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  #1846  
Alt 27.02.2009, 22:56
AndreaM AndreaM ist offline
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Standard AW: Stammtisch

Liebe Bruni,

ob es Kinder sind, ob es "echte" Familie ist oder ob es "nur Freunde" sind - alles im Leben ist leichter, wenn man jemanden hat auf den man sich stützen kann.

Meine Freundin, die Muter meines Patendkinds, sagte bei einer Diskussion über den Sinn des Lebens einmal: "Meine Kinder sind heute der Sinn meines Lebens. Aber wenn sie groß sind und auf eigenen Füßen stehen wirst Du mir voraus sein, denn dann muss ich meinem Leben einen neuen Sinn geben".

Ich sende Dir ein Kraftpaket und wünsche Dir, dass die fürs Wochenende versprochene Sonne Dich zum Lächeln bringt!

Liebe Grüße und gute Nacht
AndreaM
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  #1847  
Alt 28.02.2009, 10:03
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AndreaS AndreaS ist offline
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Standard AW: Stammtisch

Ja es ist so, es gibt nicht nur schwarz und weiß. Es ist wundervoll unsere Kinder gesund um mich zu wissen, jedes einzelne mit Eigenschaften, die mich oft an ihren Vater denken lassen. Und doch stehe ich seit dem Tod meines Mannes alleine da. Ich habe etwas anderes verloren, als meine Kinder, mir fehlt etwas anderes in meinem Leben als ihnen. Wir vermissen den selben Mensch, aber unser Verlust unterscheidet sich in der Beziehung, die wir zu ihm haben.

Ich habe darüber nachgedacht, ob es nicht oftmals einfach auch nur eine Erklärung für die anderen ist, dass man weitergemacht hat. Wegen der Kinder? Was, wenn sie nicht gewesen wären? Hätte ich mich umgebracht, und die Umwelt hätte begriffen wie groß meine Liebe ist? Habe ich es – trotz des anfänglichen Wunsches ihm zu folgen, damit dieser unsägliche Schmerz aufhört, nur wegen der Kinder nicht getan? Oder doch eher, weil ich leben wollte. So wie er leben wollte.

Und wie entsetzlich für die verwaisten Kinder, wenn die überlebenden Elternteile sich an die Kinder klammern, nur noch in den Kindern ihren Lebensinhalt sehen und ihnen somit die Freiheit nehmen, ihr eigenes Leben zu leben. Die Kinder als Partnerersatz, um nicht an der Einsamkeit zu zerbrechen. Welch fürchterliche Bürde für die Kinder, die angeblich der Grund sind, weshalb man selbst weitermacht.

Nicht nur schwarz und weiß. Und wie schön, dass du es so oft erlebst. Dass du Teil unseres chaotischen Lebens bist und ich sehe deinen erstaunten Blick. Keinen Augenblick Ruhe, ein ständiges Kommen und Gehen. Mag für ein paar Stunden den Eindruck von wunderbarer Abwechslung haben. Stimmt. Und wie schön, dass du den vier „Plagen“ so wichtig bist. Dass du teilhaben darfst an den wunderschönen Momenten, in denen sie einfach nur „richtig“ sind. Wenn du um Rat gefragt wirst, wenn du Mitten Im Zoff nicht mehr weißt, wie du abtauchen kannst? Wenn du Briefe erhältst unter dem Tannenbaum, Zeilen an Jürgen gerichtet….

Und doch für mich? Die Momente der Stille, der Einsamkeit, der Ausschließlichkeit für die Trauer, sie sind zu selten gewesen. Und bei dir? Wie gerne sind wir in deinem Nest, in dem die Dinge ihren Platz haben und auch dort bleiben, in dem man ungestört reden kann, nicht ständig durch Telefon oder Türklingel aus den Gedanken gerissen. Ja, was du hast sehne ich mir hin und wieder herbei, so wie du umgekehrt.

Und der neue Partner? Der Tod hat die Unbeschwertheit mitgenommen, auf beiden Seiten. So vieles ist leichter, wenn man nicht mehr alleine ist. Aber die Trauer bleibt für jeden von uns ganz alleine, in unseren Herzen, bremst oftmals aus. Es gibt keinen unbeschwerten Neuanfang, denn das geliebte alte Leben ist unser ständiger Begleiter, erfordert Unmengen an Verständnis und Respekt, Talfahrten zu unterschiedlichen Zeiten, Zeitreisen, die das Lachen wieder ersticken lassen.

