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Alt 25.05.2020, 18:44
Lexiata Lexiata ist offline
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Standard Nierentumor entfernt, Angst bleibt

Nachdem ich mich hier schon seit einigen Tagen informiert habe, habe ich mich nun entschlossen mich auch anzumelden.
Zu meiner Geschichte als Angehörige: 2006 bekam meine Mutter Brustkrebs mit dem vollen Programm (Brustabnahme beidseitig, Bestrahlung, Chemo). Diesen konnte sie zwar besiegen und starb erst 2019 im Alter von 86 Jahren, litt aber in den letzten Jahren arg unter den Bestrahlungsfolgen, die ihr zunehmend die Lebensqualität nahmen. Wenig später verabschiedete sich dann auch mein Vater mit mehreren schweren Grunderkrankungen, unter anderem Hautkrebs, der aber nur entfernt wurde ohne weitere Therapien.
2010/2011 erkrankte mein Bruder an einem Glioblastom IV, zunächst mit sehr unklarer Diagnose nach Beschwerden, bis sich dann häppchenweise die Diagnose Glio zeigte. Unfassbar ist bis heute für mich, dass die Ärzte ihn zunächst durch Operationen, Chemo und Bestrahlungen quälten, nur um meiner Schwägerin, die bis dato die Hoffnung nicht aufgab, dann vor den Kopf zu knallen, dass ein Glio IV grundsätzlich kaum heilbar wäre und nur noch eine kurze Lebensspanne bedeute, ob ihr dieses noch niemand gesagt habe. Nein, sie erfuhr es nach monatelangem Martyrium, tatsächlich erst an diesem Tag in meinem Beisein. Es war immer nur von einem Hirntumor die Rede gewesen, dass es sich um ein Glioblastom handelt, erfuhr auch ich erst an diesem Tag. Meine Schwägerin hatte sich vorher regelrecht eingeigelt. Oft erfuhren wir nur über ihre Mutter Neuigkeiten. Es war war schon ein Wunder, dass sie sich ein Herz gefasst hatte, mich um Begleitung zu dem Arztgespräch zu bitten. Den Rest der Familie inklusive meiner Eltern über die Endgültigkeit der Diagnose zu informieren, übernahm dann ich.
Ebenso die schwere Aufgabe meinen Bruder davon zu überzeugen in ein Hospiz zu gehen, da meine Schwägerin und meine Neffen am Ende waren. Er lehnte, verständlicherweise, auch eine weitere, nur aufschiebende, OP ab. 6 Wochen später hatte er es dann geschafft. Bis dahin haben wir noch versucht gemeinsam einige schöne Stunden zu verbringen und seine letzten Wünsche zu erfüllen.
Nachdem wir bereits im letzten Jahr meine Eltern, die wir auch in den Jahren davor intensiv begleitet haben, kurz hintereinander in den Tod begleiten mussten (meine Mutter auf der Intensivstation und meinen Vater zunächst palliativ, dann im Hospiz) und ein sehr stressiges Jahr aufgrund der damit verbundenen Zu- und Umstände hatten, wollten wir dieses Jahr nun nur noch genießen.
Erst kam Corona, dann der nächste Hammer...
Per Zufallsfund wurde bei meinem Partner, 64 Jahre, sehr sportlich, keine Symptome, ein Nierenkarzinom entdeckt. Die Zeit bis zur endgültigen Abklärung war die Hölle. Vom ersten Verdacht bis zur erfolgreichen OP vergingen glücklicherweise nur ca. drei Wochen. Einem glücklichen Umstand war es zu verdanken, dass die geplante OP 14 Tage vorgezogen werden konnte. Nachdem der Urologe zunächst von einem Nierenkarzinom ohne Streuung sprach, welches per Teileresektion minimalinvasiv entfernt werden könne, versetzte uns zwischenzeitlich das Beratungsgespräch mit dem Chefarzt der Klinik, aufgrund von Corona telefonisch, in vehemente Panik.
Er riet an die OP offen zu machen, da er nicht sicher sei die Niere erhalten zu können. Dann meinte er auch noch im CT einen Lungenrundherd entdeckt zu haben, der dringend abgeklärt werden müsse. Ein Auf und Ab der Gefühle! Zu diesem Zeitpunkt hatten wir dann auch noch unseren 17. Jahrestag und versuchten tapfer alles normal weiter laufen zu lassen, was uns natürlich nur schwer gelang. Am Tag danach kam dann überraschend die Nachricht die OP könne vorgezogen werden. Montags kam mein Partner in die Klinik, dienstags unters Messer und bereits gegen halb 11 informierte mich der Chefarzt über den guten Verlauf der OP: Erfolgreiche Teilresektion im Gesunden, ca
6,7 cm, G2, kein Befall von Lymphknoten, Venen etc. und auch das Lungen-CT war unauffällig. Uns fiel ein Stein vom Herzen. Mein Partner konnte trotz des Flankenschnitts bereits samstags wieder nach Hause und hat sich bisher gut erholt, so dass er bereits heute seine AHB antreten konnte. Nach dem ersten Schock sind wir dankbar und glücklich, dass der Tumor anscheinend frühzeitig und gut entfernt werden konnte und keine weiteren Therapien notwendig sind. Das überwiegt momentan zu 70-80%. Bei mir bleibt aber zu 20-30% eine Unsicherheit und Sch...angst, dass sich über kurz oder lang doch Metastasen bilden. Mir macht gar nicht mal der Tod so eine Riesenangst (mein Partner ist 16 Jahre älter als ich und wird vermutlich eh eher gehen als ich), sondern das Leiden durch Therapien, die das Ganze nur aufschieben.
Andererseits habe ich aber auch Angst, dass mein Partner in einer solchen Situation zu früh aufgeben würde, trotzdem auch mit Therapien noch eine halbwegs gute Lebensqualität über Jahre hinweg möglich wäre
So viel zum Stand der Dinge.
Eines muss ich hier als Angehörige aber auch mal los werden. Ich habe es immer wieder, und auch aktuell, erleben müssen, dass das Umfeld nur den Erkrankten im Blick hat. Selbst enge Verwandte und Freunde fragen allenfalls (per WhatsApp, angerufen hat kaum jemand) nach dem Erkrankten. Nach meinem Befinden und Gefühlen hat sich bisher niemand erkundigt, weder in der Vergangenheit noch in der aktuellen Situation. Das macht mich betroffen und traurig.

Geändert von Lexiata (25.05.2020 um 20:07 Uhr)
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