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  #1  
Alt 18.01.2014, 09:26
hermannJohann hermannJohann ist offline
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Standard Episoden und Geschichten

Als Angehöriger einer Krebskranken habe ich positive und negative Erfahrungen gemacht. Vielen wird es ähnlich gegangen sein. Vielleicht ist es sinnvoll, darüber zu berichten, natürlich muss alles anonymisiert werden. Ich mache mal den Anfang.

Gestern Abend ging es T. schlechter. Sie hat Schmerzen und meint, dass der Bauch größer geworden ist. Sie fürchtet, am Wochenende könne sie sterben. Heute war wieder ein schwerer Tag. Wir gingen um 9.30 Uhr zur ambulanten Therapie, wo T. eine Bluttrans¬fusion bekam. Auch wollten wir einen Arzt sprechen, was nicht gelungen ist. Zunächst sprach ich Dr. Z. an, er verwies auf Dr. T. , der Chemo-Dienst habe. T. hat Angst, dass der Tumor zu schnell wächst und wollte eine Ultraschall-Untersuchung. Dr. T. konnte man nur kurz vor der Bluttransfusion sprechen. Bei dem Wechsel des Beutels sprach T. ihn noch mal an. Er sagte er könne jetzt nicht im Stehen darüber reden, er habe noch 15 andere Patienten. Man sah, wie Dr. T hektisch herumlief, mit Patienten sprach und zwischendurch telefonierte. Offenbar war er überfordert. Aber so etwas führt dann nicht zu einer ordentliche Behandlung der Patienten. Dr. T. bot dann an, später mit uns zu sprechen. Dazu aber kam es auch nicht. Als T. um 12.30 Uhr fertig war und wartete, lief im unruhig im Flur hin und her. Dr. T. sagte mir, das nütze nichts wenn ich unruhig hin und her laufe. Wenn wir Gesprächsbedarf hätten, müssten wir warten. Aber T. fühlte sich sehr schwach und um 13.15 Uhr gingen wir. Dr. U. sprach uns im Flur an und fragte T., wie es ihr ginge. Es sagte dann, wenn es nicht ginge, müsse sie wieder stationär behandelt werden. Er habe Pfingsten Dienst und wir könnten uns an ihn wenden.
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  #2  
Alt 18.01.2014, 16:14
Conny57 Conny57 ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Hallo Hermann,
ich glaube dass es fast jedem in diesem Forum so geht. Man hat positive wie negative Erlebnisse.
Ich nage auch noch an manchen Erlebnissen, wo ich in dem Moment nicht da war und er es mir erzählt hat. Ich wollte einfach nur die menschlichste Behandlung für meinen Mann wenn er sich selber nicht mehr wehren konnte.
So habe ich mich auch z.B. mal über einen Pysotherapeuten beschwert und verlangt dass ein anderer kommt. Genauso habe ich auch einmal eine BeschwerdeE-Mail nach seinem Tod an unser Provinz Krankenhaus geschickt,, weil ich der Meinung bin dass sie sich nicht richtig um ihn gekümmert haben. (wurde bestimmt einfach vernichtet).
Ich könnte jetzt noch einigen Ärzten und Schwestern in den H... treten.
Aber es waren auch viele nette dabei.
Wir müssen versuchen das abzuhaken, wir können an den einzelnen Situationen nichts mehr andern.

