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  #1  
Alt 29.08.2020, 10:47
Amy1987 Amy1987 ist offline
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Registriert seit: 16.09.2016
Beiträge: 6
Standard Hilfslosigkeit und Verzweiflung

Hallo,

ich bin zur Zeit total verzweifeln. Es geht nicht um mich, sondern um meinen Lebensgefährten. Er ist 33 und seit März hat er die Diagnose Leukämie. Ich weiß es seit Juni. Er hat sich total zurück gezogen und spricht kaum mit mir. Es ist ganz selten, dass er offen über seine Erkrankung spricht. Ich weiß, dass er an einer akuten Erkrankung erkrankt ist und hatte erst eine medikamentöse Therapie und dann eine Bestrahlung. Metastasen wurden an der Hüfte und an der Wirbelsäule gefunden. Vor 2 Tagen hat er mir erzählt, dass er noch eine Lebenserwartung von 6-7 Monaten. Ich bin die einzige, die von der Erkrankung weiß, er möchte nicht, dass jemand davon erfährt. Er geht weiterhin vollzeit arbeiten. Ich möchte, dass unsere Tochter davon weiß, damit sie Möglichkeit hat, sich von ihm zu verabschieden. Er möchte es nicht. Er sagte, ihm wäre es am liebsten, dass wir ihn hassen würden, damit es für uns leichter ist, ihn gehen zu lassen. Er sage ihm immer wieder, dass das nicht so sein wird und dass es einfacher wäre, wenn er offen darüber reden würde. Ich finde es gerade sehr schwierig damit umzugehen und weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Die letzten Monaten waren so schwierig. Er wirkt sehr depressiv, auch wenn er sagt, dass er das nicht ist.
Ich würde auch gerne mit seinen Freunden reden und sie zu uns einladen, die er sonst wahrscheinlich nie wieder sehen wird.
Freunde und Familie sind ihm in seinem Leben wahnsinnig wichtig, aber ich möchte auch nicht verletzten, weil ich hintergangen habe.
Wie kann ich mich richtig verhalten? Bin echt ratlos.
Danke fürs Zuhören
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  #2  
Alt 29.08.2020, 17:01
Miss Elsy Miss Elsy ist offline
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Registriert seit: 07.12.2017
Ort: Frankfurt
Beiträge: 71
Standard AW: Hilfslosigkeit und Verzweiflung

Ich glaube, das ist unheimlich schwer ist, darüber zu reden. Wichtig ist erst einmal das ihr als Eltern und als Partner euch darüber austauscht, bevor er eure Tochter involviert. Es wäre so hilfreich, wenn ihr euch ehrlich austauschen können, Ängste und Sorgen inbegriffen. Versucht das zusammen, sprich ihn auf deine Nöte an, klar und direkt. Auch er hat eine Verpflichtung dir und dem Kind gegenüber. Falsch wäre es meiner Meinung nach, nur Rücksicht zu nehmen. Klingt hart, aber jeder hat auch die Verantwortung gegenüber den Angehörigen.
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  #3  
Alt 15.01.2023, 11:56
Amy1987 Amy1987 ist offline
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Registriert seit: 16.09.2016
Beiträge: 6
Unglücklich Leukämie bei meinem Partner

Vor fast 3 Jahren wurde bei meinem Partner Leukämie mit Matastasenbildung an der Wirbelsäule und am Becken festgestellt. Chemo lehnte er ab, jedoch ging er zur Bestrahlung. Er arbeitet auch weiterhin. Er hatte eine schlecht Prognose. Zu der Zeit steckten wir in einer Krise ( er hatte es mir zu dem Zeitpunkt nicht erzählt). Als er es mir erzählt hat, konnte ich mir sein Verhalten und die daraus entstandene Krise erklären. Die Metastasen haben sich verkapselt, sodass sich seine Lebenserwartung verlängert hat.
Nun stecken wir gerade in unsere 2. Krise. Er distanziert sich von mir, schob Alltagsprobleme und meine Eifersucht (klar, wenn er sich so distanziert) vor und zweifel an unsere Beziehung. Er weiß gerade nicht, was mit ihm los ist, er fühlt gerade nichts mehr und weiß nicht, ob er die Beziehung noch möchte. Vor 2 Tagen hatten wir ein längeres Gespräch. Er erzählte mir, dass eine Metastase wieder aktiv ist und das streuen wieder beginnt. Der Arzt meinte, dass es wohl zu Hirnmetastasen kommen wird und er eine Lebenserwartung von Monaten hat. Er sagte, dass er sich eigentlich von mir trennen müsste, um mir zu helfen, sodass ich selbstständiger werde. Ich frage mich, ob er das macht, damit ich mich schon vorher emotional lösen kann, sodass ich dann für unsere Tochter da sein kann?
Ich weiß nicht, wie es ihm wirklich geht. Er ist kaum noch hier, auch die Nächte verbringt er kaum noch hier. Er redet nur selten darüber, er macht das alles mit sich aus. Ich dürfte noch nie zum Arzt mitgehen oder mal Befunde lesen, dabei würde ich ihn so gerne unterstützen. Er sagte mir, dass er auch nicht möchte, dass ich am Ende dabei bin. ich soll ihn so in Erinnerung haben, wie er ist. Ich verstehe nicht, warum er nicht kämpft? warum macht er keine Chemo, um seine Lebenserwartung zu verbessern und warum hält er mich komplett raus?
Ist das eine normales Verhalten in solch einer Situation?
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  #4  
Alt 15.01.2023, 15:59
dirk66 dirk66 ist offline
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Registriert seit: 24.12.2022
Ort: Ruhrpott zwischen Duisburg und Wesel
Beiträge: 34
Standard AW: Leukämie bei meinem Partner

