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#1
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Guten Tag allerseits
Ich bin Angehöriger und 56 Jahre alt. Meine Frau hat nach einem Zufallsfund Eierstockkrebs diagnostiziert bekommen. Klarzelliges Adenokarzinom, Grade 3. Der betroffene Eierstock wurde in der 1. OP herausgenommen. In einer 2. OP wurde der Rest entfernt. Eierstock und Gebärmutter. Bei dieser OP wurde nichts gefunden. Null komma null, also Frühstadium. Da eine Chemo nur 3% Verbesserungs Wahrscheinlichkeit gebracht hätte, hat sie sich dagegen entschieden. In der 3. CT Nachuntersuchung wurde nun etwas an der Leber gefunden. In einer 3. OP wurden nun zusätzlich Bauchfellmetastasen gefunden. Weitere Vorgehensweise wäre eine weitere OP mit Entfernen der Metastasen und eine Chemospülung. Alternativ eine Chemo danach. Meine Frau blockiert nun und will keine Chemo. Dabei wären die Erfolgsaussichten ganz gut. Ich bin nun total nieder geschlagen und befürchte, dass ich in ein tiefes Loch falle und keine Zukunft mehr sehe. Ich würde das gerne mit anderen teilen und würde mich freuen, wenn andere ihre Erfahrungen ebenfalls hier teilen. |
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#2
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Hallo Chef,
das klingt nicht gut. M.E. sollte es aber nicht um dass "tiefe Loch" gehen, in das du fallen kannst, sondern um deine Frau. Setzt alles daran, dass sie die Chemotherapie macht. Ansonsten kommt folgendes auf euch zu: Ein klarzelliges Adenokarzinom des Eierstocks im Grad 3 mit Bauchfellmetastasen stellt eine fortgeschrittene Form des Ovarialkarzinoms dar, die mit einer schlechten Prognose verbunden ist. Die Prognose hängt entscheidend von der Qualität der chirurgischen Tumorreduktion ab, da eine makroskopisch vollständige Entfernung aller sichtbaren Tumoranteile das Gesamtüberleben um 30 bis 60 Monate verlängern kann. Bei Patientinnen mit Bauchfellmetastasen ist die primäre chirurgische Zytoreduktion gefolgt von einer systemischen Chemotherapie die Standardbehandlung. Die Operation umfasst in diesem Stadium in der Regel die Entfernung der Eierstöcke, des Eileiters, der Gebärmutter und des betroffenen Bauchfells, gegebenenfalls auch Teile der Leber oder des Darms. Die Chemotherapie erfolgt typischerweise mit Carboplatin und Paclitaxel über sechs Zyklen. Bei Patientinnen mit einem hochgradigen (Grade 3) klarzelligem Tumor wird eine adjuvante Chemotherapie empfohlen. Die Prognose ist insbesondere ungünstig, wenn sich der Tumor bereits auf andere Bauchorgane ausgebreitet hat oder wenn eine Chemoresistenz vorliegt. Bei bereits vorbehandelten Patientinnen mit platinresistenten Tumoren im Stadium III oder IV lag das mediane Gesamtüberleben nach einer regionalen Chemotherapie bei 10,9 bis 12,8 Monaten. Insgesamt tritt bei rund 70 bis 80 Prozent der Patientinnen innerhalb von zwei Jahren ein Rückfall auf, der häufig eine Resistenz gegen Chemotherapie zeigt. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate für Eierstockkrebs im Stadium III beträgt 23 % und im Stadium IV nur 14 %. Bei Patientinnen mit Bauchfellmetastasen kann eine gute Prognose trotzdem möglich sein, wenn eine vollständige Tumor- und Metastasenentfernung erreicht wird. Die Lebensqualität unter Therapie ist entscheidend, wobei regionale Chemotherapie bei fortgeschrittenen Fällen geringere Nebenwirkungen und eine bessere Lebensqualität im Vergleich zur Standardtherapie ermöglichen kann. Ich wünsche euch viel Kraft für die Zeit, die auf euch zukommt. VG Falco
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Mors rogat: Quid tempore tuo faceres, si ego non existerem? Der Tod fragt: Was würdest du mit deiner Zeit anfangen, wenn es mich nicht gäbe? |
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#3
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Lieber Chef,
herzlich willkommen im Forum. Bei Eierstockkrebs wird empfohlen, sich an ein zertifiziertes Zentrum zu wenden , um dort behandelt zu werden oder eine Zweitmeinung einzuholen. Bitte schaue einmal hier: /www.eierstock-krebs.de/kliniken Du kannst Dich auch an die Deutsche Krebshilfe wenden und beraten lassen, bitte schaue einmal hier:www.krebshilfe.de Es ist wichtig, sich von allen Krankenhausberichten, CTs etc. eine Kopie geben zu lassen. Eierstockkrebs gehört zu den Krebsarten, wo eine Chemotherapie das Rezidiv risiko verringern kann. Dies muss jeder für sich selbst entscheiden. Herzliche Grüße, Elisabethh.1900 Geändert von gitti2002 (24.10.2025 um 00:43 Uhr) |
