Krebs-Kompass Forum  


Zurück   Krebs-Kompass Forum > Krebsarten > Hirntumor

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #1  
Alt 18.10.2011, 13:00
BeeMoe BeeMoe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 18.10.2011
Beiträge: 22
Standard Voellig im Dunkeln

Hallo an alle,

mein Name ist Bettina, meine Freunde nennen mich Bee.

Ich habe einiges hier gelesen und lange nachgedacht ob ich schreiben soll oder nicht. Man sucht allgemein jemanden der einen versteht oder mitfuehlt und dadurch etwas Hoffnung gibt. Aber oft auch Antworten auf aussenstehenden Fragen.

Ich fuehre eine Fernbeziehung, die sich ueber grosser Distanz erstreckt, naemlich ueber Laender. All unsere Kommunikation laeuft via Internet, SMS, oder Telefonate. Man darf aber nicht denken, dass wir deswegen keine intime, harmonische oder innige Beziehung fuehren, denn das waere der groesste Fehler. Ich habe eine gescheiterte Ehe hinter mir, die 16 Jahre dauerte und selbst die war nicht so ehrlich, wahr und herzlich wie das was ich mit meinem Moe habe. Er gibt mir mehr trotz all der Distanz wie je ein Mann es konnte.

Im Maerz 2011 hatte ich mal wieder Urlaub und konnte zu ihm fliegen, wir verbrachten eine tolle Zeit miteinander. Ende Maerz war es dann Zeit sich zu verabschieden denn ich musste wieder zur Arbeit. Als ich nichts von Moe hoerte nachdem er einen Arztbesuch abstattete (er hatte mal wieder eines seiner Kopfschmerzen) machte ich mir Sorgen; ich wollte doch wissen was los ist bevor ich abreiste. Das musste ich schweren Herzens tun denn die Nachricht von Moe blieb aus. Ich bohrte nach. Anfang April 2011 kam dann die schlimmste Nachricht meines Lebens. Moe hat eine schlimme Krankheit die ihm nicht mehr lange zu leben gibt. Er moechte die Zeit, die ihm noch bleibt, mit seinen Kindern (er hat zwei kleine Maedchen), verbringen und ich solle mich nicht laenger mit ihm befassen, es gaebe keine Zukunft und er ist nur eine Sackgasse fuer mich. Ich fuehlte mich vom Kopf gestossen; wie???? er schreibt mir solche Sachen und von heute auf morgen soll ich mein Glueck anderweitig suchen? Mein Glueck war doch bei ihm mit ihm.

Ich blieb am Ball und mit der Zeit kamen hier und da wieder Nachrichten von ihm und wir kommunizierten wieder. Wir sprachen ueber alles, nur nicht ueber "ES". Ich hatte dann im Juni wieder Urlaub und wir sahen uns. Da erfuhr ich dass es ein Hirntumor ist, er weigerte sich Einzelheiten zu erzaehlen. Als er von seinen Kindern sprach brach er in Traenen aus und ich konnte die Verzweiflung in seinen Augen sehen. Trotz Chemos und Therapien war er beschaftigt deren finanzielle Zukunft zu sichern. Dann kam der Tag an dem ich wieder zur Arbeit musste, der Abschied war ganz schlimm.

Immer wieder landete er im Krankenhaus was dann hiess er war tagelang wie vom Erdboden verschluckt. Nur wenn es ihm besser ging hoerte ich von ihm, wenn er stark genug war mit mir am Computer zu sitzen. Auch hier teilte er wenig mit mir was seine Krankheit anging. Jeder hier im Forum weiss den Namen des Tumors, welchen Grades, welche Therapien, wie es demjenigen geht, koennen die Hand halten, versorgen, Vorschlaege der Aerzte hoeren usw. Ich weiss, DASS es ein Tumor ist, dass er im vorderen Lappen der Hirnanhangdruese sitzt und dass ist alles. Aber Moe wollte das so, also draengte ich nicht weiter nach Information. Ich weiss ja, dass er sich sonst niemanden anvertraut und irgendwann muss es vielleicht mal raus. Immer wieder ging es ihm schlecht und immer wieder musste ich ihm versprechen wenn sich eine Moeglichkeit biete wuerde ich meinem Glueck nachgehen. So ein Spinner!!! Nie und nimmer koennte ich mich einen anderen Mann zuwenden, schon gar nicht jetzt. Aber ich gab ihm die Genugtuung nicht meine Zeit zu verschwenden.

