AW: Profil: Angehörige stellen sich vor...
Guten Abend
Ich arbeite mich seit ein paar Tagen durch dieses Forum. Habe sehr viel geweint. Zum einen, weil hier so viele traurige Schicksale zu finden sind. Zum Anderen, weil ich mich nun nicht mehr so allein fühle.
Am 10. Oktober 2009 eröffnete mir meine Mutter, dass sie einen inoperablen Tumor im Hals hat. Die Ärzte wagen keine Prognosen. Wir müssen abwarten, was Chemo- und Strahlentherapie ausrichten. Ich bin im Moment wie gelähmt. Kann es weder glauben, noch akzeptieren. Meine Mama, die immer stark und selbständig durchs Leben gegangen ist... Die mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin... diese starke Frau hat einen Gegener getroffen, dem sie nicht gewachsen ist.
Sie wird über eine Trachealkanüle beatmet und über einen Schlauch im Bauch ernährt. Große Anstregnungen sind tabu. Ich bin jeden Tag bei ihr und gehe ihr zur Hand. Keine Ahnung, wo auf einmal all diese Kraft herkommt. Man denkt nicht darüber nach. Man arbeitet sich mechanisch durch den Dschungel der Dinge, die erledigt werden müssen. Und sammelt sehr intensive Erfahrungen dabei: Ärzte, denen eine Behandlung meiner Mutter zu riskant ist... Ärzte, die es an der notwendigen Sorgfalt fehlen lassen, weil die Kosten drücken... eine Krankenkasse, der die Probleme eines kranken Menschen Banane ist... Aaaaaber... auch Menschen, die voller Verständnis reagieren.... Ärzte, die alles tun, was möglich ist und dabei vor allem menschliche Wärme zeigen... Ich bin auch sehr dankbar, dass mein Arbeitgeber mir die Möglichkeit gibt, so zu arbeiten, wie ich es schaffe. So habe ich neben all dem mentalen und körperlichen Wahnsinn noch ein Stück Normalität, in das ich mich flüchten kann. Am Allerwichtigsten ist für mich aber mein lieber Mann. Er steht mir bei, nimmt mich oft in den Arm und macht mir Mut. Er versorgt unseren Haushalt und versucht, mir die Tage so gut es geht leichter zu machen. Ohne ihn würde ich mich endlos verloren fühlen.
Ich weiß nicht, wie lange es dauert, bis man so eine Diagnose akzeptieren kann. Heute war meine Mama wieder sehr gut gelaunt. Hat viel gelacht und ich habe wieder neue Hoffnung geschöpft. Vielleicht ist noch nicht alles verloren. Möglicherweise hat sie doch noch eine Chance...
Liebe Grüße Kerstin
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