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Alt 05.01.2004, 22:21
Gast
 
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Standard Ungerechtfertigte Vorwürfe

Hallo Cyrne,
Ich habe meiner Mutter schon auch mal gesagt, wenn sie richtig unfair war ( "Unfair" ist in dieser Situation sicher das falsche Wort, aber mir fällt kein passenderes ein). Ich habe ihr gesagt, daß ich mich wie eine Blöde um sie bemühe und daß das gemein ist, wenn sie "so" ist. Ich denke, man darf da nicht nur die Krankheit sehen, sondern daß der Kranke, in unserem Fall nun die Mutter, so krank sie auch ist, ein Mensch bleibt, den man auch kritisieren kann. Sie in Watte zu packen, das hätte ich für sie als würdelos empfunden. Was ich allerdings nicht getan habe, das war, alte Geschichten aus unserer Vergangenheit zu klären, in denen ich mich von ihr richtig im Stich gelassen fühlte. Sie kannte meine wunden Punkte und hat in ihrer Krankheitsphase das ein- oder anderemal darauf rumgehackt. Diese Dinge verfolgen mich ab und zu, weil ich mir von ihr versöhnende Worte erhofft hatte, die aber nicht ausdrücklich gesagt wurden.Das hat mich dazu veranlaßt, diesen Strang zu eröffnen. Dies sei nur erwähnt, damit Du nicht denkst, ich würde mir hier selbst widersprechen.

Vielleicht helfen Euch ja auch ein paar klärende, trotzdem verständnisvolle Worte. Ich kenne Deine Mutter nicht, aber vielleicht gibt es ja Mittel und Wege, um sie aus ihrem Schweigen herauszuziehen. Und sei es nur, daß ihr richtig miteinander heult.

Richtig gesprochen haben wir auch erst dann darüber, als der Krebs sich immer weiter ausgedehnt hatte. Vorher wollte meine Mutter auch nicht viel darüber sprechen. Ich glaube, sie konnte erst darüber sprechen, als sie die Möglichkeit ihres Todes akzeptiert hatte.
Ob die Entscheidung, auf Chemo und Bestrahlung zu verzichten richtig war, kann nur Deine Mutter beurteilen. Du kannst Dich als Tochter um sie kümmern, wenn sie unter den Nebenwirkungen leidet oder wenn sich der Krebs ohne Behandlung wahrscheinlich weiter ausdehnt. Aber sie ist es, die entweder die Torturen von Chemo und Bestrahlung durchmachen oder es darauf ankommen lassen muß, daß sie nicht mehr lange lebt.
Das kann nur jeder für sich entscheiden. Ich glaube, ich hätte so eine Heidenangst vor dieser Krankheit, daß ich alles mitmachen würde, wozu die Ärzte mir raten.

Viele Worte, und immer wieder merkt man, wie wenig Worte gegen diese Krankheit ausrichten können. Du kannst mir gerne antworten, wenn Du magst. Ich drücke Euch alle Daumen, daß sich doch noch alles zum Guten wendet.
Und noch ein Tipp: Denk nicht an die Zukunft. Leb maximal von Tag zu Tag.

Liebe Grüße, Mia
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