Wieder viel zu viel geschrieben, Und weil ich mich erinnert habe, lege ich noch ein paar Zeilen in unser Körbchen:

Gefühle:
Man sagte mir, alle Gefühle seien weiß oder schwarz oder dazwischen also grau.
Aber es kamen gelbe dazu, rote, violette, braune und sogar zweifarbige.
Ich war ratlos, bis ich erfuhr, dass die meisten Menschen ihre farbigen Gefühle verdrängen, so dass nur schwarz, weiß und grau verbleiben kann.
Ich spüre aber, dass man mit einer ganzen Farbpalette bunter malen kann als nur mit einem Bleistift.


(Verfasser mir unbekannt)

LG
Andrea
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  #1848  
Alt 28.02.2009, 15:34
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IreenS IreenS ist offline
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Hallo,

Andrea hat recht: es gibt nicht nur schwarz weiß.

Ich denke man muss sich seinen Weg suchen.

Mein Mann ist im Okt. 08 verstorben - an DK mit Metastasen.

Die Trauer über den Verlust und der Frust über diese vermaledeite Krankheit holt einen immer wieder ein, das ist eben so.
Und man muss es auch zulassen, man kann es nicht einfach "wegstecken" und das glaube ich hilft uns dabei die Situation
als unabänderlich zu akzeptieren.

Es war eben unser gemeinsames Leben und jetzt ist dieser Abschnitt vorbei - es wird nie wieder "unser gemeinsames Leben" geben.
Das ist traurig, das gefällt mir nicht, es war definitiv nicht das Ziel - aber es ist so.

http://www.dailymotion.com/video/x4m...leben-ew_music

Dieses Lied von Christina Stürmer hat mich die ganze Zeit über begleitet.
Ich hab es nicht gleich realisiert, aber dann: es ist so, ein Ende stellt man sich einfach nicht vor.
...unsere Zeit vergeht nicht, so glaubt man.

Jeder trauert anders, jeder geht mit seiner Trauer anders um - auch mich holt sie ein,
in Momenten in denen ich eigentlich glaube weit davon entfernt zu sein.

Aber ich weiß auch, dass ich meinen Weg weitergehen muss, mich jetzt - ob ich es nun so will oder nicht -
neu orientieren muss. Und ich bin mir sicher, dass es auch im Sinne meines Mannes ist. Es heißt ja nicht VERGESSEN WAS WAR.
Und ich glaube dabei bekomme ich Hilfe, wenn ich sie einfordere - von der Familie, von Freundinnen, von Freunden;
aber das Zeichen dazu werde ich geben müssen.

Liebe Blue, der Himmel wird wieder blau und die Sonne wird wieder scheinen,
man muss es aber auch sehen wollen.
Ich wünsche Dir alles Gute und vergrab Dich nicht so sehr.

Ireen
__________________
http://www.myvideo.de/watch/4892460/...ume_leben_ewig


Wolfgang *03.04.1947 - +18.10.2008

Christel *17.05.1950 - +12.04.2011

Geändert von IreenS (28.02.2009 um 15:46 Uhr)
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  #1849  
Alt 28.02.2009, 16:55
Blue Blue ist offline
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[B]Hallo zusammen,

es soll keine Wertung sein, was besser/schlechter/mutiger/steiniger ist. Nein, es wirkte auf mich „einseitig“, zu ausschließlich in eine Richtung. Jeder Weg ist einzigartig, ein vergleichen nicht möglich.

Meine liebe Andrea. Machmal überlege ich mir, ob ich mein Telefon abbestellen soll, nur damit ich von Dir lesen kann. Und dann wieder? Nein! Mein Nachhause kommen war gestern wunderschön. Ich stand neben dem AB und hab gelacht und mir überlegt, was da wohl bei Euch gekocht wird… Du hast Dir ewig lange meine Kopfturbulenzen angehört, ja den ganzen Abschiedsschmerz. Das ist auch so etwas, was ich in meinem Leben nicht vermissen möchte.

