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#1
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Hallo Anemone,Ute und Moni,
genauso ist es wie Du schreibst. Einen Tag komme ich mir stark vor, am nächsten Tag denke ich schon beim Aufstehen ich packe das nicht und breche beim nichtigsten Anlass in Tränen aus, ist das nun das Paar Gartenschuhe meines Mannes das ich bis heute nicht wegräumen konnte oder ist es seine Uhr, die immer noch am selben Platz liegt. Ich bin mit meinem Mann während seiner Krankheit überall hin mitgegangen, seien es nun die 38 Bestrahlungen, sei es der Zahnarzt, immer haben wir gemeinsam gehofft und gebangt. An Weihnachten machten wir noch zusammen einen Schweinebraten mit Kruste und Weckknödel, das konnte er noch halbwegs essen, Ende Februar konnte er dann nicht mehr laufen und weder essen noch trinken. Ich bin im Nachhinein so froh, dass ich nur einen halben Tag gearbeitet habe und die letzten Wochen vor seinem Tod gar nicht mehr, habe ,mich krankschreiben lassen und ihn gepflegt so wir die letzten Wochen intensiv miteinander verbringen konnten. Aber über seinen eventuellen Tod wollte mein Mann nicht mit mir sprechen, er sprach nur mit seinem Bruder und mit meinem Sohn darüber, sie sollten auf mich aufpassen, dass ich auch genug esse. Er hats gewusst dass ich in bestimmten Situationen nicht mehr essen kann, jetzt habe ich 15 Pfund abgenommen aber jetzt zwinge ich mich wenigstens dazu. Am Anfang war mir alles egal. Einige Bekannte sagen auch, geh doch in den Urlaub, aber ich kann das nicht, ich müsste dann immer daran denken das letzte Mal im Urlaub waren wir noch zusammen. Das Alleinsein ist schon furchtbar, aber es ist nicht aus Selbstmitleid sondern ich denke immer daran welche Schmerzen er erleiden musste und doch kam das Ende für uns alle überraschend. Blödsinn wenn manche sagen, jetzt hat er es überstanden, nein ich wäre froh wenn ich ihn noch gesund hätte. Was mache ich wenn ich keine Arbeit finde und im Winter an zu Hause gebunden bin. Davor graut mir? Liebe Grüße Franziska |
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#2
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Liebe Franziska,
auch Du hast es auf den Punkt gebracht. Wie soll ich Urlaub machen??? Alleine, wo alle in trauter Zweisamkeit sind??? Auf unsere geliebte Insel, wo wir letztes Jahr noch im Mai waren. Da würden alle Erinnerungen aufkommen, wo wir abends noch gesessen haben, schön gegessen haben und jetzt alleine dort hin. Nein, das kann ich nicht. Auch dort wäre ich einsam. Ich habe auch noch nicht alle Sachen entsorgen können, der Kleiderschrank meines Mannes ist noch genauso wie vor seinem Tod. Ich kann ihn nicht ausräumen. Auch bei mir sind noch so viele Dinge, die nicht angerührt wurden. Aber ich glaube, es wird doch irgendwann Zeit, daß ich hier einiges ändere. Ansonsten kommt man glaube ich nie aus dem Loch raus. Liebe Grüße Ute |
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#3
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Ich drücke euch mal ganz lieb !!!!!!!! Einfach nur mal so !!!!!!!
Chris35
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Richte Deinen Blick der Sonne entgegen,so fällt ihr Schatten hinter Dich |
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#4
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Hallo Chris 35, dieses "nur mal so drücken" hat mir so gutgetan.