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#4
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Hallo Elisabeth
Danke für deine Infos. Mittlerweile ist klar, dass es eine Chemo geben wird. Wir sind am Klinikum Mannheim und es scheinen alles kompetente Ärzte zu sein. Folgende Klarstellung: der Eierstockkrebs wurde nach der Entnahme als absolutes Frühstadium diagnostiziert. Da war nichts im 2. Eierstock, nichts am Bauchfell. Eine Spülung wurde gemacht, in welcher nichts gefunden wurde. Daher ist es nun seltsam, dass sich die Metastasen gebildet haben. Denn der Primärtumor ist ja längst draußen Grüße WickieDerChef |
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#5
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Hallo Wickie,
ein G3 Tumor ist bedeutet, dass es sich um eine aggressive Form handelt. Es ist leider bei Krebserkrankungen oft so, dass trotz Entfernung des Primärtumors Metastasen auftreten. Krebszellen sind oftmals in den Lymphbahnen oder im Blut und werden so weitertransportiert. Deshalb wird oft auch bei guter Ausgangssituation eine Chemo gemacht. Wie es bei euch weitergeht, kann euch keiner sagen. Ich hatte vor 21 Jahren Eierstockkrebs in forgeschrittenem Stadium und meine Aussichten waren nicht gut. Meine Ärzte haben immer gesagt, dass ich das Leben genießen soll so lange es geht, denn der Krebs wird wiederkommen. Trotzdem bin ich immer noch da und ich hatte bisher kein Rezidiv. Ich hatte immer das Gefühl, dass es für Angehörige sehr schwer ist, daneben zu stehen und scheinbar nichts tun zu können. Ich wünsche euch alles Gute! Ganz liebe Grüße Margit |
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#6
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Hallo Wieckie,
Ich schwinge richtig mit, mit dieser Geschichte. Ich kann es gut nachvollziehen, wenn man sich fühlt, wenn man bei einem Frühstadium und gedachter Heilung so kurzfristig mit einem Rezidiv konfrontiert wird. Mich würde interessieren: wie groß der Tumor war, welches Stadium, ob bei der großen OP Lymphknoten entfernt worden sind und wieviele Monate später das Rezidiv aufgetreten ist? Ich bin selbst auch von dieser Art von Tumor betroffen. Vor 9 Monaten erhielt ich aus völliger Gesundheit die gleiche Diagnose eines klarzelligen Ovarialkarzinoms (Klarzeller sind immer G3). 3 Tage vor der ersten OP (nur Entfernung des Tumors) kam es leider zu einem kleinen Riß in der 15 cm Zyste und Blut ist in die Bauchhöhle ausgetreten. Deshalb und aufgrund einer zufallsendeckten Lungenembolie wurde mir dringend zunächst zu der üblichen Chemotherapie mit Paclitaxel/Carboplatin geraten. Die Komplettierungsoperation mit anderem Eierstock, Gebärmutter, Lymphknoten und großen Netz erfolgte 4 Monate später. Dort konnte keine einzige Krebszelle mehr gefunden werden. Somit ein Frühstadium FIGO 1a mit Ruptur (nach menschlichem Ermessen). Ich mache mir nichts vor - das Risiko eines Rezidivs bleibt trotzdem enorm - unterm Strich ist es immer eine 50/50 Chance. Das klarzellige Ovarialkarzinom ist sehr selten und leider wirken übliche Chemotherapien nicht immer so, wie man es sich wünschen würde. Insofern finde ich es völlig okay, das deine Frau zunächst keine Chemotherapie gemacht hat (bei 3% Vorteil). Mein Eindruck ist: Auch wenn es der gleiche Krebs ist, jeder Tumor verhält sich anders. Der eine ist groß und metastasiert spät. Der andere ist klein und metastasiert früh. Welche erstaunlichen Überlebenszeiten es gibt, mit und ohne Rezidiv, kann man hier im Chat immer wieder lesen. Wichtig ist, das sich die Ärzte kümmern. Als Patient und Angehöriger muß man das Schicksal annehmen und das Beste daraus machen. Was nicht zu ändern ist, ist nicht zu ändern. Die Grenze darf deine Frau natürlich setzen. Das ist ihr gutes Recht. Ich drücke uns allen die Daumen! Liebe Grüße, Igel Geändert von Igel (27.11.2025 um 18:47 Uhr) Grund: Wort korregiert |
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