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Alt Gestern, 12:41
Falco Falco ist offline
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Standard AW: Diagnose Nierentumor per Telefon, und nun?

Hallo Rollimaus,

Willkommen im Forum, wenn es auch kein schöner Anlass ist.

Ein 3 cm großer Tumor im Bereich des Nierenbeckens / Harnleiterabgangs ist nicht automatisch eine schlechte Prognose. Entscheidend ist weniger die Größe allein, sondern vor allem:

wie tief der Tumor eingewachsen ist (nur Schleimhaut oder tiefer in die Wand)
welcher Tumortyp vorliegt
→ in diesem Bereich ist häufig ein Urothelkarzinom des oberen Harntrakts
Grad / Aggressivität der Zellen (low grade vs. high grade)
ob Lymphknoten oder Metastasen vorhanden sind
ob der Harnabfluss gestört ist

Gerade bei Tumoren im Nierenbecken und am Harnleiterabgang ist die Eindringtiefe viel wichtiger als die 3 cm.
Das wird man aber im Krankenhaus genau feststellen.

Wenn zusätzlich eine Läsion in der Leber vorliegt, ist das leider ein sehr wichtiger Befund, weil dies auf eine mögliche Metastase (Absiedlung) hinweisen kann. In diesem Fall würde man bei einem Tumor im Nierenbecken / Harnleiterabgang meist von einem fortgeschrittenen Stadium (Stadium IV / metastasiert) ausgehen – falls die Leberläsion tatsächlich Krebs ist.

Ganz wichtig: Eine „Läsion“ in der Leber ist nicht automatisch eine Metastase. Sehr viele Leberläsionen sind gutartig, zum Beispiel:

Zyste
Hämangiom (gutartige Gefäßveränderung)
FNH / Adenom
gutartige Narben oder Entzündungsherde

Darum ist die genaue Beschreibung im CT/MRT entscheidend.

Falls es eine Lebermetastase ist

Bei einem metastasierten Urothelkarzinom der oberen Harnwege ist die Prognose deutlich ernster. Studien zeigen, dass speziell Lebermetastasen leider zu den ungünstigeren Metastasenorten gehören.
Die mittlere Überlebenszeit lag in älteren großen Datensätzen oft nur bei etwa 3–6 Monaten ohne wirksame systemische Therapie.

Mit moderner Behandlung (z. B. Cisplatin-basierte Chemotherapie, Immuntherapie wie Pembrolizumab/Nivolumab, oder Enfortumab Vedotin + Pembrolizumab) kann sich das deutlich verbessern, und einzelne Patienten sprechen sehr gut an. Die Prognose ist heute oft besser als diese älteren Statistiken vermuten lassen.

Der wichtigste nächste Schritt

Es muss schnell geklärt werden, was die Leberläsion genau ist:

CT-/MRT-Beschreibung: „zystisch“, „KM-aufnehmend“, „suspekt auf Metastase“
Größe in mm/cm
Anzahl (eine oder mehrere?)
ggf. Leber-MRT mit Kontrastmittel
manchmal Biopsie

Ich hoffe, das hilfst für eine erste Einschätzung. Du musst jetzt Ruhe bewahren und die Behandlung im Krankenhaus abwarten.

Viele Grüße
Falco
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