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Alt 21.10.2007, 01:52
Liz und Willy Liz und Willy ist offline
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Standard AW: Mami bereitet sich auf ihren Tod vor ...

Zitat:
Zitat von Monika15 Beitrag anzeigen
Liebe Liz,
das Ergebnis deiner Überlegungen gefällt mir sehr gut. Es fühlt sich für mich stimmig an.
Für mich auch und ich glaube auch für Mami stimmt es so - irgendwie erinnert es mich an den Tag als wir meiner Schwiegermutter (Mutti) sagten, dass Vati, der am Abend zuvor starb, in ein Doppelurnengrab kommen würde, obwohl ihr Wunsch schon seit Jahren es war, in einem anonymen Gemeinshaftsgrab beerdigt zu werden. Als sie hörte, dass wir für Vati und später für sie ein Doppelurnengrab genommen haben war sie sehr erleichtert, und konnte auch Loslassen, denn 4 Wochen später starb auch sie an gebrochenem Herzen (nach 60jähriger Ehe).

Ich bin froh sie informiert zu haben, und irgendwie ist Mami auch froh darüber - es ist ja kein Hass oder so zwischen Mami, den Boys und mir vorhanden, sondern einfach durch die Distanz wurde ein Auseinanderleben zwischen den Boys, Mami und mir ausgelöst. Natürlich steht vieles im Raum, unausgesprochen und doch so verletzlich - so vieles was nie ausgesprochen wurde, an Gefühlen und offenen Fragen etc. die ausgelöst wurden als Mami und Mum (ich nenne beide Frauen Mami - Mami meine leibliche Mutter die jetzt den Hirntumor hat, oder Mum - meine Stiefmutter die in England wohnt) sich "bekämpften"... ich liebe meine Brüder über alles, ich vermisse sie sehr und in diesem Augenblick ganz extrem. Es zerreisst mir oft das Herz dass sie nicht da sind. Und doch bin ich froh, dass es keienn Hass zwischen uns gibt, da haben wir gerade hier im KK viele andere Fälle gesehen. So braucht es bei uns nicht eine Versöhnung, sondern einfach die Chance Adieu udn ich liebe dich zu sagen. Mami ist siche rauch sehr enttäuscht, dass sich die Boys so sleten gemeldet haben, sieht es aber auch, dass es nicht ein Hass-Verhältnis ist.

Ich muss ehrlich gestehen im Moment wünschte ich mir nichts mehr als einfach die beiden umarmen zu können und gemeinsam zu weinen. Ich fühle mich so leer, so anlehnungsbedürftig und ungeschützt wie ein nacktes Vögelchen im Nest. Einfach die grossen starken Schultern zu spüren die ich als Kind spüren durfte als sie mir Trost schenkten nach dem unser Daddy gestorben ist (unser Daddy starb al ich 11 war, die Boys waren 15 und 10). Einfach mich gehen lassen zu dürfen in meinen Gefühlen, mich nicht mehr immer beherrschen zu müssen, nicht mehr immer die Starke sein sondern auch einmal einfach nur die Schwache, Ich fühle mich wie ein Vogel dessen Flügel verletzt sind und er nicht mehr fliegen kann.

Zitat:
Zitat von Monika15 Beitrag anzeigen
...und schlafe in der nächsten Nacht bitte etwas. Dass Du dich mit dem Tod offen und ohne Tabus auseinander setzt ist toll, das darf aber nicht zu deinem eigenen führen.
Ja der Schlaf, der so dringend nötig ist und doch zur Qual geworden ist. kaum hast man die Augen zu träumt man von dem was passiert und passieren wird, kaum ist man wach quälen einem die Gedanken und die harte Realität. Es lässt einem nicht los.

Tagsüber verzichte ich auf meinen Schlaf da ich einfahc die rstliche kurze uns zur noch zur Verfügung stehnden Zeit geniessen möchten. Ich leide ja auch unter Fatigue wegen meiner eigenen Krankheiten die beide Fatigue mit sich bringen. "Ich kann mich ja erholen wenn Mami nicht mehr da ist" - ist so ein Gedanken von mir!

Schlaf und Zeit sind irgendwie im Moment unsere grössten Feinde, denn von beiden haben wir keines mehr. Und doch versuchen wir von beiden so viel als nur möglich zu erhaschen.

Bezüglich Tod und dass es nicht zu meinem eigenen führen darf - da habe ich immer einen Spruch drauf, denn auch Willy sich schon angeeignet hatte, resp. ich ihn von Willy geklaut habe - "Er wollte mich da oben nicht haben als es mir sehr schlecht ging, dann muss er mich auch jetzt nicht holen wollen..!!".

Hatten diese Woche gute Gespräche mit den Docs. Sie haben Mami informiert, sie hat es aber nicht richtig wahrgenommen.

Weh tut es nun auch noch zu wissen, dass nicht einmal ne Bestrahlung mehr in Frage kommt. Sie benötigen für die Simulation Kontrastmittel und das sei zu gefährlich. Anders wäre es bei einer Ganzkopfbestrahlung. Mami habe anscheinend nicht nur ein Kontrastmittel induziertes akutes Nierenversagen gehabt, sondern nun hat sich auch noch eine systemische Fibrose hinzugesellt – ebenfalls eine äusserst seltene schwere Reaktion auf Kontrastmittel. Somit ist Kontrastmittel absolut kontraindiziert bei allen Untersuchungen und egal was passiert.

Mami hat uns heute gebeten ob wir ihr japanisches Öl mitbringen können, sie hat Kopfweh und will nicht immer Medikamente nehmen. Es geht irgendwie doch viel zu schnell…

Wie lange wird sie es schaffen ihre Schmerzen mit dem japanischen Öl zu bekämpfen? Man muss sagen Mami ist keine wehleidige Person und hat äusserst selten Kopfschmerzen. Während der Menopause vor mehr als 3 Jahrzehnten hatte sie ein Phase von Migränen, das ist aber schon lange, lange vorbei.

Ich selber frag mich immer mehr und mehr was alles noch auf sie kommen wird, Schmerzen, Wesensveränderungen, Sprache, Sehvermögen – was noch???

Gestern hat sie mich gefragt ob ich ihr die Adresse von Freunden aus den 50er und 60er herausfinden könnte. Sie lebt offenbar zeitweise in einer ganz anderen Welt, und das innert 14 Tagen.

Danke Moni für deine lieben Worte und Denkanstösse.

s'Doppelpäggli
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Willy 54 J. LK Pancoast Tumor Adeno. ES 8/02 ED 11/02, Radio-Chemo, Op. 2/03 seither Teilgelähmt, O2-abhängig
Liz MS im Rolli. Gebärm.ca. 8/05
Mami 10.4.1934 - 7.9.2009
inoper. Hirntumor 10/07, Blasenkrebs 1/09
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