Juli 2011 war ein besserer Monat. Er ging fuer zwei Wochen alleine an einem Ort (in Aegypten) irgendwo in die Wueste zum Nachdenken. Meinen Geburtstag hat er aber trotzdem nicht vergessen. Als er wieder zu mir kam war er fast wie ein neuer Mann. Er meinte wenn er eine Zukunft hat gehoert sie mir wenn ich ihn noch wollte. Niemals wollte ich etwas anderes als mein Leben mit meinem Moe teilen. Zum ersten Mal in unserer ganzen Beziehunge fragte er mich "Wuerdest Du bitte auf mich warten?" Dies war wie das Halleluja in der Kirche. Unsere Gespraeche aenderten sich von "Was waere wenn....?" zu "Welche Farbe streichen wir unser Wohnzimmer?". Es tat gut das Gefuehl der Naehe wieder zu haben und diesmal sogar noch intimer. Er koenne ohne mich nicht leben und kann es kaum erwarten "unser" Leben zusammen anzufangen. Ich wusste er kaempft und tat es fuer uns beide.

September 2011, ich hatte wieder Urlaub und flog zu ihm. Er war noch in den USA fuer die sechs monatige Beurteilung seines Tumors wo er sich einigen Tests unterziehen musste. Zwei Tage nach meiner Ankunft flog auch er ein und besuchte mich sofort, kam direkt vom Flughafen zu mir. Wir hatten eine tolle Zeit miteinander und schmiedeten Plaene und redeten ueber unser Leben und wie schoen es wird. Er erinnerte mich das die Test Resultate bestimmen werden was mit uns wird, denn sollten die Ergebnisse schlecht ausgehen dann wuerde er alleine sterben wollen, niemand sollte ihn pflegen oder schwach und entstellt sehen. Ich fuehlte mich jetzt schon verstossen alleine daran zu denken. Moe versuchte mir dieses Gefuehl zu nehmen indem er mir sagte er wuerde sich nicht nur von mir entfernen sondern von allen die in seinem Leben sind. Familie und Freunde waeren in Ding der Vergangenheit. Ich verdraengte diese Moeglichkeit denn wenn es einer schafft dann mein Moe, wir gehoeren doch zusammen.

20 September 0811 Uhr morgens kam die zweit schlimmste Nachricht meines Lebens. Wir haetten es mit einem Metastatischen Krebs zu tun und seine langwierigen Zukunfstprognosen waeren auch sehr schwach. Wiederum verabschiedete sich Moe von mir. Es gab noch ein paar SMS in denen er mir versicherte mich zu lieben und es immer getan zu haben. Am 21 September um 1616 Uhr dann die aller letzte SMS in der er mir sagte er wuenschte unsere Traeume verwirklichen zu koennen. Das war das letzte Zeichen von meinem Liebsten.

Ich bin seit Jahren im Irak taetig, arbeite 12 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Nicht ausbrechen zu koennen, abreagieren, meinen Schmerz freien Lauf lassen macht mich krank. Kaempft mein Moe weiter? Legt er sich irgendwohin zum Sterben? Ich weiss er leidet, wieviel leidet er? Denkt er an mich? Liebt er mich noch? Es gibt soviele Fragen die unbeantwortet sind und auch wahrscheinlich bleiben. Meine Mutter war und ist immer noch die Stuetze in dem Ganzen fuer mich. Ohne sie wuerde ich jetzt nicht hier sitzen, sie hat ihn noch nicht kennen gelernt aber sie ist unser groesster Fan. Sie sagt Moe ruht sich nur aus um weiter kaempfen zu koennen. Wirklich?!?! An guten Tagen stimme ich damit ueberein, an schlechten Tagen weiss ich dass es nur eine Art ist schneller drueber weg zu kommen. Moe hat sonst auch alles mit mir geteilt und will da jetzt alleine durch. Hat er Schluss mit mir gemacht und ich trauere einer gebrochenen Beziehung hinterher, oder trauere ich jetzt schon um einen gestorbenen Liebsten?

Sorry fuer die lange Mail, dies wuerde ich alles mit Moe teilen aber er laesst mich nicht an sich ran. Fuer alle die meine Geschichte gelesen haben ohne Einzuschlafen Danke Danke Danke. Wenn ihr einen Kommentar abgeben wollte ich habe meine Email Addy und Skype Namen angegeben.