Liebe Grüße
Conny
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  #3  
Alt 18.01.2014, 17:02
Kolibri62 Kolibri62 ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Hallo ihr Lieben!
Keine schönen Erfahrungen, die ihr zum Teil schildert.
Mein Mann musste nur 16 Tage währen seiner Krankheit im KH verbringen.
In dieser Zeit ist er ganz prima versorgt worde.
Allerdings muss ich sagen, dass hier in Kanada extrem Wert auf Freundlichkeit gelegt wird.
Ich habe nicht eine einzige Schwester oder Arzt getroffen, die uns das Gefühl von "Fliessbandarbeit" gegeben hätten!
Und immer wieder wurde auch nach mir gefragt! Nicht nur wie geht es ihm, sondern auch wie geht es dir.
__________________
Meine Liebe, mein Joachim
26.11.1962-03.01.2014
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  #4  
Alt 18.01.2014, 18:39
Conny57 Conny57 ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Hallo Kolibri,
bei uns ist z.B. 40 km entfernt eine Lungenfachklinik. Da war die Behandlung von meinem Mann vom Stationsarzt und auch von den Schwestern spitze.
Bei uns ins Krankenhaus wurde er drei Wochen bevor er starb noch einmal wegen akuter Luftnot mit dem Sanka eingeliefert, wo er dann ca. eine Woche war.
Ich kam gegen 9.00h,dann kam die Aussage der Schwester: Sie waschen doch Ihren Mann, das ist ihm sowieso lieber. Wenn ich bei der Essensausgabe nicht da war wurde das Essen einfach hingestellt während er geschlafen hat, genauso wurde es wieder mitgenommen. Er hat meistens immer noch geschlafen. Es hat sich keiner die Mühe gemacht ihn überhaupt einmal aufzuwecken. Von den Ärzten kam des Öfteren die Aussage: für Sie können wir nichts mehr machen.
Es wurde dann auch einfach bestimmt dass er entlassen wird, egal ob daheim irgendetwas vorbereitet ist (Pflegebett usw.)
Mich zerreißt es fast wenn ich mir manche Situationen ins Gedächtnis rufe. Man kommt aber nicht wirklich an eine Beschwerdestelle ran.
Man kann Patienten doch nicht so behandeln.
LG
Conny
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  #5  
Alt 18.01.2014, 19:14
Benutzerbild von Gina79
Gina79 Gina79 ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Ich finde auch, dass man keinen Patienten auf dieser Welt so behandeln kann, aber gerade bei Krebspatienten wäre ein bisschen Feingefühl von Seiten der Ärzte ratsam! Auch wir haben positive und negative Erlebnisse mit dem Krankenhaus.
Mein Papa musste für seine Chemo am ersten Tag immer um acht Uhr morgens im KH sein. Er wurde aber dann bis am Nachmittag im Aufenthaltsraum sitzen gelassen bis er endlich ein Zimmer bekam. Auch musste er oft unendlich lange auf seinen Entlassungsbericht oder auf das Anhängen seiner Chemo warten.
Wie oft mein Papa mit seiner Chemo am Gang gelegen hat möchte ich gar nicht mehr nachzählen.
Ich finde mit einer Chemo muss man wirklich nicht am Gang liegen denn das Krankenhaus weiß wann die nächste Chemo fällig ist und dann muss auch ein Zimmer für den Chemopatienten frei sein!

Als mein Papa verstorben ist sind wir ja um ganz wenige Minuten oder sogar Sekunden zu spät gekommen. Als wir angekommen sind haben die Krankenschwestern gemütlich gefrühstückt. Für mich ist auch so vieles unfassbar und wenn ich an manche Situationen denke überkommt mich heute noch die Wut!

Ich wünsche euch ein erholsames Wochenende!
__________________
Mein Papa: Kleinzelliges Bronchialkarzinom
Diagnose am 21.12.2011
am 23.2.2013
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  #6  
Alt 18.01.2014, 20:19
hm maria hm maria ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

meine erfahrung ist einfach das wenn die ärtze, machtlos sind, das sie dich nicht mehr heilen können das die dann nicht damit umgehen können und dich behandeln als wäre man schon tot, zumindest so fühlte sich mein papa auf der onkolgie, aber denn letzten tag denn er in der papillativen verbrachte, war er, so gut umsorgt, das ich auch zu meiner mama sagte sollte uns so etwas nochmals wieder fahren das jemand von uns so krank wird, dann schauen wir das wir gleich auf der papillative aufgenommen werden, man hat ersten ein einzelzimmer, und die zimmer sind sehr schön und man darf voral zum schluss auch schlafen bleiben, die fragen dich auch ständig wies einem geht, die sind so liebevoll mit den sterbenden und angehörigen.
lg maria
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  #7  
Alt 25.01.2014, 16:19
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nala1810 nala1810 ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Hallo Hermann,

also ich kann deinen Schilderungen bedingt zustimmen. Natürlich ist das was die Ärzte leisten ein großes Damoklesschwert, sie können nicht immer und überall sein. Auch die Pflegekräfte leisten was sie nur können.
Bei meiner Mutter fühlten wir uns immer sehr gut aufgehoben, und auch wenn sie die letzten 5 Tage palliativ lag wurde uns immer genügend Aufmerksamkeit zu teil


Fakt ist das leider alles in unserem System den Sparmaßnahmen zum Opfer fällt
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  #8  
Alt 25.01.2014, 16:51
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Hallo zusammen,

ein gutes Thema, Hermann

Auf das System lässt sich vieles schieben. Ich denke jedoch, es sind die Menschen, die es mit Leben füllen. Auf welche Art auch immer. Dieses System wird nicht nur durch Ärzte und Krankenpflegepersonal gefüllt, sondern auch von den Patienten. Mal abgesehen von dem Stress, dem beide Seiten unterliegen, ist meine sehr oft bestätigte Erfahrung: "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es zurück." Ob das Personal freundlich ist oder nicht, hängt von ihm selbst ab, von den Führungsqualitäten und Prioritäten der Klinikleitung/des leitenden Arztes und oft von dem Auftreten des Patienten.