Liebe Andrea M, den ganzen Nachmittag saß ich auf dem Balkon. Ein Steinchen lag neben mir, kugelrund, von Wind und Zeit abgeschliffen, rund gemacht, eine kleine Murmel. Die Sonne hell und warm. Ich hoffe Du konntest die Sonne auch geniessen und vielleicht ein klein wenig die Mitte finden? Der Sinn des Lebens? Nun, manchmal scheint er mir auch abhanden gekommen zu sein. Aber muß immer alles so ganz genau in Worte gepackt sein? Ist der Sinn des Lebens nicht auch irgendwie ein Gefühl, ganz tief drin?

Hallo Siegfried, sind Tiere nicht etwas Wunderbares? Ist die gleichmäßige Bewegung beim Spaziergang nicht eine gute Gelegenheit, Gedanken zu sortieren, sich zu erinnern, auf Zeitreise gehen? Irgendwann fing ich mit meiner Hakentour an, nur ich und die Musik im Ohr. Noch immer versuche ich auf diese Art mir klar zu werden, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Oft „renne“ ich hier los und komme wunderbar sortiert im Schlenderschritt wieder zurück. Wo sind die wunderschönen Bilder Deiner Karin geblieben? Hast Du sie hier wieder rausgenommen?

Liebe Morgana, heute sind es 6 Monate, schon und doch erst. Ich hoffe, daß sich der Tag für Dich richtig anfühlt, die Sonne auch Dein Herz erreicht. Du hörst Rosenstolz auch so gerne?!? Nachdem sie die restlichen Konzerte abgesagt haben, hast Du jetzt eine Fristverlängerung – dann vielleicht im nächsten Jahr?

Für alle den einen Stift, der die Gefühle bunt macht, nicht nur weiß oder schwarz, den ganzen Regenbogen.

Gruß
Bruni
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  #1850  
Alt 28.02.2009, 17:37
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Morgana Morgana ist offline
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[QUOTE=Blue;688200 Liebe Morgana, heute sind es 6 Monate, schon und doch erst. Ich hoffe, daß sich der Tag für Dich richtig anfühlt, die Sonne auch Dein Herz erreicht. Du hörst Rosenstolz auch so gerne?!? Nachdem sie die restlichen Konzerte abgesagt haben, hast Du jetzt eine Fristverlängerung – dann vielleicht im nächsten Jahr?
[/QUOTE]


Liebe Bruni,
DANKE Das mit der Sonne hat heute nicht geklappt. Hier war es ziemlich diesig, aber es hat nicht geregnet. Habe auf dem Balkon meine erfrorenen Geranien vom letzten Jahr entsorgt und Buxbäumchen eingesetzt. Auf die Sonnenstrahlen, die mein Herz wirklich erreichen, muß ich wohl noch warten...das Herz hat sich eingemummelt in warmen Kokon. Rosenstolz wird angegangen...nächstes Jahr, glaub schon...

Hatte gestern NEID ; Kollegin getroffen, wurde von ihrem Mann abgeholt. Sie ist End50erin und hatte 1 Monat nach mir zum 2. Mal geheiratet. Und das war 2004 und sie ist immer noch glücklich verheiratet...
Egal, was nun hier für kluge Ratschläge kommen...ich war NEIDISCH.

Music was my first love and it will be my last...zwitscher, träller...Soo...versuche ich auf dem Strom des Lebens zu schwimmen.

Wünsche Euch allen bunte Farben vom Regenbogen!

LG Morgana
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  #1851  
Alt 28.02.2009, 18:03
Blue Blue ist offline
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Worauf wars Du neidisch? Auf den Mann? Oder warst Du traurig, weil Du von Deinem Mann nicht mehr abgeholt werden kannst - also auf die Situation? Klingt dann gleich ganz anders und ist doch ein Unterschied....

OK, ich habe wohl zuviele Arbeitszeugnisse gelesen und morgen kommt die Sonne bestimmt auch zu Dir.