Ich weiss Zeit heilt alle Wunden aber ich habe nicht die Moeglichkeit bis ans Ende mit Moe zu gehen. Das ist was weh tut. Ich weiss mit meinen Gefuehlen nicht wohin.

Im Moment sehr traurige Bee

Geändert von BeeMoe (18.10.2011 um 13:41 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 18.10.2011, 16:01
GabrielaV GabrielaV ist offline
Gesperrt
 
Registriert seit: 22.05.2011
Ort: Erfurt/Urbich
Beiträge: 215
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Hallo Bee, ich habe deine Geschichte gelesen und geweint. Ja, alles was du so durchmachst ist der volle Wahnsinn. Irgendwo zu sein, nicht helfen oder beistehen zu können, das ist sehr schlimm. Doch auch damit bist du nicht allein. Vielen anderen, die eine Fernbeziehung führen, ergeht es ähnlich. Natürlich, man muss wohl den Willen und die Ansicht des Betroffenen akzeptieren, er sucht sich aus, wie er damit umgehen will und k a n n. Du hast völlig Recht, ihn nicht bedrängen zu wollen, so weh es dir auch tut. Letztendlich wirst du ihn doch verlieren. Glaub mir eins, das Zuschauen tut auch weh, vielleicht noch viel mehr als das Wegschauen. Moe weiß das und eben weil er dich liebt, will er dir das nicht zumuten. Er hat ein ganz großes Herz. Aber ich verstehe, man kommt sich irgendwie fehl am Platz, falsch oder lieblos vor, wenn man wegschaut. Dass du das nicht tust, beweist uns, auch du hast ein großes Herz. Aber all das wirst du nicht ändern können, die Entfernung macht es unmöglich. Ich kann dir nicht raten, vielleicht ist es ja für jeden Rat auch schon zu spät, vielleicht aber auch nicht, ich weiß es nicht. Der Verlust eines geliebten Menschen ist immer zu schwer, ich weiß wovon ich rede, denn ich habe meinen Mann auch schon verloren gesehen, er ist betroffen und viel zu jung und der Mensch, den ich von ganzem Herzen liebe. Nun, ich muss zuschauen, ich werde mich nicht abwenden, gleich wie schlimm es wird. Aber seit dem bin ich selbst ziemlich krank und manchmal weiß ich nicht, wie das für mich selbst ausgeht. Wo soll man nur die Kraft hernehmen. Es ist zu schwer, in deinem, meinem oder einem anderen Fall, wo geliebt wird. Ach Bee, lass dich einfach nur drücken ich schließ dich in mein Herz und meine Hoffnung ein, einige andere tun das vielleicht auch. Ich bin nicht so fürs beten, vielleicht aber tun dass ein paar andere für euch, da ist auch schon geholfen. Ich wünsch dir viel Kraft. Gabriela aus Erfurt in Thüringen
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 18.10.2011, 17:10
Benutzerbild von stefuli1976
stefuli1976 stefuli1976 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 22.04.2010
Ort: Baden Württemberg
Beiträge: 211
Standard AW: Voellig im Dunkeln

hallo bee,

es tut mir wirklich leid dass du deine liebe so leidend weisst...ich kann nachvollziehen wie es als betroffener ist seine lieben nicht mit der krankheit belasten zu wollen! ich selbst bin betroffen..ich war am anfang auch etwas unsicher da ich weiss dass mein mann mich sehr liebt und es ihm das herz zerreissen muss mich so zu sehen, denn es würde mir ebenso gehen, ich versteh ich aber auch, es zerreisst dir das herz denn du weisst nicht wie es moe geht, ob er noch lebt....ich denke dass männer auch nochmal ein ticken anders darüber denken wie frauen...sie wollen immer die starken sein, die beschützer...und dass eine frau sie dann so sehen könnte, leidend, krank, schwach und nicht mehr stark muss wohl auch für moe der ausschlagende grund gewesen sein dass er dich so abgewiesen hat...
ich seh dass allerdings etwas anders wie gabriele...ich bin vielleicht auch einfach ein anderer typ...ich weiss es nicht..aber jeder ist ja anders als bitte nicht falsch auffassen gabriela. ich weiss dass mein mann auch oft so ist, dass er nicht gleich darüber redet wenn es ihm nicht gut gehn um mich nicht zu beunruhigen...doch ich bohre bei ihm solange bis er mir sagt wie es ihm wirklich geht...natürlich sollte man schon den wunsch berücksichtigen...aber alleine zu sein...er hätte sich wenigstens ab und zu mal bei dir melden können...so weisst du ja gar nix...und da du ihn liebst müsste er doch wissen dass du dir trotz seines wunsches dich anderweitig wieder umzuschaun, sorgen um ihn machen musst!!! kennst du niemanden seiner freunde oder familie?! die dir vielleicht etwas sagen könnten, wie es ihm geht...