Apropos Seiten. Ist eigentlich falsch. Arzt und Patient sollten Partner sein, doch das muss von Beiden dann auch so gewollt sein. Nicht immer leicht für den Arzt oder KrankenpflegerIn bei manchen Patienten. Ich habe schon alles erlebt. Zum Glück in der Regel Positives, aber auch menschliches Versagen in jeder Hinsicht von allen Beteiligten. Manchmal muss man als Patient halt mit der Faust auf den Tisch hauen. Der Arzt oder Krankenpfleger kann das nicht so einfach.

Ich habe auch schon abgrundtiefe Enttäuschung und Entsetzen im Gesicht einer Ärztin sehen können, nachdem sie meine Frau untersucht hatte. Ein langes Gespräch, gut zwei Stunden, mit ihrem Professor nach ihrem Tot verlief äußerst seltsam mit vertauschten Rollen: es schien, als sei manchmal ich der Betroffene und manchmal er. Für mich zwei Schlüsselerlebnisse.

Die meisten Ärzte und das Gros des Pflegepersonals bewundere ich. Nicht für ihr Können (das kann man lernen), sondern für ihren Mut, etwas zu tun und zu versuchen, was meist nur gefordert und als Selbstverständlichkeit erwartet wird, jedoch selten wirklich gedankt. Wie oft hört ein Arzt ein "Danke!" für seine Arbeit, obwohl doch der oder die Angehörige/sein Patient verstorben ist?

Sie machen ja "nur" ihren "Job"? Ja, auch. Doch meist nicht nur.


Alles Gute,

Helmut


PS:

Hallo Hermann,

es wird sicher noch etliche dieser Tage geben. Vormals ein Freudentag, gedreht nun ins Gegenteil. Ich wünsche dir, dass du im nächsten Jahr vielleicht wieder Blumen für deine Frau kaufen kannst.


Liebe Grüße,

Helmut
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Die von mir im Krebs-Kompass verfassten Texte dürfen auf anderen Homepages und in anderen Foren ohne meine ausdrückliche Zustimmung weder verwendet noch veröffentlicht werden. Auch nicht auszugsweise.

Geändert von HelmutL (25.01.2014 um 17:00 Uhr) Grund: noch was angefügt
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  #9  
Alt 25.01.2014, 17:37
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Zitat:
Zitat von hermannJohann Beitrag anzeigen
Es ging mir überhaupt nicht darum, Ärzte und Schwestern schlecht zu machen.
Hallo Hermann,

das habe ich auch nicht so gesehen. Mein Bericht ist ja durchaus nicht nur positiv. Damals gab es auch für uns Momente, da wir die Welt nicht mehr verstanden. Es sind Menschen, die da arbeiten. Das ist es, was ich sagen wollte.

Auch heute, nach fast 6 Jahren, gibt es diese Tage, welchen ich mit oft gemischten Gefühlen entgegen sehe. Der 24. Februar z.B. Es wird leichter mit der Zeit. Das hat nichts mit Vergessen zu tun, sondern mit Akzeptanz. Und damit, dass diese Tage vor langer Zeit mit Freude gefüllt waren. Die Erinnerung und Dankbarkeit daran drängt sich nach vorne im Laufe der Zeit.


Liebe Grüße,

Helmut
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  #10  
Alt 26.01.2014, 18:16
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Hallo Hermann,

Danke für deine Schilderung.

Ich habe deinen Post gelesen und was ist? Ich sitze hier und Bilder kommen hoch. Zum einem Teil traurige Bilder. Jedoch auch Bilder, die Mut machen und gemacht haben: friedliche Bilder. Doch das konnte ich erst sehr viel später realisieren. Du siehst, auch sechs Jahre sind kein verlässlicher Schutz.