Grüßle
Bruni
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  #1852  
Alt 28.02.2009, 20:46
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Conan Conan ist offline
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Guten Abend, Ihr Lieben,
heute will ich euch mal ein wenig aufmuntern: ich hatte solche Angst vor dem ersten Wochenende ganz alleine und ich hatte mir fest vorgenommen, es so zu gestalten, dass ich mich gut fühle. Und der heutige Tag war gut, ich möchte euch allen von meinem guten Gefühl etwas abgeben. Heute vor dem Frühstück war ich nach über einem viertel Jahr wieder joggen. Das macht den Kopf so schön frei, das finde ich auch toll, Bruni, ich aber ohne Musik nur ich und die Natur. Dann habe ich endlich mal wieder etwas in unserer Wohnung geschafft und unsere Betten frisch bezogen! Ich will nämlich heute, nach genau 5 Wochen wieder im Schlafzimmer in unserem Bett schlafen( war solange in der Stube). Heute nachmittag war ich noch mit dem Hund raus. Ich hatte irgendwie das Gefühl, ich muss in "unserem Wald" spazieren gehen. Ich bin unseren Lieblingsweg gewandert, hatte so viele Erinnerungen an gemeinsame Abenteuer mit meinem Spatz und habe mich ihm so nah gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass er bei mir ist, denn zu diesem Weg gehört er nun mal. Ob Ihr's glaubt oder nicht , mir sind die ganze Zeit die Tränen gelaufen aber es tat mir gut, ich habe mich gut gefühlt. Ist das der Sinn unseres neuen Lebens- sich wenigstens ab und zu mal gut zu fühlen?
Seid alle ganz lieb gegrüßt
Carmen
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So lass uns Abschied nehmen, wie zwei Sterne
durch jenes Übermaß von Nacht getrennt,
das eine Nähe ist, die sich an Ferne
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R.M.Rilke


Für meinen geliebten Ronni (12.09.1964- 24.01.2009)
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  #1853  
Alt 01.03.2009, 00:04
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Morgana Morgana ist offline
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Zitat:
Zitat von Blue Beitrag anzeigen
Worauf wars Du neidisch? Auf den Mann? Oder warst Du traurig, weil Du von Deinem Mann nicht mehr abgeholt werden kannst - also auf die Situation? Klingt dann gleich ganz anders und ist doch ein Unterschied....

OK, ich habe wohl zuviele Arbeitszeugnisse gelesen und morgen kommt die Sonne bestimmt auch zu Dir.

Grüßle
Bruni
Hallo, Bruni...
ich war neidisch auf meine Kollegin, dass ihr Mann noch lebt. Ist das denn so schwer zu verstehen? Wieso sollte ich auf den Mann neidisch sein?

@Conan: Ich weiß von mir, dass es schwer ist. Ja, ich glaube, dass es so wichtig ist, sich im "neuen Leben" so gut, wie es möglich ist, wohl zu fühlen.

LG
Morgana
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  #1854  
Alt 01.03.2009, 00:19
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Jyrina Jyrina ist offline
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hallo ihr lieben,
ich hatte eine wunderschöne woche in Mailand bei meiner tochter mit familie, es war eine schön zeit eingebunden in hektig, alltag, geburtstag, besuche bei den schwiegereltern, also viel betriebsamkeit und zu hause angekommen?????

ja es ist seltsam ein gefühl von heimat, alleinsein, katzen die auf mich warteten, stille und doch mein zu hause, mein nest, es ist komisch ich kann es kaum beschreiben, eine mischung von wohlfühlen und doch die gewissheit zu haben, hier bist du allein.
ich vermnisse meinen schatz auf schritt und tritt und dennoch hier zu hause ist er mir nahe.
ich wünsche allen stammtischlern ein schönes restwochenende
liebe grüsse gerda
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Es ist nicht wenig Zeit, die wir zur Verfügung haben,
sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen.
Mein Schatz geb. 08.07.1954 seit 16.01.2008 im Regenbogenland
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  #1855  
Alt 01.03.2009, 08:11
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AndreaS AndreaS ist offline
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Standard AW: Stammtisch

Zitat:
Wieso sollte ich auf den Mann neidisch sein?
...nun, er hat z.B. dasselbe Glück wie deine Kollegin, seine Frau lebt noch

Ich glaube, man kann öfter über gewählte Worte simmulieren, die einfach so hier stehen ohne persönliches Gespräch, das meist doch umfassender ist, Erklärungen nebenbei liefert.

