Einzelnen Beitrag anzeigen
  #4  
Alt 04.01.2009, 23:06
Daisy05 Daisy05 ist offline
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 04.01.2009
Beiträge: 1
Standard AW: Krukenberg Tumor!Wer kann mir die Diagnose erklären?

Hallo Rose!

Falls es Dich noch interessiert, kann ich Dir jetzt Antwort geben. Leider ist die Prognose Deiner Mutter äusserst schlecht. Das hat mehrere Gründe:
1. Die Prognose eines Krukenbergtumors ist immer äusserst schlecht, praktisch alle Patienten versterben (meist innerhalb eines Jahres)
2. Der Krebs deiner Mutter ist bereits im fortgeschrittenen Stadium, weil bereits Harnstauung (da hat der Krebs bereits eine bestimmte Größe erreicht, sonst könnte er nicht drücken), und weil es bereits so viele weitere Verdachtsdiagnosen gibt (LK-Metastasen = Lymphknotenmetastasen; Peritonealkarzinose=Bauchfellkrebs, Milzzyste, Ovarialtumor=Eierstockkrebs).
3. übrigens haben auch diese Verdachtsdiagnosen, wenn sie sich bewahrheiten, eine sehr schlechte Prognose:
LK - Metastasen: die Lymphknoten sind über den ganzen Körper verteilt und sind über die Lymphe (= die Lymphflüssigkeit, die im Körper verläuft) miteinander verbunden. Die Krebszellen verteilen sich über die fliessende Lymphflüssigkeit im Körper und befallen so irgendwelche weiteren Lymphknoten an einer anderen Stelle. Daher kann man nicht irgendwo "wegoperieren", weil die Lymphknoten so verteilt sind im Körper;und die Krebszellen sich ebenfalls so gut verteilen können. Man findet daher neu befallene Lymphknoten auch eher spät, weil die sich "irgendwo" befinden.
Ovarialtumor: Eierstockkrebs, ein sehr aggressiver Krebs mit wenig Chancen.
Milzzyste: diese Zyste könnte auch harmlos sein
Peritonealkarzinose: eigentlich keine Heilungschance. Das Bauchfell (Peritoneum) liegt ausserhalb des Magens, am Bauch, in der Bauchdecke, und kleidet den gesamten Bauchraum aus - ist also eher groß, und schützt den gesamten Bauchraum nach aussen hin. Hier liegt ebenfalls normalerweise kein einzelner Tumor vor, sondern viele kleine Tumoren, die sich auf das Bauchfell verteilen. Abgesehen davon, dass das Bauchfell sowieso nur schlecht "wegzuoperieren" geht (wird daher nur in wenigen Kliniken durchgeführt), sind diese Tumoren kaum wegzunehmen, weil sie so verteilt sind; man übersieht wiederum daher weitere Metastasen. Diese Tumoren beginnen zu wachsen und drücken dann auf andere Organe, was natürlich Probleme macht: Harnorgane funktionieren nicht mehr, Darm verengt sich und kann nicht mehr abführen, häufig auch Stau der Gallenflüssigkeit - führt zu Gelbsucht.
Die meisten Patienten versterben aber nicht an diesen Problemen (kommt zwar auch vor, weil eben Organe eingedrückt werden), sondern an Tumorkachexie, das ist Mangelernährung und Abmagerung. Erstens weil man mit Magenkrebs und Peritonealkarzinose irgendwann nichts mehr essen kann, und zweitens, weil der Krebs für sein Wachstum irrsinnig viel Energie und damit Nahrung verbraucht; mehr Energie als man mit Nahrung aufnehmen kann.
Es tut mir sehr leid, dir dies alles mitteilen zu müssen. Trotzdem schlagen Ärzte üblicherweise eine Weiterbehandlung vor, aus einem sehr guten Grund: die Patienten haben erfahrungsgemäß dadurch Hoffnung und erleben ihre Zeit daher besser. Aus diesem Grund würde ich auch Deiner Mutter zu einer Behandlung raten. (Sollten eine der obigen Verdachtsdiagnosen bewahrheiten, hilft die Magen-OP nichts, weil es ja noch woanders happert; in diesem Fall aber Chemotherapie nehmen). Gerade in der letzten Zeit kann vom Betroffenen, wenn er Hoffnung hat, noch einiges nachgeholt werden, was vielleicht verpasst wurde. Als betroffene Angehörige solltet Ihr euch vielleicht Hilfe holen, zum Beispiel Krankenhauspsychologen aufsuchen, Hospizteam kontaktieren (diese betreuen meist nicht nur den Patienten, sondern auch Angehörige), Psychotherapeuten. Das Krankenhaus wird vermutlich irgendwann Palliativpflege vorschlagen. Palliativ bedeutet, dass alles getan wird, um die Lebensqualität des Betroffenen zu erhalten, also in diesem Fall adäquate Schmerztherapie und künstliche Ernährung und psychische Betreuung. Palliativ bedeutet aber auch, dass nicht mehr geheilt wird. Ein persönlicher Rat: gebt Eurer Mutter alle Liebe. Umarmt sie oder ähnliches. Sagt ihr, was ihr immer sagen wolltet, es aber nie getan habt. Nützt einfach die Zeit. Sorgt dafür, dass sie viel Besuch bekommt. Wenn es schlimm wird, sagt ihr dass ihr sie immer lieben werdet, und dass ihr euer Leben sinnvoll weiterleben werdet, weil sie euch dafür gewappnet hat. Sorge für Deine eigene Psychohygiene: sag Stopp, wenn es nicht mehr geht. Rede mit möglichst vielen Leuten darüber, um es zu verarbeiten, und wenn Du es Leuten auf der Straße erzählst. Es tut mir leid, dass ich Dir nichts anderes sagen kann. Ich hoffe es war dir trotzdem eine Hilfe.
mit Grüßen Daisy
Mit Zitat antworten