Hallo Amy,
ich denke, dass Dein Partner natürlich mit seiner Diagnose eine schlimme Zeit durchlebt. Ich sehe es so, dass sein Verhalten einem Hilferuf gleicht und er schon möchte, dass Du ihn unterstützt. Weisst Du denn, wo er hingeht wenn er nicht bei Dir bzw. euch ist ? Ich selbst versuche meine Angehörigen auch soweit möglich rauszuhalten, es geht aber nicht so weit wie bei Deinem Partner. Bleibe am Ball, kämpfe um ihn und gebe ihm auch von Dir ein klares Zeichen der Selbstständigkeit, z.B. "OK, wir können uns trennen, aber nur wenn ich das nächste Mal beim Arzt dabei gewesen bin" (das ist jetzt konstruiert, Du musst es auf Deine Situation anpassen). Dein Partner wird sich nicht trennen (wollen), er braucht Deine Unterstützung. 2020 war es ja schon einmal so ?
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  #5  
Alt 16.01.2023, 20:26
Amy1987 Amy1987 ist offline
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 16.09.2016
Beiträge: 6
Standard AW: Hilfslosigkeit und Verzweiflung

Hallo,
vielen Dank für deine Antwort.
ja, 2020 hat er die Diagnose bekommen, wurde bestrahlt und anschließend ruhte der Krebs. Bis jetzt. Bis dahin waren die Metastasen verkapselt. Nun streut es weiter. Ich kann leider nicht so viel sagen, da er nicht oft darüber spricht.
Es ist so traurig, weil ich ihm so gerne helfen würde, aber nicht weiß wie. Wir haben vohin auch nochmal gesprochen. Er muss momentan selbst erstmal damit klar kommen und hält es momentan zu Hause nicht aus. Er würde sich gerade wünschen, dass ich es nicht weiß und einfach normal behandel, obwohl ich das bestmöglich mache. Zurzeit ist er oft bei einer Freundin (weiß nichts von der Diagnose), weil er einfach normal behandelt wird oder in seiner Halle (dort schläft er derzeit auch) und bastelt an Autos.
Ich habe ihm gesagt, er soll sich die Zeit nehmen, die er braucht und Dinge tun, die ihm gut tun, aber auch hoffe, dass er das irgendwann akzeptieren kann, er wieder ganz nach Hause kommt und wir unsere Zeit als Familie nutzen können.
Der Gedanke, dass er in einem Jahr vielleicht nicht mehr bei uns sein könnte, schmerzt so sehr. Wie sehr ich darunter leide, sage ich ihm nicht, denn ich möchte ihn nicht zusätzlich belasten. Ihm soll es wieder besser gehen, damit er seine Zeit genießen kann. Ich versuche es jetzt schon zu verarbeiten, damit ich dann unsere Tochter auffangen kann.
Ich möchte mir einen Termin bei einer Krebsberatungsstelle machen. Vielleicht bekomme ich noch ein paar Hinweise, was ich in der Situation noch tun kann.
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  #6  
Alt 13.03.2023, 12:35
Dirk_Berlin Dirk_Berlin ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 14.11.2014
Ort: Berlin
Beiträge: 147
Standard AW: Hilfslosigkeit und Verzweiflung

Hallo Amy,

ich wünsche Dir in der schweren Zeit sehr viel Kraft.

LG Dirk
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