Bei dem Wort Neid empfinde ich persönlich auch sehr viel Negatives im Sinne von Missgunst, was bedeuten würde: Ich wünschte Du hättest das nicht. Oder noch schlimmer: Ich wünschte dein Mann wäre tot. Ich glaube wir alle haben ähnliche Situationen erlebt, erleben sie irgendwie immer wieder: Mein erster Spaziergang, vor mir ein Paar, Hand in Hand. Es hat mir das Herz zugedrückt, Erinnerungen kamen angehuscht: Claus hielt meine Hand auf Spaziergängen immer in seiner Jackentasche. Es war endlose Sehnsucht nach dieser und vielen anderen Situationen, die ich nicht mehr mit meinem Mann erleben konnte. Später wenn ich Paare in derselben Situation sah, empfand ich tiefstes Mitleid - seltsam? - weil ich wusste: Euch trifft es auch noch und sie taten mir Leid für den Schmerz, den sie werden ertragen müssen. Heute sehe ich die Pampersrocker auf der Straße oder wo auch immer und ich empfinde wieder so eine leicht schmerzende Sehnsucht, die Zeit ist vorbei, auch ohne Tod, sie kommt nicht wieder, ich werde nie mehr Kinder in diesem Alter im Arm halten, die Kinder von Claus und mir sind. Neid? Missgunst? Oder Sehnsucht nach leider unwiederbringlich vergangenen Zeiten?

Warum nicht endlich mal wieder über bestimmte Themen, bestimmte Gefühle auf dem Weg der Trauer diskutieren? Warum wird auf der einen Seite Verbittertheit unterstellt wo nur ein wenig Ärger war? Warum kommt auf der anderen Seite Ärger rüber, wo eigentlich lediglich ein Gespräch angeboten wird? Ich weiß nicht, was mir mehr geholfen hat während des langen Austausches hier, Kraftpakete und Knuddler oder Diskussionen über Gefühle und die unterschiedlichen Sichtweisen, die verschiedenen Wege damit umzugehen.

Hallo Gerda, schön, dass dir die Woche Mailand gefallen hat und wunderbar, dass dein Nest dein Nest bleibt, der Ort, an dem dein Mann dir nahe ist. Mir geht es genauso.

Liebe Verena, ich wünschte, du würdest dich mal wieder melden. Wie geht es dir? Wie kommst du zurecht. Klappt die Internetkommunikation mit deinen Lieben? Lassen sie dich teilhaben, nehmen dir wenigsten hin und wieder ein wenig Einsamkeit?

Und du liebe Rowa?

Kommt alle gut durch den Tag, und lasst euch nicht ärgern!

LG
Andrea
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  #1856  
Alt 01.03.2009, 11:04
Bremensie Bremensie ist offline
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Standard AW: Stammtisch

Hallo an Alle,
also ich weis gar nicht wie ich diesmal anfangen soll. Stimmt es gibt nach dem Tot unseres Angehörigen nicht nur schwarz und weiß, aber worüber einige schon geschrieben haben vielfältige Gefühle. Dazu gehört für mich auch schon mal ein Anflug von Neid dazu. Neid auf die Leute die ihren Partner noch haben, solange daraus keine ständige Verbitterung wird. An dieser Stelle muss ich vieleicht ein wenig weiter ausholen.Man kann seinen Partner ja nicht nur durch den Tot verlieren. Nach 22 Jahre Ehe ließ mein erster Mann sich von mir scheiden. Unsere Mädchen waren damals 18 und 15 Jahre. Nach vielen Jahren des allein seins habe ich dann einen Mann gefunden den ich dann auch geheiratet habe. Leider waren uns nur 1 1/2 Jahre beschieden und dann starb er den plötzlichen Herztot. Ich habe dann noch mal einen Lebenspartner gefunden. Geheiratet haben wir nicht. Nach 5 Jahren des Zusammenseins starb er am 17.02. letzten Jahres nach 1/2 Jahr Leidenszeit an dem schxx Lungenkrebs(Asbestose). Als mein Mann starb und auch als mein Lebenspartner starb hatte ich beides mal meine Freundinn die mich erst mal aufgefangen hat. Dazu kommt dass ich schon beim Weggang meines Exmannes einem Frauenkreis angehörte und der mir beim Tot meiner beiden Partner ebenfalls eine Stütze waren.Tja und dann habe ich auch noch diesen Stammtisch gefunden, der mich ebenfalls trägt. Ich stehe auch noch im Berufsleben. Natürlich gibt es bei mir auch Augenblicke an denen ich mich frage warum hat es mich so getroffen und warum nicht die andern. Es gibt auch Tage an denen möchte ich mir einfach die Decke über den Kopf ziehen. Aber andersrum gibt es auch am Wochenende Telefonate mit meiner Freundinn an dem ich ihr erzähle dass ich ganz bewußt bis Mittags im Bademantel rumgelaufen bin und ich dies genossen habe. Überigens auch jetzt sitze ich im Bademantel vor dem PC und es ist schon Mittag. Das Wetter draußen ist läd aber auch nicht gerade zum Spazierengehen e. Sollte bei jemanden die Sonne scheinen bitte ein wenig davon zu mir her schicken. Wird dankbar angenommen.
Liebe, regnerische Sonntagsgrüße schickt euch
Erika
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  #1857  
Alt 01.03.2009, 12:58
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Conan Conan ist offline
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Standard AW: Stammtisch