ich hoffe dass du wirklich eine möglichkeit finden wirst von moe zu erfahren..dass auch ein wenig zur ruhe kommen kannst...um wenigstens eine gewissheit zu haben!!! ich wünsche es dir wirklich!!!! denn ich kann mich so gut in dich hineinversetzen!!! an einem tag denkt man das beste einen tag später könnte man verrückt werden vor angst...

fühl dich umarmt!!

gglg
steffi
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 18.10.2011, 18:48
BeeMoe BeeMoe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 18.10.2011
Beiträge: 22
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Gabriela,

sorry, ich wollte Dich nicht zum Weinen bringen. Ausserdem vergiesse ich im Moment Traenen fuer uns alle zusammen.

Moe brauchte nur Hoffnung mit dem Krebs leben zu koennen, normal wieder arbeiten gehen zu koennen, dann haetten wir trotzdem eine Zukunft. Was ich damit sagen moechte ist dass ich viel gelesen habe, wenn Aerzte keine konkreten Antworten geben koennen, weil es keine gibt. Es kann immer so oder so ausgehen. Ich sollte noch dazu sagen, dass Moe vor dem Tumor schon Depressionen hatte und somit bei Gespraechen mit Aerzten den schlimmsten Fall als Realitaet ansieht. Hinterher kommen dann die Gedanken, dass es vielleicht doch noch klappen koennte. Ich weiss aber nicht ob die Aerzte ihn weiterhin Vroschlaege machen. Das sind die Sachen die mir zu denken geben, denn egal wie ich mich dabei fuehle er ist derjenige der diese schlimme Krankheit durch macht und vielleicht letzt endlich stirbt. Und der Gedanke alleine macht mich krank. Danke aber fuer Deine lieben Worte, schoen dass Du auch so schnell geantwortet hast.

LG Bee
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 18.10.2011, 19:17
BeeMoe BeeMoe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 18.10.2011
Beiträge: 22
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Hallo Steffi,

auch eine ganz grosses Danke an Dich fuer Deine lieben Worte. Du hast recht, nicht wissen wie es Moe geht zehrt sehr an mir. Ich erinnere mich an seine Worte als er zu mir sagte "Bee wenn Du mit mir bist geht es mir gut wenn Du fern von mir bist geht es mir dreckig". Ich quaele mich mit alten Chats und weiss wie sehr er mich braucht aber dass er mir viel ersparen moechte. Daher bin ich hin und hergerissen zu bohren oder ihn gehen zu lassen. Er soll doch wissen, dass ich mich nicht auf dem Absatz umdrehen kann und mein Leben anderweitig weiterleben. Manchmal hasse ich es so emotional und voller Gefuehle zu sein. Wenn meine Hand seine Hand halten ihn helfen wuerde warum wollte er das nicht? Ich denke im Moment ist noch sehr viel frisch fuer mich und ich sehe das grosse Bild nicht. Ich moechte Moe nur leben sehen.

LG Bee
Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 19.10.2011, 02:29
Benutzerbild von HeikesFreundin
HeikesFreundin HeikesFreundin ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 13.05.2010
Ort: Lüneburg
Beiträge: 930
Standard AW: Voellig im Dunkeln

... ich glaube dass Du weißt dass er Dich liebt
und dass er weiß dass Du ihn liebst ...

Als ich Deine/Eure Geschichte las fiel mir sofort der Teil eines Films ein
"message in a bottle" ...

Darin gibt es Briefe - in einem von ihnen steht ähnlich das hier:

Ihr habt in euch euer Zuhause gefunden
er ist der Hafen, in dem Du für immer zuhause sein wirst.
Kein Ärger, kein Wind - nicht einmal in kleiner Tod
kann dieses Zuhause zerstören ...

