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Alt 02.02.2011, 20:15
Zetchen Zetchen ist offline
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Standard CUP-Syndrom: Adenokarzinom

Guten Abend liebe Benutzer des Krebs-Forums, erstmal Entschuldigung für den großen Textblock, den ich euch hier gleich vor die Füße werfe. :/

meine Mutter, 49 Jahre, beklagte sich seit ungefähr Mitte Oktober 2010 über nicht verschwindende Halsschmerzen. Statt nach drei Wochen zum Doktor zu gehen, blieb sie lieber daheim, bis dann Anfang Dezember plötzlich eine massive Schwellung im Bereich des Halses zu sehen war. Mein Vater ist dann mit ihr ins Krankenhaus (es war Wochenende) und da hat man dann gemeint es sei eine Schwellung der Schilddrüse. Nunja. Es folgten in den nächsten zwei Wochen einige Untersuchungen u. A. in der Radiologie etc. dann entschied mein Hausarzt nach Erhalt der Auswertung eben dieser, dass meine Mutter in die Klinik müsse, damit die Schilddrüse operiert wird. Gesagt getan, mein Vater fährt sie also ins Krankenhaus, aber der Arzt dort wagt sich nicht an die Sache ran, schickt sie weiter in die Uniklinik Homburg. Das war dann am 22.12.10, wo meine Mutter dann in die HNO-Station kam. Es wurden einige teils ergebnislose Untersuchungen gemacht, welche weiß ich nicht genau. Es wurde jedoch anscheinend (laut meinem Vater) ein Knoten in der Niere gefunden.

Es wurde dann eine OP für den 5.01 (glaube ich) angesetzt, über Weihnachten durfte sie allerdings wieder heim, Stimmung war etwas gedrückt über die Zeit hinweg. Meine Mutter hat die ganze Zeit nur gelegen, schwer Luft bekommen etc. Zusätzlich bekam sie wegen der Antibiotika (die man ihr beim ersten Besuch im Krankenhaus Anfang Dezember gab) noch Vedauungsprobleme. Erst Verstopfung, dann Durchfall. Sie aß auch immer weniger, vielleicht ein fünftel oder ein viertel ihrer normalen Portionen.

Am ersten Januar dann bekam meine Mutter kaum noch Luft weil die Schilddrüse wieder gewachsen war und mein Vater hat sie wieder in die Uniklinik gebracht, wo sie dann auf der Überwachungsstation des HNO-Trakts blieb.
Es folgten weitere Untersuchungen, die Operation wurde wie geplant durchgeführt, es wurde ein Luftröhrenschnitt gemacht und soweit ich weiß* wurde ein Teil der Schilddrüse entfernt. Da war schon bekannt, dass der Primärtumor noch nicht gefunden wurde. Später folgte eine zweite Operation, damit sie künstlich mit solcher weißen Flüssignahrung ernährt werden kann.

Einige Tage nach der OP kam meine Mutter dann in die Innere Medizin zur Tumorbehandlung. Sie bekam die erste Chemo, die sie nicht vertragen hat und nach ein, zwei Stunden massive Atemnot hatte, blau anlief etc. Es wurde dann eine zweite Chemo versucht, die zunächst beschwerdefrei war, dann ein paar Tage später zu heftigem Durchfall führte. Als der langsam verschwand fing meine Mutter dann an sich zu Übergeben, konnte nichts trinken oder essen, ohne dass es einige Minuten später wieder rauskam. Ca. 10 Tage nach der Chemo hatte sie ein paar Tage auch noch Fieber, aber das verschwand wieder.

Vor ein paar Tagen hat mein Vater bei der Krankenkasse einen Antrag gemacht, damit wir nicht die ganzen Kosten tragen müssen. Den hat nun die behandelnde Ärztin heute (02.02.11) ausgefüllt und bei der Dauerdiagnose steht:


CUP-Syndrom, Undifferenziertes Karzinom.


Ist aber bei einem Karzinom nicht die Schilddrüse der Primärtumor der streut (und das sehr extrem beim undifferenzierten)? Das widerspricht doch dann dem CUP-Syndrom, bei dem man den Primärtumor nicht finden kann?

Noch dazu sind beide Diagnosen nicht sonderlich schön, vor allem was die Lebenserwartung und Heilungschancen angeht

Ich weiß, dass die Lebensweise meiner Mutter nicht sehr gesund ist (täglich zwei Bierchen und ca. eine 3/4 Packung Zigaretten pro Tag, wenig Bewegung außer im Garten, in der Wohnung und beim Einkaufen gehen jeden Montag) aber in wieweit sich das nun auf die beiden Diagnosen ausgewirkt hat...

Es wurde jedenfalls das Gehirn und die Lunge noch untersucht, beide sehen soweit okay aus, nichts zu finden.
Mittlerweile isst meine Mutter zwar wieder ein wenig, aber noch lange nicht viel, sie wird immer noch zusätzlich künstlich ernährt, ist schwach auf den Beinen und liegt den ganzen Tag. Nicht mal auf die Toilette geht sie. Stattdessen haben sie ihr einen Urinkatheter gesetzt, im Zimmer steht ein Toilettenstuhl. Gehen geht gar nicht richtig und durch die ganze Zeit, die sie im Liegen verbracht hat, sind ihre Muskeln praktisch nicht mehr vorhanden. Alles weich und... wabbelig.



Natürlich bedrückt mich das ganze doch sehr. Seit über einem Monat sind mein Vater und ich zu Hause auf uns allein gestellt und ich bemerke nun erst richtig, wie wenig ich eigentlich weiß. Ich kann zwar zwei, drei Sachen kochen, aber das wars auch schon... ich fühle mich ehrlich gesagt ziemlich hilflos im Moment, kann mich auf nichts konzentrieren und ständig ist da die Angst, dass das Krankenhaus anruft, weil was passiert ist. Aus Verzweiflung habe ich auch Anfang Januar damit begonnen jeden Abend für meine Mutter zu beten, weil ich sonst nicht mehr weiter wusste.


Nach der Diagnose heute stellt sich mir trotzdem die Frage: Wie können diese beiden Dinge überhaupt zusammen passen? Ist der Primärtumor was anderes, der dann die Schilddrüse als Karzinom befallen hat und sie zum Weiterstreuen bringt? Gibt es sowas überhaupt? Hat einer von euch eine Idee?
Auf jeden Fall werden mein Vater und ich morgen noch mit der Ärztin reden.


*Anmerkung: In der Klinik erfährt man NICHTS. Gar nichts. Man muss denen praktisch hinterher rennen, um kleine Infos zu kriegen. Dafür, dass es eine Uniklinik ist, sollten sie sich schämen.

Geändert von Zetchen (24.02.2011 um 20:49 Uhr)
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