Hallo Erika,
wir haben herrlichen Sonnenschein! Ich habe gerade mein bisschen Wäsche rausgehängt (plötzlich wird die olle maschine gar nicht mehr voll).Ich schicke dir ganz liebe Sonntagsgrüße und gebe euch allen von meinen Sonnenstrahlen welche ab. Ich hoffe, sie hellen dir den Tag ein wenig auf.
LG Carmen
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R.M.Rilke


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  #1858  
Alt 01.03.2009, 13:09
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Morgana Morgana ist offline
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DANKE Erika. Kann Deine Ausführungen gut nachvollziehen.

@Carmen: Ich sammele nun auch länger Wäsche bis die Maschine voll ist. Habe gestern Wäsche aufgehänft...und dabei 1x kräftig mein linke Knie gegen die Balkontür gedonnert . Ach, tut das gut, wenn der Schmerz nachläßt.

Ab und zu scheint hier die Sonne...krame mal eine raus für euch alle:


Habe eine Runde um den Block gedreht, frische Luft tut gut.
Übrigens: Ich mag diesen Stammtisch .

LG
Morgana
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  #1859  
Alt 01.03.2009, 14:18
Blue Blue ist offline
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Standard AW: Stammtisch

Der erste Tag in einem schon wieder anderen Leben. Nix scheint mehr wie zuvor, irgendwie ein ähnliches Gefühl und doch nicht. Ich weiß, es ist nur ein Job, dazu noch meist ungeliebt. Und doch war es ein fester Bestandteil in meinem Leben mit Jürgen.

Vor 10 Jahren Diagnosestellung, ab da ein Leben im Ausnahmezustand. Mitunter panische Unruhe in mir und ich durfte immer gehen, war kein Problem. Während der Krankheit haben sie mir sehr viel ermöglicht, die wertvollste Zeit in meinem Leben haben sie mir geschenkt. Innerhalb einer Woche konnte ich meinen Arbeitsplatz verlasen. Sie haben meinem Wunsch nach Kündigung erfüllt, noch 3, 4 Tage gearbeitet – ja Inventur – und dann sagte ich zu Jürgen „jetzt lasse ich dich nicht mehr alleine“, ging nicht mehr arbeiten, und war bei ihm. Noch immer unbegreiflich was in den Wochen geschah, noch immer unbegreiflich wie das alles ging. Und dann war Jürgen nicht mehr da.

Meine Kündigung wurde zurückgenommen, ich machte dort weiter wo ich aufgehört hatte, dankbar für die Möglichkeit. Schwierige Zeiten dort, nicht greifbare Veränderungen oder hatte ich mich verändert? Sehr viel Kurzarbeit, alles sehr schwierig, manchmal fast nicht auszuhalten und ich wurde und wurde nicht mehr heil.

Das letzte Jahr begann – das erste Jahr ohne meinen väterlichen Kollegen, dafür ein anderer Kollege. Ein verrücktes, turbulentes und wunderschönes Jahr – außerhalb der Arbeit. Manchmal begann ich bei der Arbeit wieder zu erzählen, vom Gleichklang, von wunderschönen Stunden und Tagen, ich erzählte von den unzähligen Kleinigkeiten die ich wieder sehen/finden/fühlen kann und darf. Meinem jüngeren Chef fehlten oftmals die Worte und doch hat er sich mit mir gefreut, es „verschlug“ ihm die deutsche Sprache (er ist in USA groß geworden) und manchmal blinzelte er ein Tränchen weg. Unsere Wortgefechte werde ich vermissen, ebenso sein Erstaunen über das eine oder andere.

