Waltonsvilla
Lieber Egbert,
ich glaub es dir wirklich, daß du dich überfordert fühlst, denn wir wurden ja fast auch so überrumpelt. Sogar noch an dem Tag, als Mutter starb, sagte man uns vorher noch im KH, ja, sie war gestern stabil, wir hätten sie heute entlassen, wenn ihr Zustand sich nicht so dramatisch verschlechtert hätte. Wir wären damit total überfordert gewesen. Man muß schließlich diverse Vorbereitungen treffen. Mutter konnte sich ja noch nicht einmal mehr allein im Bett umdrehen. Und dann frag ich mich noch heute, wie ich das hätte machen sollen. Allein geht sowas nicht. Bei aller Liebe nicht. Dann gehst du auch noch selbst vor die Hunde. Sie bieten einem ja meistens im KH Beratungen an, aber ich weiß nicht, ob die viel bringen. Ich persönlich würde dir raten, setz dich mit einer Hospiz-Beratungsstelle in Verbindung. Da gibt es auch ambulante Hilfe. Aber allein wirst du es wohl nicht schaffen. Es macht dich ja auch psychisch völlig fertig und dann bringst du die Kraft nicht mehr auf.
Ich muß dazu noch sagen, daß Mutter nach der Einlieferung ins KH von einem Tag zum anderen radikal abgebaut hat. Sie wollte einfach nicht mehr, hat schon vorher zuhause gesagt, wenn ich ins KH komme, dann komm ich nicht mehr nach hause. Daher mach ich mir noch häufig diese verdammten Vorwürfe. Aber bei Mutters letztem Zusammenbruch hat sie dann ja selbst gesagt, bringt mich weg, ihr könnt es nicht mehr. Dann ging ja alles so schnell.
Ich wünsch dir und Pucki von Herzen alles Liebe
Christa J.
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