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Alt 15.10.2009, 02:41
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Lucky 2 Lucky 2 ist offline
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Registriert seit: 26.09.2009
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Standard AW: Brustkrebs, es hat mich erwischt

Ich sass heute abend da und Erinnerungen kommen hoch.

ich moechte Euch teilhaben lassen, an dem was mir im Kopf rumgeht.

Ich hatte einen Kollegen, der kaum 50J war, erfahren hat dass er einen Tumor im Hirn hat. Ich war schon lange Zeit in Belgien,aber der Kollege hat jedes Jahr eine Weihnachtskarte geschrieben, in diesem besagten Jahr nicht. Auf Nachfragen meinerseits hoehrte ich davon und auch wie es im geht.

Er hatte einen nicht operablen Hirntumor, die Aerzte hatten Angst da ran zugehen. Einer meiner Exkollegen sagte mir, noch kann er sich ganz normal unterhalten, aber niemand weiss wie lange noch. Ersagte mir auch dass er versucht hat, doch andere Exkollegen dazu aufzuforderen, ihn wenigstens mal anzurufen, er wuerde sich sicher freuen. Aber "KEINER" hat es getan. Wir haben viele Feste zusammen gefeiert, viele Hochs und Tiefs im Arbeitsleben durchgemacht. Also beschloss ich dahin zu fahren. Ich wollte ihn, fuer mich, noch wenigstens einmal so sehen, wie ich ihn kannte.

Ich fuhr im Februar nach Deutschland, um meinen Kollegen zu besuchen. Eine Jahreszeit die ich sonst wetterbedingt meide um "nach Hause" zufahren. Ich fuhr auch mit sehr gemischten Gefuehlen. Wie begene ich ihm , was sagst du, wie kann man so einem Menschen Mut machen, kann man das ueberhaupt? tausende Fragen.

Als ich bei ihm ankam, stand er vor der Tuer und rauchte eine, ist ja jetzt eh egal, sagte er. Klopfte die ausgefallenen Haare aus seinem Pulli, mit der Bemerkung, ich komme gerade von der Bestrahlung, da ist das immer so. Seine Frau hat weder rauchen, noch ausfallende Haare im Haus gerne, also geht er vor dir Tuer. Ich dachte, das ist nicht der denn ich kenne. Ich wurde ins Haus gebeten,ich habe brav mein Mitbringsel abgeben, was bringt man so jemandem mit???
Nun fing so langsam ein Gespraech an. Da wurde so nach und nach ueber Aengste gesprochen, er ging auch zwischendurch mal raus und wir Frauen waren unter uns, da habe ich auch ihre Aengste verstehen koennen, sie war mal weg und er hat mir seine groessten Aengste erzaehlt.
Alles in Allem war es gut das ich da war. Ich habe mich getraut, mich dem zu stellen und habe es einfach gemacht, aber ich konnte seiner Frau viel Zuversicht geben, leider nicht ueber das Leben ihres Mannes. Meinem Exkollegen noch einmal zeigen, das es Menschen gibt die keine Angst vor ihm haben oder besser Umgang mit ihm zu haben, nur weil er bald sterben wird. "Das ist doch nicht ansteckend, warum kommt denn keiner" hat er zu mir gesagt.
Ich habe noch einmal telefoniert, mit ihm, und dann hat mich jemand aus Exkollegenkreisen informiert dass er gestorben ist.
Er wollte nicht dahinvegetieren, so wie jeder das nicht moechte, egal ob jung ob alt.
Ich bin mir sicher, wir machen noch ne Weile so weiter, hier auf der Erde und im Thread.
Aber ich bin mir ganz sicher , dass es gut war, noch einmal dagewesen zu sein!
Liebe Sabine, sehe das nicht so eng, die Kollegen wissen einfach nicht was du dir ueber Monate erarbeitet hast und haben Angst. Auch Angst weil sie nicht wissen wie sie mit dir umgehen sollen. Sag es ihnen, dann klappts auch wieder mit den Kollegen.
Liebe Tanja, du liest wie es mir ergangen ist. Ich denke du fliegst mit auch so einem Gefuehl "was erwartet mich" lass es auf dich zukommen, der Rest kommt von alleine. Ich hoffe das es bei Euch besser endet, und ihr Euch noch viele Male umarmen duerft. Aerzte neigen immer zu den schlechtesten Prognosen wenn sie keine Antworten mehr haben. Aber Aerzte wissen nu mal nicht alles.

Liebe Gruesse
Ute
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oder wovon du träumst -
fang damit an!
Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich.
J.W.v.Goethe

Geändert von Lucky 2 (15.10.2009 um 02:43 Uhr) Grund: der PC muss Schuld sein, ich bin doch nicht blond
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