Nach dem Insolvenzantrag, dem fehlendem Gehalt von 2 Monaten und Auflösung der Firma habe ich nun nach fast 18 Jahre meinen Arbeitsplatz gekündigt und gehe in die Arbeitslosigkeit. Auf die 3 Monate Kündigungsfrist von Arbeitsgeberseite habe ich verzichtet – das Gehalt wäre Insolvenzmasse und nicht absehbar, ob, wann und wieviel bei mir ankommen würde.

Das Vorstellungsgespräch bei meinem alten Chef werde ich nie vergessen, ebenso sein letzter Blick. Ich konnte nichts mehr sagen und er bedankte sich für die Arbeit. Beim Jüngeren stand ich in der Tür. Er schaute mich nicht mal an und sagte nur „kein Wort“. Dafür bekam er einen Stupser und… kein Wort. Nach 18 Jaren habe ich meinen Schlüssel abgegeben, ein Blick in mein Büro. Das wars.

Mit dem Betriebsrat noch die letzte Zigarette auf dem Bänkchen geraucht und dann ging es ab zu den Kollegen ins Städtle. Es war ein Tisch zum nachklingen bestellt und fast alle kamen. Wir haben gelacht und geweint und endlich habe ich mit meinem jüngeren Chef ein Bier getrunken – ohne ein Wort. Vermutlich hat er all die Worte in meinen Augen gelesen und doch wird er die Worte noch bekommen – ihm habe ich meine Freistellung für die Pflegezeit von Jürgen zu verdanken.

Eben schug ich die Zeitung auf und las eine Stellenanzeige, gesucht wird eine Frau mittleren Alters. Ist das nicht schön ausgedrückt? Klingt doch so viel besser als meine Formulierung. Leider nur ein 10-Stunden Job, also nix für mich. Nach Hakentour, drei Tränchen, ein wenig Verzweiflung und auch Unverständnis bewegt sich etwas in mir. Wie war das noch gleich? Stecke ich schon mittendrin im „mache ich aus unten oben“? Und schön passend mein Kalenderspruch für diesen Monat:

Das alles seine Zeit hat,
heißt auch,
dass alles seine Zeit braucht.

Ernst Ferstl

Der Tag heute ist genauso sonnig wie gestern. Nachdem nun Jürgens Wohnungsspinne im Wohnzimmer wieder eingezogen ist, werde ich dann wohl morgen auf dem Balkon wieder einziehen – gleiches Recht für alle….

Grüßle
Bruni
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  #1860  
Alt 01.03.2009, 14:37
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AndreaS AndreaS ist offline
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Zitat:
Stecke ich schon mittendrin im „mache ich aus unten oben“?
na klar! Und soll ich dir was verraten? Wir machen seit 4/5 Jahren aus unten oben und manchmal ist es erstaunlich, wie leicht es ist von unten nach oben zu gelangen. Ein Lachen zur rechten Zeit, ein Schweigen gemeinsam im Auto ohne Absprache, Pläne schmieden, von denen die meisten doch irgendwie zumindest anders werden, 10 gemeinsame Urlaubstage, die so unendlich viel Kraft spenden, Cocktails in einer selbsternannten Taverne, Rosenstolz, Rosenstolz, Rosenstolz, Udo und Cicero, ich und ich. Und während ich so schreibe, ja verdammt nochmal, niemals hätte ich gedacht wieviel Glücksmomente das Leben noch für uns bereithält. Wie oft wir aus unten oben gemacht haben und hoffentlich immer wieder machen.

10 Stunden? Nun, wäre abzuklären, ob es sich mit der Behörde beißt, liegt ja nix dran, hast nichts zu verlieren, eigentlich nur einen Fuß in der Türe zu gewinnen.

Und eben las ich in einem anderen Forum:

Es ist schön zu leben, denn Leben bedeutet anfangen, immer, in jedem Augenblick!

das schick ich dir als lieben Gruß

Andrea
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