Ja, ich glaube er will Dich nicht noch mehr belasten
und ich glaube, auch er braucht Raum, um einen Abschied in sich zu finden ...
zu seinem Leben, seinen Kindern, seinen Träumen, seiner Liebe - Dir.

Vielleicht ist Deine Liebe so stark, dass sie Dir hilft das alles zu tragen
und zu respektieren, was er Dir als so schwere Aufgabe zuerkannt hat ....

Ich wünsche Dir alle Kraft der Welt, den Weg - wie auch immer er sein wird -
gehen zu können und wenn Du einknickst auch wieder aufzustehen.


Von Herzen, Angie
__________________
... meine Freundin Heike ist am 24. Mai 2010 mit 48 J ganz friedlich für immer eingeschlafen ...

... meine liebe Freundin Lilli44 - auch Du hast für immer Deinen Platz in meinem Herzen ...


... I`ll see you when the sun sets!!!
Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 19.10.2011, 07:33
BeeMoe BeeMoe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 18.10.2011
Beiträge: 22
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Obwohl ich hier sitze und mich sehr aufgehoben fuehle Euere Worte zu lesen kommen mir trotzdem die Traenen. Ich habe gemerkt, dass ich noch nicht einmal alleine irgendwo richtig geweint habe um es alles heraus zu lassen. Man muss ja immer die Starke sein gell?

Angie, Du hast recht meine Liebe mit diesem Film zu vergleichen. Wo mein Ex-Mann mir jede Hoffnung nahm, dass es wahre Liebe gibt hat mir Moe ALLES gegeben und mit ihm hatte ich wovon man traeumt wenn man einen Hollywood Film anschaut. Du hast auch wieder recht wenn Du sagst er hat mir eine Aufgabe aufgetragen diese Situation so handzu haben wie er es fuer richtig haelt. Es geht hier auch darum was der Betroffene moechte, ABER wenn man eine Loesung bringen wuerde dann wuerden sie doch drauf eingehen oder? Also in anderen Worten, man sollte danach suchen. Nicht wahr?

Ich weiss in meinem Herzen wird er immer bei mir sein, den Platz, den er besetzt kann niemand einnehmen. Ich bin aber noch nicht bereit zu akzeptieren, dass er nicht mehr da sein wird und das ist womit ich kaempfe. Ich kann noch nicht los lassen. In meinem Herzen fuehle ich ihn wieder zu sehen. Ich muss einen Weg finden die Zeit zu ueberbruecken.

Bitte denkt aber nicht, dass ich Euere Geschichten ignoriere. Wenn ueberhaupt bin ich sehr gluecklich drei verschiedene Situationen kennen gelernt zu haben. Gabriela, sie sieht ihren Mann leiden, was er durch macht wie sehr er sich Sorgen macht alles vielleicht einmal hinterlassen zu muessen. Dabei wurde sie selber krank. Das Grass ist ja bekanntlicherweise immer gruener auf der anderen Seite, vielleicht doch nicht. Mit ihr werde ich weiterhin Unterhaltungen wechseln (hoffe ich). Gestern sagte ich zu meiner Mutter (ich haette es lassen sollen), dass ich mir fast wuensche selbst einen Hirntumor zu haben, sodass ich wuesste wie sich Moe fuehlt und was er durch macht, vielleicht kann ich ihn dann besser verstehen. Steffi ist selbst betroffen und weiss zu gut was man da so erlebt und denkt. Wir werden auch oefter miteinander reden (hoffe ich). Angie's Geschichte hat mich auch geruehrt und auch einiges klar gemacht. Heike wollte niemand an sich ranlassen weil sie nicht wollte, dass ihre Familie sie schwach sieht und so in Gedanken haelt wie sie als gesunder Mensch gelebt hat. Soviele verschiedene Situationen die in vielen Dingen dann doch wieder uebereinstimmen mit dem was man selbst durch macht. Hoffe auch mit Dir mehr auszutauschen.

Gestern Nacht habe ich getraeumt dass mich Moe versucht hat zu kontaktieren, das Gefuehl des Gluecks hat angehalten bis zum Morgen. Als ich dann jedoch erkannte es war ein Traum war wieder alles vorbei.

Schoenen Tag an alle und ich hoffe was auch immer bei Euch auf dem Plan steht dass es gut laeuft.

