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Alt 10.04.2008, 21:23
Sharanna Sharanna ist offline
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Standard AW: Todesurteil....

Liebe Karin,

erstmal eine ganz liebe Umarmung für Dich.
Ich weiß, was jetzt in Dir und der Familie abläuft, fühle mit Euch. Meine so sehr geliebte Oma starb am 14. Dezember letzten Jahres an Magenkrebs. Es ging auch ganz plötzlich - wir hatten zwar die Anzeichen gesehen, aber allesamt ganz "erfolgreich" ignoriert. Am besten meine Oma selbst.

Ich dachte auch, man könne sich "vorbereiten" - aber das Sterben eines geliebten Menschen ist etwas so Großes, so "Unglaubliches", und jedes Sterben ist einmalig. Man kann sich kaum wirklich vorbereiten....

Das optische Verändern habe ich auch erlebt. Die Haut wurde zum Ende hin ganz straff und gespannt, die Wangen eingefallen. Es war auch ein "vanilliger Duft" im Raum... Ich glaube, der Tod ist keine Sache von einer Sekunde auf die andere. Meine Oma ging Stückchen für Stückchen, mit jeder Stunde / Minute etwas mehr.

Vielleicht gelingt es Dir, neben all der tiefen Trauer, dem großen Schmerz und der Verzweiflung, im Moment des Sterbens (wenn Du dabei bist) auch etwas offen zu sein für das, was da "Magisches" passiert. Ich hoffe, Du kannst mich jetzt richtig verstehen. Ich versuche es etwas zu beschreiben: als Oma ihren letzten Atemzug tat, spürte ich ganz deutlich, daß sich etwas im Zimmer "bewegte" - der Raum war plötzlich erfüllt von "irgendetwas", und dieses "Etwas" war voller Leben.
Bitte halte mich jetzt nicht für eine abgedrehte Spinnerin. Aber ich spürte etwas Warmes in meinem Rücken, etwas Tröstendes, das voller Liebe war. Ich wußte, daß es von Oma kam. Es schien, als sei etwas aus ihrem Körper gekommen, hätte das Zimmer (in dem die ganze Familie von ihr Abschied genommen hatte) erfüllt und wäre dann hinter mich getreten (ob die anderen das so empfunden haben, weiß ich nicht). Und diese Wärme blieb noch lange in meinem Rücken, hinter mir. Hätte mir z.B. jemand ein Jahr zuvor gesagt, ich würde meine Oma nach ihrem Einschlafen zusammen mit der Frau vom Pflegedienst waschen, umziehen und frisieren - ich hätte denjenigen für verrückt erklärt! Als es dann soweit war, war es mir ein Bedürfnis und die Kraft war da!
Diese Kraft und Wärme blieb tagelang, beim Gespräch mit dem Pastor, dem Bestatter (meine Eltern haben sehr viel geweint und standen unter Schock), bei der Trauerfeier. Das war ein unendlicher Trost, ich spürte eine Kraft, das war "himmlisch". Manchmal hörte ich sie ganz leise in meinem Herzen "das hast Du gut gemacht, danke" flüstern.

Liebe Karin, Dein Vater wird spüren, daß ihr alle bei ihm seid. Er braucht Euch nicht mit seinen Augen zu sehen - er weiß es, sei ganz sicher. Er ist Euch dankbar, daß Ihr da seid, und er wird - wenn er gegangen ist - auf seine Weise dann auch für Dich / Euch da sein. Er ist stolz auf Dich, auf alles, was Du schon getan hast und noch tust, er ist dankbar. Und für alles, was Du nicht schaffst, wo Du etwas abgibst, da wird er ebenso Verständnis haben. Er ist und bleibt bei Dir.
Vielleicht siehst Du ihn in Deinen Träumen? Er wird Wege finden.

Ich wünsche Dir von Herzen ganz viel Kraft, Deinen lieben Papa zu begleiten.
Wie hier schon gesagt wurde: es ist das Größte, was man für einen geliebten Menschen tun kann. Und wenn die größte Trauer langsam, langsam etwas weniger wird (nimm Dir die Zeit), dann wirst Du sicher bald sehr froh und dankbar sein, daß Du diese besondere Zeit mit Deinem Papa haben konntest.

Alles Liebe und viel Kraft,
Sharanna
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