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Alt 28.10.2012, 21:24
Larimari Larimari ist offline
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Standard AW: Die Sorge um sich selbst...

so, kleines abend-update.

der papa war heute gute zwei stunden wach, am stueck. das war bisher fast rekord, wuerde ich sagen. er ist weniger reaktiv als ich mir wuenschen wuerde. er wirkt leicht apathisch. man muss sehr penetrant sein, um seine aufmerksamkeit zu erregen. aber er hat zugehoert. ich hab ihm zeitung vorgelesen und zeug erzaehlt. und fragen gestellt. und einfache fragen hat er immer mit einem schulterzucken oder einem nicken beantwortet.
ich hab ihm beim fuettern ab und zu mal den loeffel in die hand gedrueckt. den hat er dann selbst zum mund gefuehrt. und dann hab ich ihm gezeigt, wie er mit dem loeffel brei aus der schuessel loeffeln kann. das hat er dann auch gemacht. er hat sich selbst an der schoki bedient, die ich ihm angeboten habe.
ich weiss nicht, ob das sachen sind, die er jetzt wieder kann, oder ob er sie auch schon gestern so gekonnt haette, wenn ich es getestet haette. ich habe jedenfalls beschlossen, ihn noch viel mehr zu fordern, wenn er wach ist.
das grosse wunder ist bisher allerdings ausgeblieben. aber ich weiss ja auch, dass es wahrscheinlich toericht waere, nach den ersten zwei infusionen schon etwas ganz grossartiges zu erwarten. wenn etwas grossartiges ueberhaupt zu erwarten ist.
ich bin heute ein bisschen niedergeschlagen, weil ich am vormittag den eindruck hatte, der dad checkt, was mit ihm los ist und ist traurig.

ich hab hier in letzter zeit viele posts zum thema krankenhaus und krankenhauspersonal gelesen, hab ja einige davon selber verfasst. aber es ist schon faszinierend, wie man in der situation, in der wir uns gerade befinden, immer auf halbem kriegsfuss mit der medizin steht.

ich muss wirklich sagen, ich bin mit den pflegerinnen sehr zufrieden. selbst mit den wischi-waschi-maeusen. die hat meine mom heute rehabilitiert. sie schaffen nicht alles, und nicht alles in der zeit, in der man es gerne haette. aber sie sind bemueht. und dabei auch sehr nett. die schwestern, vor allem die aelteren, leiden selbst sehr unter der akkordisierung ihrer arbeit. sie haetten gerne mehr zeit fuer den einzelnen, aber der straffe arbeitsplan laesst es haeufig nicht zu.
die aerzte dagegen, naja, ich weiss nicht, bis auf die kleine assistenzaerztin (sie ist eigentlich nicht klein, sie ist eine stattliche person, aber sie hat so ein hummel-figuren-gesichtchen, drum klein, denke ich.) und die zwei onkodocs und dem strahlendoc hab ich in den letzten zwei monaten niemanden kennengelernt, zu dem ich in irgendeiner form vertrauen hatte. im gegenteil. oft hatte ich als beobachter das gefuehl, dass z.b. bei der visite ueber den patienten hinweggesprochen wurde. als wuerde man ueber ein lebloses objekt reden. und alles geht nur schnell, schnell. man muss als angehoeriger der information hinterherrennen, und darauf beharren, ernst genommen zu werden. in situationen, wo man damit kaempft, dass ein geliebtes familienmitglied schwer krank ist und bald stirbt, sollten solche anstrengungen eigentlich nicht noetig sein. es mag sein, dass die aerzte unter dem gleichen oekonomisierungsdruck zu leiden haben wie das pflegepersonal. durch ihre haeufig zur schau getragene "weisse allmacht" haelt sich mein mitgefuehl fuer sie allerdings in grenzen.

ich fuer mich muss sagen, dass die situation, wie sie gerade ist, immer anstrengender wird. ich hab das gefuehl, mich nicht gut distanzieren zu koennen. ich weiss, ich sollte mir freiraeume schaffen. aber ich weiss nicht genau, wie. ich habe angst davor, alleine zu sein. wenn ich abends daheim bin, telefoniere ich noch mit meinem freund. dann knock ich mich aus, und am naechsten morgen gehts wieder ins krankenhaus. ich schaffe es nicht, mich auf etwas anderes zu konzentrieren.

naja...

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