hier früher oder später unseren Weg finden. LG Beate |
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#4
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Liebe Maya,
ich bin selber Mami eines 6 Jährigen Sohnes. Möchte dir einfach nur sagen das es mir wahnsinnig leid tut.Ich wage gar nicht daran zu denken was ihr durchgemacht habt... Mein Schmerz kommt mir dagegen gerade sehr "klein" vor. Liebe Beate, ich denke ich werde auch weiterhin so stark sei. das Reden habe ich eh in den letzten Jahren verloren, und ich weiß nicht ob ich es noch wiederfinden kann. Es tut mir nur für die Menschen leid, die sich so große Mühe mit mir geben und ich ihnen einfach nicht die Chance geben kann, mich wirklich zu kennen oder auch kennen zu lernen. Sie mögen mich so wie ich bin, aber vielleicht wäre manchmal alles ein bisschen einfacher.... Gute Nacht und viele Liebe Grüße an alle....
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#5
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Hallo ihr Lieben!
Bin jetzt grad von der Arbeit gekommen und dachte ich schau mal nach, ob sich hier was getan hat, und siehe da... Ich bin wirklich ein wenig erstaunt das es wohl doch so viele Menschen gibt, die das gleiche "Problem" haben wie ich! Ich habe mich in der Beziehung nämlich immer für nicht "normal" gehalten, aber so ungewöhnlich scheint es ja dann doch nicht zu sein!Das baut mich wahnsinnig auf! @ Frau Rezzan Es war nicht so, dass mein Vater nicht damit gerechnet hatte, sterben zu müssen. Mein Vater hat sehr lange mit dem Krebs gekämpft, alles in allem waren es ca 7 Jahre! Er wusste schon gute 3 Jahre bevor er letztendlich starb, das die Ärzte nichts mehr für ihn tun können! Das habe ich aber erst alles vor noch nicht ganz so langer Zeit erfahren. Meine eltern haben damals versucht das alles soweit wie möglich von mir fern zu halten, ich war damals auch erst 10 Jahre alt als die erste Diagnose kam. (Mein gott, so alt bin ich schon )Bei uns ist es so,dass man Gruften alle 20 Jahre neu "kaufen" muss, und da meine Mama zu dem Zeitpunkt ja erst 43 war, und ja noch sehr viel länger hätte leben können, haben wir uns für ein einzelgrab entschieden. Mit so ner sch... rechnet ja auch kein Mensch!!!Bei meiner Mama ging alles so wahnsinnig schnell, da blieb überhaupt keine Zeit an irgendwas zu denken. Von Diagnose bis Tot waren es grad 5 Wochen!!! Aber auch wenn die beiden Gräber so weit auseinander liegen, sie werden sich schon irgendwo in der Mitte getroffen haben und gehen ihren Weg jetzt wieder gemeinsam! Man man, jetzt ist es schon wieder so lang geworden! So viel hab ich in den ganzen letzten 9 Jahren glaub ich nicht "erzählt". Scheine wohl ein ungeheures Mitteilungsbedürfnis entwickelt zu haben !Wünsche euch allen noch einen ganz schönen Abend! Bis zum nachsten Mal
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#6
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Liebe Heide.
Ich glaube du könntest recht haben mit dem was du geschrieben hast. Ich denke ich bin wirklich noch nich fertig mit dem, was da passiert ist. Ich war/bin immer die Starke der Familie, obwohl ich die Jüngste bin! Ich habe auf der Beerdigung meines Papas nicht eine Träne vergossen! Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, mir sorgen um alle anderen zu machen, vor allem um meine Mama, die sich vor lauter Schmerz kaum auf den Beinen halten konnte. Ich hatte gar keine Zeit traurig zu sein. Und als ich sie dann hatte, habe ich alles dagegen getan traurig zu werden. Das tue ich bis heute... Bis es mich halt einfach mal überennt, und ich es nicht mehr aufhalten kann! Aber das mache ich dann für mich alleine. Ich möchte nicht das jemand sieht wenn es mir schlecht geht... Ich hoffe und bete immer nur, dass meinem Sohn dieses Elend mal erspart bleibt... Viele liebe Grüße an dich
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#7
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Hallo ihr Lieben!