Die traurigen Bilder brauche ich nicht zu schildern. Die kennst du selber. Meine Frau starb auf der Intensivstation. Es kam zu schnell für ein Hospiz. Alles lief ab innerhalb von fast genau 24 Stunden. Was war für uns friedlich, gut? Ein Einzelzimmer. Ok, nicht so schön wie im Hospiz, doch ungestört und trotzdem nie alleine. Gut versorgt. Meine Frau durch die Medizin, wir mit Essen, Trinken, Gespräche, sogar eine Schlafgelegenheit stellte man ins Zimmer (niemand wusste, wie lange es dauert) ... man versuchte uns das Gefühl von Geborgenheit zu geben. Man ließ uns andererseits den Raum und die Zeit. Ein friedliches Bild auch: wir. Das waren die Kinder, ich, ihre beste Freundin mit Lebenspartner und meine Frau. Friedlich: meine Frau schlief, die Atmung regelmäßig und frei wie seit Monaten nicht mehr. Friedlich: wir haben gebetet, sind unseren Gedanken nachgegangen und haben uns Geschichten erzählt. Weißt du noch? Damals? Und dabei auch mal gelacht. Als sie einfach zu atmen aufhörte, kam eine Pflegerin zu uns und öffnete das Fenster und man ließ uns Zeit, uns zu verabschieden. Wir sind dann auch nicht einfach nach Hause entlassen worden, sondern ich hatte noch ein längeres und einfühlsames Gespräch mit dem Arzt.

Nachdem wir uns nochmal, jeder einzeln, von meiner Frau verabschieden konnten, sind wir dann nach Hause. Traurig, ja, doch auch erlöst. Still, doch frei. So, wie meine Frau, ihre Mutter, Ihre Freundin gestorben ist. Der Schock kam erst in der Wohnung und das dann heftig. Die o.a. friedlichen Bilder kamen eigentlich recht schnell. Doch wie so oft: es dauert lange, bis sie verinnerlicht sind. Etwas zu wissen oder zu erkennen heißt noch lange nicht, es auch leben zu können. Daran muss man schwer arbeiten.

Wir hatten das Glück, es so zu erleben. Glück in etwas anderem Sinne als normal. Es hätte auch ganz anders kommen können. Grausam, quälende Schmerzen, es ist oft so.

Diese Bilder musst du dir selber suchen und erarbeiten. Wie ich lese, hast du das ein oder andere bereits beschrieben. Dieses wahnsinnig tiefe Gefühl der Trauer braucht diese Bilder. Wie soll man diese tonnenschwere Last ansonsten er-tragen? Beide Seiten der Schulter müssen tragen, damit man einigermaßen ausbaĺanciert durchs Leben gehen kann. Ansonsten fällt man um. Das Leben wäre kein Leben mehr, nur noch ein Warten.


Liebe Grüße,

Helmut
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  #11  
Alt 01.02.2014, 22:03
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Hallo Hermann,

Duplizität der Ereignisse ... du schreibst von einem Abschiedsbrief.

Heute Nachmittag lag ich für ein Mittagsschläfchen auf dem Sofa. Plötzlich kam mir der Gedanke hoch: was hat sie gefühlt, gedacht, als sie wusste, dass sie bald sterben würde? Wie ist das? Wie kam sie damit klar?

OK. Wir haben geredet. Nicht viel, jedoch bereits lange davor. Ganz sicher hört oder liest man da nicht immer alle Gedanken und Ängste. Selbst bei allem, was ich weiß ... ich kann es mir nicht wirklich vorstellen, was da im Kopf abgeht. Will ich es wissen? Keine Ahnung. Vielleicht werde ich es irgendwann selbst in ähnlicher Weise erleben.

Ja, wir müssen damit klarkommen und uns auch abfinden. Abschließen? Ich denke, du siehst, dass das nicht so ganz geht. Zumal man selbst noch nach Jahren von dem Gedanken daran überfallen werden kann. Sogar wenn man glaubt, abgeschlossen zu haben.

Das Gute daran: es ist Trauer um die Verstorbene, was diese Gedanken aufkommen lässt und genau das zu erkennen. Im Gegensatz zu der Trauer um den eigenen Verlust. Beides ist wichtig. Es ist wichtig, beides irgendwann trennen zu können. Ersteres wird bleiben (und sicherlich versöhnlicher werden), das Zweite kann man überwinden.

Zitat:
Zitat von hermannJohann Beitrag anzeigen
Nun muss ich mich damit abfinden, dass sie nicht mehr da ist.
Das hört sich furchtbar traurig an. Ist es ja auch. Weißt du, was ich (und andere auch) mich schon oft gefragt habe? Wer hat es jetzt besser? Sie oder wir? Sie müssen nicht mehr leiden. Wir leiden immer noch. Ein seltsamer Gedanke. Findest du?

