AW: Hilfe bitte! Meine Mama hat Krebs :(
Jetzt hat´s mich erwischt. Ich liege seit Samstag flach, seit gestern nehm ich Antibiotika. Magen-Darm-Virus, Hals-Virus und Mittelohrentzündung. Das ist alles besser als ein Tumor, ich weiß. Ich wollte auch nur ein klein wenig beschreiben, wie mich ganze Sache mitnimmt, dass ich seit Samstag Tag und Nacht im Bett liege und unter Erbrechen, Schmerzen, kann nicht lesen, nicht schlafen. Nur Nachdenken. Über meine Mama und den Krebs. Wenn ich kurz weggenickt bin, kamen sofort die Alpträume über sie und die Krankheit und ich wachte schweißgebadet auf.
Heute hatte sie den Termin bei ihrem Hausarzt. Sie hat sich geweigert, meinen Vater oder Schwester mitzunehmen. Als ich sie daraufhin heute mittag anrief und fragte, wie´s war, log sie mich an, dass er EKG bei ihr machte, mit ihrem Bauchraum alles in Ordnung sei und sie nun nicht mehr hinmüsse.
Danach rief meine Schwester mich an, der Arzt erzählte ihr, dass unsere Mama durchaus noch eine Chance hätte, dass Lebermetastasen noch kein Todesurteil bedeuten und man die Behandlungen anfangs auch ambulant machen könne, das kennt ihr ja alles. Meine Mama hätte ihn ausdrücklich darum gebeten, dass er uns nichts erzählt, weil sie der Meinung ist, wir verkraften das nicht. Weil sie ihre Familie vor dem Krebs "schützen" möchte. Weiter ist sie auf sein Gesagtes auch nicht eingegangen. Er empfiehlt uns, mit ihr in einer Familienratssitzung nochmal darüber zu reden und sie dazu bewegen, sich helfen zu lassen. Wir gehen davon aus, sie macht keine Therapien, weil wir damit nicht klarkommen würden. Dabei wissen wir noch immer nicht, ob sie das Ausmaß der Krankheit überhaupt verstanden hat oder es einfach nur verdrängen möchte, weil sie nicht mit mir darüber spricht.
Jetzt fleht mich meine Schwester an, ich solle unbedingt schnell wieder gesund werden und mit ihr daraufhin wirken. Keine Zeit, sich auszukurieren. Also sitze ich schon wieder hier. Und erhoffe Rat von euch. Oder einfach nur ein offenes Ohr zum Zuhören. Ihr kennt sie ja auch nicht und wenn noch nicht einmal ich weiß, wie sie wohl denkt. Das kostet mich alles soviel Kraft. Meine Schwester denkt jetzt, wir sind schuld, dass sie sich nicht helfen lässt. Und wir müssen ihr doch unbedingt begreifbar machen, dass sie schnelle Hilfe braucht. Denn der Arzt sagte, es ginge uns sonst wichtige Zeit verloren.
Dolo
PS: Danke Norma, für den Tipp. Ich werde es am Wochenende, wenn ich sie wahrscheinlich wiedersehe, gleich mal ausprobieren. Muss erst wissen, dass ich nicht mehr ansteckend bin.
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