Bin jetzt grad von der Arbeit gekommen und dachte ich schau mal nach, ob sich hier was getan hat, und siehe da... Ich bin wirklich ein wenig erstaunt das es wohl doch so viele Menschen gibt, die das gleiche "Problem" haben wie ich! Ich habe mich in der Beziehung nämlich immer für nicht "normal" gehalten, aber so ungewöhnlich scheint es ja dann doch nicht zu sein!Das baut mich wahnsinnig auf! @ Frau Rezzan Es war nicht so, dass mein Vater nicht damit gerechnet hatte, sterben zu müssen. Mein Vater hat sehr lange mit dem Krebs gekämpft, alles in allem waren es ca 7 Jahre! Er wusste schon gute 3 Jahre bevor er letztendlich starb, das die Ärzte nichts mehr für ihn tun können! Das habe ich aber erst alles vor noch nicht ganz so langer Zeit erfahren. Meine eltern haben damals versucht das alles soweit wie möglich von mir fern zu halten, ich war damals auch erst 10 Jahre alt als die erste Diagnose kam. (Mein gott, so alt bin ich schon )Bei uns ist es so,dass man Gruften alle 20 Jahre neu "kaufen" muss, und da meine Mama zu dem Zeitpunkt ja erst 43 war, und ja noch sehr viel länger hätte leben können, haben wir uns für ein einzelgrab entschieden. Mit so ner sch... rechnet ja auch kein Mensch!!!Bei meiner Mama ging alles so wahnsinnig schnell, da blieb überhaupt keine Zeit an irgendwas zu denken. Von Diagnose bis Tot waren es grad 5 Wochen!!! Aber auch wenn die beiden Gräber so weit auseinander liegen, sie werden sich schon irgendwo in der Mitte getroffen haben und gehen ihren Weg jetzt wieder gemeinsam! Man man, jetzt ist es schon wieder so lang geworden! So viel hab ich in den ganzen letzten 9 Jahren glaub ich nicht "erzählt". Scheine wohl ein ungeheures Mitteilungsbedürfnis entwickelt zu haben !Wünsche euch allen noch einen ganz schönen Abend! Bis zum nachsten Mal
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#8
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Ich hab es seit August auch nicht geschaft zu meiner Oma ans Grab zu gehen oder zu meiner mom seit der Beerdigung im März. Ich weiß nicht wieso - vielleicht weil ich mir vorwürfe mache, daß ich nicht trauere und nicht will das sie es sehen. Wenn ich über ihren Tod nachdenke, dann stellt sich bei mir an erster Stelle das Gefühl der Erleichterung und Freiheit ein und ich hasse mich dafür. Ich muss dazu sagen, daß meine mom und ich früher ein Herz und eine Seele waren. Wir gegen den Rest der Welt, doch meine mom hat sich sehr verändert. Sie fing an und klammerte sehr stark. Teilweise konnte ich nicht mal Tanken fahren alleine weil sie mit wollte. Sie hatte Panik, daß mir was passieren könnte. Eine Zeitlang konnte ich es ertragen, aber irgendwann hab ich versucht mich zu befreien. Es gab viel Streit und mom fing dadurch wieder an zu trinken. Als ich mit 27 zu Hause ausziehen wollte drohte sie mir mit selbstmord. Nach meinem Auszug wurde es immer schlimmer. Irgendwann hatte ich das Gefühl daß ich ein Kleinkind hatte. Alles musste ich erledigen, egal ob es Kündigungschreiben waren oder Sachen aus der Apotheke kaufen. Ich war fast alle 2-3 Tage bei ihr um ihr zu helfen. Sie wurde immer unselbstständiger. Ich dachte irgendwann, daß kann doch nicht sein - die macht das sicher um mich noch mehr zu binden und um sich zu haben. Also fing ich an immer weniger für sie zu machen. Das ergab neue Streits und sie schmiss mir eine menge schlimer dinge an den Kopf und weinte viel. Ich dachte wirklich, daß sie sich absichtlich ungeschickt anstellt damit ich komme. Heute weiß ich, daß das nur zum Teil stimmte. Die extreme Verschlechterung der letzten 3 Jahre kam durch die weit fortgeschrittene Leberzirrhose, was ich aber bis zu dem Tag vor ihrem Tod nicht wußte. Jetzt mache ich mir Vorwürfe und Hasse mich für mein Verhalten.
Ich denke immer häufiger an die Streits zu Weihnachten und Neujahr. Ich war total genervt von ihrem seltsamen Verhalten und ihren Vorwürfen. Heute wünsch ich mir alles wäre anders gelaufen. Wenn ich gewußt hätte das sie durch ihre Krankheit so seltsam und ungerecht wurde, dann wäre alles anders gelaufen. Aber keiner konnte ahnen, daß sie mit 60 plötzlich verstirbt ohne Vorwarnung. Jetzt schwanke ich zwischen Erleichterung (die ständigen emotionalen Erpressungen waren echt extrem) und schuldgefühlen. Trauer kommt da irgendwie gar nicht hoch. |
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#9
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Meine liebe Carina,
ich besuche meinen Sohn, den ich über alles liebe, jeden Tag! Mein Mann liebt Lukas genauso wie ich, jedoch seine Besuche nicht so oft sind! Als Lukas gestorben war, habe ich nur am Tag der Beerdigung schwarz getragen! Lukas liebte weiß, ich auch, und einmal, als er noch "klein" Junge war, sagte zu mir: Mutti! Du liebst weiß und ich liebe weiß, wir lieben beide weiß, ist das nicht schön? Nun, warum sollte ich ausgerechnet jetzt schwarz tragen, wenn mein Sohn diese Farbe nicht so doll fand? Mein Mann trug oft schwarz aber sagte/sagt immer: Lukas ist überall! Ich brauche nicht zum Friedhof gehen! Und liebe Carina! Ich respektiere es! Alles was wichtig ist, ist die Hoffnung auf ein Leben nach dem Leben auf der Erde und die Hoffnung unsere Lieben eines Tages wieder zu sehen! Und wir tragen unseren Lieben im Herzen! Liebe Grüße Maja
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Ich liebe DICH wahnsinnig mein ENGEL! In ewiger, inniger Liebe DEINE Mutti www.lukas-benedikt.de |
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#10
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Hallo,
es ist gut, dass du mal alles rauslassen kannst. Und eins ist gewiss, du bist kein schlechter Mensch. Ich weiß wie das ist, wenn man eine Fassade aufbaut und einen auf fröhlich macht um seine Umwelt zu schonen und sie sich auch vom Leib zu halten, aber hinter der Fassade sieht es doch ganz anders aus. Jeder hat das recht auf seine ganz eigene Art zu trauern. Liebe Grüße Susanne |
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#11
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Liebe Susanne,
ich bin auch sehr froh das ich hier einen Weg gefunden habe mir mal ein bisschen Luft zu machen, und mal ein paar Antworten auf einiges bekommen habe, was mich sehr beschäftigt hat. Ich merke jetzt wie gut mir das tut, sich verstanden zu fühlen ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen... Vielen Dank nochmal an alle, die mir geantwortet haben. Es ist ein schönes Gefühl nicht alleine zu sein Ganz doll viele liebe Grüße
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