Hallo Tina,
ich hatte fast die selbe Chemo (Docetaxel, also auch ein Taxan und Carboplatin) wie du, plus Herceptin. Das ganze ist jetzt fast eineinhalb Jahre her und ich merke kaum noch etwas davon. Meine Füße sind vielleicht ein wenig empfindlicher wie früher, die verwöhne ich fleißig mit Massagen nach längeren Strecken und im Hirn hakt es auch manchmal noch (kann natürlich auch das Alter sein...

). Sonst ist meine Kondition fast wie früher, nur dass ich mehr darauf achte, mich nicht zu übernehmen, dass muss nicht mehr sein.
Beim Docetaxel hatte ich Eishandschuhe an und habe während der Stunde, die dieses einlief, Eiswürfel gelutscht (wahlweise mit Ananas oder Salbeitee oder auch gar nix), das mindert die Durchblutung und somit die Nervenschäden (offene Mundschleimhaut oder kribbelnde Finger). Trotzdem waren meine Hände zwischenzeitlich sehr empfindlich und ich habe keine Flasche aufbekommen. Dem Mund habe ich fleißig gespült, mit Salbeitee oder Bepanthol Lösung oder auch Calendula Lösung. Das Carboplatin macht so einen metallischen Geschmack im Mund, da half manchmal Lakritz und manchmal dieses fiese süße Dosenobst (gesund Essen kam dann später

)
Die Nebenwirkungen kamen nach 2-3 Tagen und waren schlimmer, wenn ich mich vorher, also am Chemotag noch "angestrengt" habe, also spazierengegangen bin oder so. Für mich war das Sofa die erste Woche der beste Platz

. Dazu konnte ich aufgrund des Cortisons erstmal nicht Schlafen, das war auch blöde. Ich hab mich dann mit Musik abgelenkt.
Nach einer Woche (da kamen auch noch Verdauungsstörungen dazu und diese unendliche Müdigkeit, dazu niedrige Leukos, also fernhalten von Menschenmengen etc.) war das Schlimmste vorüber und ab dem 10. Tag ging es mir richtig gut, in der letzten Woche vor der nächsten Chemo konnte ich auch wieder 2 Stunden Nordic Walken, das war super.
In jedem Zyklus standen übrigens andere Beschwerden im Vordergrund, da konnte man sich einfach auf nix verlassen

... Es macht ja sowieso jede von uns andere Erfahrungen.
Ich habe auch Widerwillen gegen das Essen entwickelt, welches ich am Chemotag zu mir genommen habe, also als ich mir lecker Suppe für den Tag vorbereitet hatte, kam ich heim und hätte sofort in den Topf

können, hihi... Dann bin ich dazu übergegangen, an dem Tag irgendein Fastfood zu mir zu nehmen, Widerwillen gegen Hamburger oder Grillhähnchen fand ich nicht so schlimm

. Man sollte echt nicht sein Lieblingsessen an dem Tag machen, das habe ich auch schon von mehreren gehört.
Morgens um 7.30h war ich übrigens in der Praxis und gegen 13.00h wieder zu Hause. Getränke gab es dort und ich hatte immer mein Körbchen mit leichter Wolldecke, dicken Socken, kleinen Imbiss und Lektüre dabei. Oft bin ich aber gar nicht zum Lesen gekommen, weil wir so viel geschnuddelt haben, es waren total nette Frauen dort und wir haben wirklich viel viel gelacht.
Als Fazit kann ich sagen, es gab auch während der Chemozeit mehr gute Tage wie schlechte Tage, die schlechten muss man halt aushalten und die guten genießen.
Das Jahr Herceptin war dann ganz easy, das Herz hat gut mitgemacht (alle drei Monate Echokontrolle), da hab ich nur zugesehen, dass ich mich an dem Tag nicht so sehr angestrengt habe, um das Herz nicht zusätzlich zu belasten. Die Nase lief mir noch eine ganze Zeitlang, da musste immer ein Taschentuch in der Nähe sein. Nach 10 1/2 Monaten war ich wieder arbeiten (Krankenschwester).
Zwei Wochen nach der letzten Chemo war ich übrigens mit meiner Tochter (damals 13) 5 Tage in Paris und es war einer der besten Urlaube überhaupt. Ich konnte zwar den Eiffelturm nicht zu Fuß hochklettern, aber das musste ja auch nicht sein. Die Fahrt mit dem Bus und unsere Unternehmungen habe ich supergut geschafft (immer mal ein Päuschen auf einer Bank in der Sonne) und wir haben es uns richtig gut gehen lassen dort. Das war die richtige Belohnung für diese 4 Monate Chemozeit - die im nachhinein natürlich total schnell herumging, das glaubt man kaum...
Und ich habe fleißig im Chemothread geschrieben, der Austausch dort hat mir sehr geholfen!
Alles Liebe für dich, auch du wirst diese Zeit irgendwann hinter dir haben

!
Ganz ganz herzliche Grüße von Birgit