Liebe Grüße Franziska |
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#5
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Hallo Ute,
ich glaube die Grenze zum Beklopptsein ist nicht weit, wenn man wie ich ein Paar Schuhe meines Mannes, die er seit mindestens 10 Jahren nicht mehr getragen hat in die Mülltonne werfe und sie dann wieder heraushole? Er hatte ja zu Beginn seiner Krankheit eine ziemlich schwere Operation mit Hauttransplantation usw.Als er ins Krankenhaus ging hatte er eine braune Jeans mit einer braunen Strickjacke an, glaubst Du dass ich diese noch immer im Schlafzimmer hängen habe, ich kann sie nicht wegräumen, warum auch immer. Es sind so unendlich viele Erinnerungen da, sei es nur Musik wie Barry White, die ich bis heute nicht hören kann, bekomme sonst einen Weinkrampf, am liebsten ist es mir, wenn der Fernseher läuft, dann kann ich auch schlafen. Liebe Grüße Franziska. |
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#6
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Hallo zusammen
Das ungeliebte Leben. Es sind die Worte die mir eben durch den Sinn gingen. Nicht so gemeint wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Ne. So ein Leben vom Rand aus, dem Treiben da draußen zuschauen. Die alten Freunde verschwinden einfach. Ein Teil während der Krankheit, der Rest meist nach dem Tod. Es ist als ob der Kitt für diese Freundschaften fehlt. Und ja, irgendwann einmal schrieb ich einen tollen Spruch: „Vorsicht ich bin ansteckend“. Mit Tod möchten viele Menschen nichts zu tun haben und doch kommen sie dem Tod jeden Tag ein wenig näher. Ich denke die meisten verlieren die alten Freundschaften. Aber es können neue Freundschaften entstehen. Vielleicht nicht in der ersten Zeit, aber doch so langsam wird die Welt wieder größer. Auch wenn man mit dem Wort „Freunde“ vorsichtiger umgeht. Auf dem Weg der Trauer kann einem nicht geholfen werden, jeder empfindet anders, jeder versucht seinen eigenen Weg zu finden. Doch letztendlich ist es immer der eigene Weg – nicht vergleichbar. Der Trost der wirklich hilft, kommt aus der eigenen Seele. Kein „du solltest“ oder „du musst“, kein reinreden in das momentane Leben. Und gut wird es nie wieder werden. Auch nach 25 Monate habe ich noch sehr viel von Jürgens Kleidung, in Schatzkästchen in der ganzen Wohnung verteilt. Seine Jacke hängt bei mir im Schlafzimmer, manchmal hole ich mir eine „Nase“ davon. Ein wichtiges Kissen aus der Pflegezeit hat von Anfang an seinen Platz in meinem Bett gefunden, zwischenzeitlich auch mal gewaschen und trotzdem ist es noch genau dieses Kissen. Ein anderes Kissen liegt hier in meinem Zufluchtszimmer – nein, das ist nicht gewaschen. Das Seitenlagerungskissen liegt auf dem Sofa. Was ist Zeit? Wie das Leben mit Jürgen jetzt aussehen würde weiß ich nicht. Er hätte sich verändert und ich habe mich verändert. Ich bin noch hier, bin übrig geblieben, Kompromissloser sicherlich, klar sortiert was ich möchte. Sicher es gibt immer wieder Momente da stampfe ich kräftig auf, na und?!? So vieles fällt schwer und ist nicht jeden Tag möglich. Und doch wird manches wieder möglich. An die Urlaubsorte vom anderen Leben möchte ich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht gehen. An Jürgens 50. Geburtstag werde ich vielleicht eine Reise in die Vergangenheit machen, weil wir abgesprochen haben, daß wir dort an seinem 50. Geburtstag sein werden, aber das sind noch 6 Jahre hin. Gedanken mal „aussprechen“ dürfen und zu wissen, hier kommt es richtig an. Ist es nicht schön, daß es diesen Ort hier gibt?! Euch allen einen großen Knuddler. Grüßle Bruni |
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#7
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Hallo,
