AW: Wir werden uns wiedersehen...
Hallo ihr Lieben,
der letzte Tag dieses Jahres, es ist grau, regnet und stürmisch... Ich blicke gerade zurück und stelle fest, dass dieses Jahr, das ich als so schlimm, herausfordernd und traurig empfand, auch viele gute Momente hatte. Gestern konnte ich nicht einschlafen und habe noch einmal diesen Faden gelesen. Den Anfang, als ich wirklich verzweifelt war und das Gefühl hatte, in ein tiefes schwarzes Loch zu stürzen. Und meine Versuche, mich aus dem diesem Abgrund zu befreien. Ich habe es geschafft und dafür bin ich dankbar. Auch wenn dieses Jahr mir viel abverlangt hat, es hat mich auch auf eine innere Reise geschickt, von der ich profitiere.
Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass mich die Themen Krankheit und Sterben einmal so sehr beschäftigen würden, ja, dass sie wie selbstverständlich zum Leben dazu gehören. Heute sind sie so ein fester Bestandteil geworden. In wie viele Geschichten und Schicksale bin ich hier eingetaucht? Ich weiß es nicht, doch alle haben mich berührt, weil ich weiß, dass so viele Menschen um ihre Liebsten bangen und kämpfen und leider auch so viele um diese trauern. Es hat mir auch sehr geholfen zu lesen, wie ihr mit eurer Trauer umgeht. Dann fühlt man sich nicht so allein. Irrwitzigerweise hatte ich im Februar dieses Jahres tatsächlich gedacht, ich sei der einzige Mensch, der das jetzt durchlebt...
Wenn ich auf mein persönliches Jahr zurückblicke, dann hat sich vieles geändert und bewegt. Vielleicht ist sogar mein ganzes Dasein im Umbruch und ich weiß nicht, wohin es mich führt. Aber Leben bedeutet auch immer Veränderung und deshalb genieße ich jetzt sehr viel bewusster die schönen Momente, die es mir beschert, denn ich weiß, dass ich nichts festhalten kann. Und ich lebe intensiver, ich verschiebe möglichst wenig in die Zukunft. Wenn mir etwas wichtig ist, dann tue ich es auch, soweit das die Umstände erlauben. Und ich versuche noch immer, in der Gegenwart zu sein und mich auf das zu konzentrieren, was gerade da ist. Und ich lasse los, was ich nicht halten kann. Eine sehr schwierige Lektion, dieses Loslassen, doch es begleitet uns auch unser gesamtes Leben.
Wenn ich heute an meinen Vater denke, dann mit einem Lächeln im Gesicht und dankbar dafür, dass ich ihn immerhin knapp 42 Jahre bei mir hatte. Natürlich steigt da auch oft die Sehnsucht auf, aber ich habe es akzeptiert, dass es so ist, wie es ist. War ein langer Weg bis hierhin und ich bin mir sicher, dass er noch nicht zu Ende ist.
Ich wünsche euch allen, dass da kommende Jahr mehr schöne als traurige Momente für euch bereit hält, dass diejenigen, die jetzt am Abgrund stehen, immer einen Weg finden mögen, wieder ans Licht zu treten, dass wir alle immer auch das Schöne erkennen können, das uns umgibt und dass wir die Hand, die man uns reicht, auch annehmen...
In diesem Sinne euch allen ein wunderbares Neues Jahr
Miriam
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Mein Papa erhielt am 18.04.11 die Diagnose Lungenkrebs mit Knochenmetastasen und ging am 21.02.12 ins Licht. Alles vergeht, aber die Liebe bleibt...
Hand in Hand - gemeinsam sind wir stark!
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