Liebe Grüße,

Helmut
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  #12  
Alt 02.02.2014, 23:50
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HelmutL HelmutL ist offline
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Standard AW: Episoden und Geschichten

Hallo Hermann,

das ist etwas, was ich schon oft gelesen und auch selbst erlebt habe: dass Menschen, sobald sie wissen, dass sie sterben werden, sich dann verstärkt Sorgen um ihre Angehörigen machen. Das kann so weit gehen, dass sie dem Menschen, den sie am meisten lieben, schon während der Krankheit bis zuletzt glauben machen wollen, es würde wieder alles gut. Nein, meine Frau hat das nicht gemacht. Nur, ab einem bestimmten Zeitpunkt wollte sie nicht mehr über Konsequenzen mit mir reden. Als ich mit ihr über ihren Pleuraerguss reden wollte, sagte sie nur: "Ich will das nicht wissen!" Mit absoluter Bestimmtheit. Ich musste das akzeptieren. Der eine Mensch ist so, der andere so. Habe daran lange knabbern müssen, um das zu verstehen. Später, danach. Zum Glück gibt es zwischen Menschen, die 35 Jahre zusammen gelebt haben, noch andere Ebenen, um sich zu verständigen.

Ob man es nun so oder anders erlebt und durchlebt hat ... ein kräftiges Päckchen ist es allemal. Wie man als Zurückgebliebener dieses Päckchen aufschnüren kann ist individuell. Manche schaffen das nie. Man braucht schon eine Menge Mut, sich daran zu machen und Kraft kostet es auch. Apropos 'Kraft kosten'. Meine Erfahrung ist, dass es zwar zunächst Kraft kostet, man danach jedoch wenigstens ein kleines Stück stärker ist als zuvor. Es lohnt sich. Für uns und unsere Verstorbenen.

Männer dürfen nicht weinen. Quatsch mit Sauce. Alles runterschlucken? Warum sollte das so sein?


Liebe Grüße,

Helmut
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  #13  
Alt 01.04.2014, 21:16
simi1 simi1 ist offline
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Hallo Hermann,

ich finde es sehr schade, dass du dich vollständig zurückgezogen hast.
Würde mich freuen, mal wieder von dir zu lesen.

Herzliche Grüße
Simi
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  #14  
Alt 08.05.2014, 07:22
hermannJohann hermannJohann ist offline
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Heute träumte ich, dass ich Krebs habe. Ich war ganz ruhig, obwohl ich wusste, dass ich nicht mehr lange leben würde. Angst vor dem Tod hatte ich nicht.
Vor einem Jahr ( am 6. Mai) erfuhren wird, das die zweite Chemo-Therapie für meine Frau erfolglos war. Der Tumor war während der Therapie schnell nachgewachsen. Kurze Zeit später war sie auf der Palliativ -Station. Sie erholte sich etwas, aber die dritte Chemo-Therapie war auch erfolglos und die OP danach auch.Sie hätte gerne länger gelebt. Dieses Jahr macht die älteste Enkelin Abitur. Gerne hätte sie mitgefeiert.
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  #15  
Alt 08.05.2014, 10:46
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HelmutL HelmutL ist offline
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Guten Morgen Hermann,

ich kann mich zwar nicht daran erinnern, je solche Träume gehabt zu haben, Angst vor dem Tot an sich habe ich auch nicht mehr. Um ehrlich zu sein, manchmal hatte ich ihn mir sogar gewünscht, mit dem Gedanken gespielt. Es geht vielen so oder ähnlich.

Bestimmte Tage haben heute für mich kaum noch eine Bedeutung. Ich weiß noch, dass im ersten Jahr der Gedanke oft schlimm war: heute war dies, gestern war jenes. Das tat weh. Danach verlor das Datum langsam seine Wichtigkeit. Heute müsste ich sogar in den Unterlagen nachsehen, wann ein bestimmtes Ereignis stattgefunden hat. Das hat nichts mit Vergessen zu tun.

Ich habe nichts vergessen. Es ist mir nicht wichtig, ob ich an Weihnachten an ein bestimmtes Ostern denke oder an Ostern an die Chemo, eine OP oder anderes. Es gab ja auch gute Tage und Beides vermischte sich mit der Zeit.

Wichtig ist, die Erinnerung an den Menschen und sein Leben zu bewahren und damit wieder das Leben zu lernen. Die guten wie die schlechten Tage. Heute wie gestern.


Liebe Grüße,

Helmut
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Geändert von HelmutL (08.05.2014 um 10:49 Uhr)
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erfahrungen, onkologie


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