Ich möchte dazu auch etwas sagen, als mein Sohn Tobi voriges Jahr verstorben ist, waren alle Jugendliche aus unserem Ort anwesend bei der Beisetzung, versprachen mir Hilfe, aber gekommen ist nichts. Ebenso von vielen Freunden die ich habe, versprochen haben Sie viel, gehalten nichts.Viele Menschen wissen damit auch nicht um zu gehen ist meine Erfahrung die ich gemacht habe! Liebe Grüße Symphonie
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"Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen" Tobias 28.02.1980 - 17.09.2006 |
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#8
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Hallo alle zusammen,
ja, man kommt sich manchmal wirklich "verrückt" vor. Aber sind wir das nicht ? Verrückt im Sinne von "rausgerückt" aus dem Leben, das uns lieb gewesen ist. Nichts ist mehr so wie es sein sollte. Das Recht, "verückt" zu sein, steht uns jetzt einfach zu. Irgendwann werden wir wahrscheinlich wieder einwurzeln in dem neuen Leben. Stark sollen wir jetzt sein. Warum eigentlich? Kurz nachdem mein Schatz die Diagnose seiner unheilbaren Krankheit hatte, suchte ich Hilfe bei einem Psychotherapeuten, weil ich einfach nicht klar kam mit meiner Angst um meinen Mann, um mich, unsere Zukunft. Nach drei Sitzungen erklärte mir dieser Spezialist, dass ich ihn eigentlich gar nicht brauche, ich sei so eine starke Frau, die gewiss mit diesem Schicksalsschlag gut umgehen kann. Nee, ich brauchte ihn wirklich nicht mehr. Hat er denn nicht gemerkt, wie schwach ich war?? Gut, er hatte schon auch Recht, denn ich habe es ja geschafft, meinem Mann beizustehen, ihn zu jeder Chemo, Punktion und sonstigen Behandlungen zu begleiten, bei ihm zu sein, als er starb und, und, und. Aber stark ?? Nein, nicht wirklich. Auch in der Zeit meiner Trauer bin ich nicht stark. Ich denke, unsere Umwelt hat das gern, wenn wir stark sind. Eine starke Frau, die dazu sogar noch ein Lächeln auf ihr trauerndes Gesicht zaubert, ist nun mal leichter zu ertragen als eine, der man ihre Schwäche und Verletzlichkeit schon ansieht. Aber trotzdem mag ich nicht mehr hören, dass ich ja sooo eine starke Frau bin. Ich fühl mich schwach und elend, wenn ich abends alleine zu Hause sitze, wenn ich an seinem Grab stehe, wenn ich rund um mich herum Paare sehe in meinem Alter, wenn ich auf einer Reise etwas besonders Schönes sehe und denke: das hätte ihm jetzt auch gefallen... und bei vielen anderen Gelegenheiten. Ich habe noch nicht die Kraft gefunden für neue Freundschaften. Im Trauer-Gesprächskreis, an dem ich teilnehme, hat das auch noch nicht geklappt. Wir unterhalten uns zwar nett, reden von unseren Problemen, aber zu mehr hats noch nicht gereicht. Vielleicht braucht man einfach eine Menge Geduld mit sich selbst bis man wieder auf jemanden zugehen kann - was mir früher nie schwer gefallen ist. Hatte heute früh ein Erlebnis, was mich sehr nachdenklich gemacht hat: Gespräch an der Kasse in einem Laden. Die Kassiererin zu einer Kundin: "Ab 1. August bin ich in Rente." Kundin: "Ach, wie schön für Sie! Nicht mehr früh aufstehen müssen, Zeit für Hobbies und Nichtstun." Kassiererin: "Eigentlich will ich das gar nicht, ich stell es mir schlimm vor, den ganzen Tag mit meinem Mann zusammen! Wir werden uns bestimmt nur auf die Nerven gehen." Kundin: "Ja, meiner nervt auch ab und ganz gewaltíg, kommt manchmal so leise in die Küche geschlichen, ich frag ihn dann immer, ob er mich vielleicht kontrollieren will?" Am liebsten hätte ich dazwischen gerufen: Genießt es doch einfach, wenn euch euere Männer nerven. Ihr habt sie noch. Wie gerne würde ich mich nochmal nerven lassen... Ich grüße Euch alle zusammen ganz lieb, schicke Euch einen Knuddler und wünsche Euch, dass Ihr gut durchs Wochenende kommt - vielleicht mit ein bißchen Sonne innendrin und viel Sonne draußen. Anemone
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