Bee
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 19.10.2011, 09:17
Auntie Little Auntie Little ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 11.05.2007
Ort: zwischen Köln und Olpe
Beiträge: 922
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Liebe Bee,

es ist schrecklich, was Du gerade durchmachst.

Leider kann ich Dir aus eigener Erfahrung als Betroffene sagen, dass man seine Lieben "vergißt". Mir war auch lange Zeit nicht bewußt, wie sehr mein Männe leidet. Vielleicht geht es Deinem Moe auch so, dass er sich dessen nicht bewußt ist und Dich "einfach nur" versucht zu schützen, auch wenn er damit das Gegenteil erreicht.

Ich wünsche Euch von Herzen, dass sich doch noch alles zum Guten wendet.

Drück Dich

Liebe Grüße
Birgit
Mit Zitat antworten
  #9  
Alt 20.10.2011, 07:43
BeeMoe BeeMoe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 18.10.2011
Beiträge: 22
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Ich bin bei vielen ein stiller Leser und wollte mal fragen. Gehe ich richtig in der Annahme, dass Wesensveraenderungen und Vergesslichkeit der Betroffenen nicht nur bei dem Glioblastom sondern bei Hirntumoren allgemein auftritt?

Bee
Mit Zitat antworten
  #10  
Alt 20.10.2011, 09:09
Auntie Little Auntie Little ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 11.05.2007
Ort: zwischen Köln und Olpe
Beiträge: 922
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Ja, kann man so sagen. Vergesslichkeit war bei mir ein Symptom, dass aber unsererseits nicht erkannt wurde.

Dadurch gab es viel Streit daheim. Schatzi sagte das und das habe ich Dir doch schon gesagt. Ich hatte es völlig vergessen und natürlich darauf beharrt, dass er es mir nicht gesagt hat. War nicht lustig.

Heute weiß ich es und schränke immer ein: "Ja, kann sein, dass Du es mir gesagt hast". Auch im Freundeskreis sage ich ständig: "Bitter erinner mich daran, dass..."

LG
Birgit
Mit Zitat antworten
  #11  
Alt 20.10.2011, 10:39
BeeMoe BeeMoe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 18.10.2011
Beiträge: 22
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Birgit,

ich denke wenn man weiss wieso und warum, kann man es auch in den Griff bekommen. Du ja sowieso, Du bist die Queen im Meistern.

Es faellt ganz besonders auf bei Leuten die vorher sehr aufmerksam waren und alles im Kopf behielten. Moe ist einer davon, er kann sich an Daten, Uhrzeiten usw erinnern, die Wochen und Monate zurueck lagen, wo ich schon passen muss.

Als er mich mal besuchen kam begruessten wir uns an der Tuer. Er hob seinen Zeigefinger und meinte er muesse nochmal ans Auto. Als er zurueck kam hatte er den Blumenstrauss in der Hand den er beim ersten mal schon mit hoch bringen wollte. Seine Antwort darauf mit einem gequaelten Laecheln "Gewoehn Dich dran!".

Fuer mich undenkbar wie unvergesslich und untypisch es fuer ihn doch ist. Ich koennte ausserdem damit leben nur fuer ihn ist es ein Zeichen dass die Krankheit ueberhand nimmt und seine Kontrolle nimmt. Schon schlimm.

Bee
Mit Zitat antworten
  #12  
Alt 20.10.2011, 11:12
Auntie Little Auntie Little ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 11.05.2007
Ort: zwischen Köln und Olpe
Beiträge: 922
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Bee,

ja, WENN man es dann weiß. Damals wussten wir es nicht. Außerdem ist es im täglichen Leben nach wie vor so, dass ich viel vergesse. Von daher kann ich gut verstehen, dass mein Schatzi oft angenervt ist. Er muss mich beispielsweise jeden Abend an das Antiepileptikum erinnern, weil ich es fast immer vergesse. Ehrlich gesagt glaube ich aber, dass das von meinem Unterbewußtsein gesteuert ist, weil ich die Tabletten gar nicht mehr nehmen möchte.

Bist Du sicher, dass ich die Queen im Meistern bin. Bin mir da nicht so sicher. Denke eher, dass ich ein Megaverdrängungskünstler bin und möglicherweise irgendwann den dicken bekommen. Aber wer weiß das schon. Bis dahin mache ich so weiter.

Hat Moe denn vielleicht einen guten Freund, dem er sich anvertraut hat und den Du kontaktieren könntest?

LG
Birgit
Mit Zitat antworten
  #13  
Alt 20.10.2011, 12:23
BeeMoe BeeMoe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 18.10.2011
Beiträge: 22
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Liebe Birgit,

ich kann das gut verstehen. Man erwischt sich vielleicht manchmal dabai als Angehoeriger heraus finden zu wollen ob der Betroffene sich darauf beruht oder sich gehen laesst (nicht boese gemeint, denn der Betroffene kaempft wie eine Loewe/Loewin). Wie Du ja gesagt hast im Unterbewusstsein moechtest Du die Pillen ja gar nicht mehr nehmen. Oder einfach nur Frustration weil man mitleidet und eine Normalfunktion wie diese dahin schwinden sieht.

Also das was ich soweit von Dir weiss, finde ich dich Mega STARK. Es zaehlt ja auch dazu was Du fuer Deinen Schatz machst und wie Du uns hier unterstuezt. Mir hast Du schon viel geholfen.

Ja, ich kenne einen guten Freund von Moe der mit ihm in der Praxis arbeitet. Ich wuerde auch gerne dort anfragen, aber ich denke der erste Schritt sollte von ihm kommen, dann wuesste ich er ist bereit es mit mir zu teilen. Seine Eltern erdruecken ihn sehr mit Vorwuerfen etc und das stresste ihn arg rein. Ich weiss ich leide auch aber ich versuche hier mal wieder das richtige zu machen.

Danke aber fuer den Vorschlag
Mit Zitat antworten
  #14  
Alt 20.10.2011, 12:43
Auntie Little Auntie Little ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 11.05.2007
Ort: zwischen Köln und Olpe
Beiträge: 922
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Huhu Bee,

die Angehörigenseite kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Stehe nun mal auf der anderen Seite. Glaube aber auch, dass es Schatzi schwerfälli sich in mich reinzuversetzen, weil man mir von meiner Erkrankung eigentlich nicht anmerkt oder ansieht. Schwieriges Thema.

Habe von Natur aus ein "Helfersyndrom". So bin ich nun mal. Bin diesbezüglich aber auch schon oft genug ausgenutzt worden. Meine Menschenkenntnis ist unter aller Kanone.

Kann verstehen, dass Du von ihm den ersten SChritt erwartest. Ginge mir vermutlich auch nicht anders.

LG
Birgit
Mit Zitat antworten
  #15  
Alt 21.10.2011, 08:38
BeeMoe BeeMoe ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 18.10.2011
Beiträge: 22
Standard AW: Voellig im Dunkeln

Ja, passiert mir auch manchmal. Leute nehmen einen aus ohne mit der Wimper zu zucken. Gott sei Dank habe ich eine gute Menschenkenntnis, nur online ist es manchmal etwas schwierig.

Zum Teil ist es aber gut wenn man Dir nicht viel anmerkt wegen der Erkrankung. Nur so kann man ein semi normales Leben fuehren. Und DASS man Dir nix anmerkt ist ja wieder auf deine MEGA Staerke zurueck zu fuehren.

Schoenes Wochenende

Bee
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 21:40 Uhr.


Für die Inhalte der einzelnen Beiträge ist der jeweilige Autor verantwortlich. Mit allgemeinen Fragen, Ergänzungen oder Kommentaren wenden Sie sich bitte an Marcus Oehlrich, bei technischen Kommentaren an den Webmaster. Diese Informationen wurden sorgfältig ausgewählt und werden regelmäßig überarbeitet. Dennoch kann die Richtigkeit der Inhalte keine Gewähr übernommen werden. Insbesondere für Links (Verweise) auf andere Informationsangebote kann keine Haftung übernommen werden. Mit der Nutzung erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen an.
Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2019, vBulletin Solutions, Inc.
Gehostet bei der 1&1 Internet AG
Copyright © 1997-2014 Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V.
Impressum: Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V. · Eisenacher Str. 8 · 64560 Riedstadt / Postanschrift: Postfach 130435 · 64243 Darmstadt / Vertretungsberechtigter Vorstand: Marcus Oehlrich / Datenschutzerklärung
Spendenkonto: Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V. Spendenkonto Nr. 17252500 · Volksbank Darmstadt-Südhessen eG · BLZ 508 900 00 · IBAN DE23 5089 0000 0017 2525 00 · BIC: GENODEF1VBD