Krebs-Kompass Forum  


Zurück   Krebs-Kompass Forum > Spezielle Nutzergruppen > Forum für Angehörige

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
  #31  
Alt 21.10.2018, 09:40
Ursus28 Ursus28 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2018
Beiträge: 58
Standard AW: Wenn der Krebs zur Nebensache wird...

Update: 3 Monate weiter. Mittlerweile arbeitet mein Mann 3 Tage die Woche und freut sich, „raus“ zu kommen. Die Hörproblematik ist nach wie vor allgegenwärtig, ein MRT vom Kopf hat ergeben, dass organisch alles in Ordnung ist. An den anderen Tagen geht er zur Akupunktur und zur Psychotherapie. Das Gute ist, dass er Unterstützung gegenüber sehr aufgeschlossen und kooperativ ist. Das Schlechte ist, dass sich wenig bis gar keine Besserung abzeichnet und er immer weniger am Leben teilt hat und ich immer mehr die einzige Person im privaten Umfeld bin. Über eine Empfehlung ist er jetzt zu einer Psychiaterin gekommen, die die medikamentöse Verordnung verändern wird und die ab Januar auch einen Platz in der Therapie frei hätte.
Zum Krebs - im August letzten Jahres wurde zunächst ein Myelom vermutet und nach einer langen Odyssee und einigen Untersuchungen lautete die Arbeitshypothese Lymphom plus MGUS (Vorstufe zum Myelom). Bei der letzten Untersuchung gab es schon eine Veränderung im Blutbild, die mehr Richung Myelom weist. Im November ist der nächste Check-Up und so sehr einen das Wait and Watch in Sicherheit wiegen soll, muss ich oft daran denken, warum denn der allererste Onkologe schon im Oktober letzten Jahres mit der Chemo beginnen wollte während der Uniprofessor (wir hatten uns eine Zweitmeinung eingeholt, weil alles zu schnell ging) sofort konstatierte, dass kein Handlungsbedarf bestünde und wo würde mein Mann heute stehen, wenn er mit der Chemo im letzten Herbst begonnen hätte. Alles müßig und hypothetisch, dessen bin ich mir bewusst😕.
Mit Zitat antworten
  #32  
Alt 01.04.2019, 22:02
Ursus28 Ursus28 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2018
Beiträge: 58
Standard AW: Wenn der Krebs zur Nebensache wird...

Update: über 5 Monate später
Mein Mann ist nach wie vor im Wait and Watch Stadium, die Blutwerte sind marginal schlechter geworden, jedoch nicht der Rede wert. Die Psyche ist die große Baustelle, trotz Psychotherapie und psychatrischer Behandlung wird das Nervenkostüm immer schwächer. Zu allem Überfluss ist seine Mutter an den Folgen eines Sturzes verstorben. Der alkoholkranke Chef, der sich zunächst sehr verständnisvoll zeigte, behandelt ihn mittlerweile auch mies. Und jede Stressreaktion spiegelt sich im Gehör wider, d. h. dass mein Mann selbst mit Hörgeräten quasi taub ist. Es wurden sämtliche Untersuchungen durchgeführt, die es gibt, um organische Ursachen auszuschließen. Morgen geht er stationär in eine psychosomatische Klinik. Ich habe ein mulmiges Gefühl, es ist so schwer, ihn so leiden zu sehen und gleichzeitig, diese Ohnmacht aushalten zu müssen. Keiner der Fachleute hat es in den 1,5 Jahren geschafft, ihn aus dieser Abwärtsspirale zu holen. Diese ganzen Baustellen, mit denen er/wir zu kämpfen haben, dazu, nicht mehr hören zu können. Das ist so arg. Ich habe wirklich Angst, dass er allmählich durchdreht☹️..
Mit Zitat antworten
  #33  
Alt 30.05.2019, 18:10
Ursus28 Ursus28 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2018
Beiträge: 58
Standard AW: Wenn der Krebs zur Nebensache wird...

Am Dienstag war wieder Kontrolle beim Onkologen in der Uniklinik, das Hämaglobin fällt, im Herbst wird eine Knochenmarkspunktion durchgeführt, um zu schauen, wie es aussieht. Es sind die Psyche und mittlerweile der Pharmakakonsum, der meinem Mann jegliche Selbstbestimmung und Lebensfreude genommen hat. Ich gehe regelmäßig zum Sport und versuche mich abzugrenzen, doch ich merke, dass das nicht mehr reicht. Derzeit nehme ich an einem Onlinekurs für Betroffene teil, der Strategien zum Umgang mit Krebs vermitteln soll. Ich habe wirklich kaum noch Energie, bin oft sehr erschöpft - ich weiß, gehört alles dazu, er ist krank, nicht ich. Mein Mann war 6 Wochen stationär in einer psychosomatischen Klinik, ist seit 2 Wochen wieder zuhause und sagt selbst, dass es ihm psychisch im schlechter geht. Wo führt das hin? Mein Umfeld sagt mir, dass ich auf mich aufpassen soll, aber wie denn, wenn er fast taub ist, bei dem leisesten Stress eine Panikattacke bekommt usw. Wie geht man mit sehr depressiven, an Krebs erkrankten Menschen um, die nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen können und sich nur noch auf den Partner fixieren? Wie schafft man es, dabei nicht selbst krank zu werden?

Geändert von Ursus28 (30.05.2019 um 18:12 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #34  
Alt 30.05.2019, 21:50
monika.f monika.f ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 14.07.2008
Ort: Mannheim und Königswinter
Beiträge: 205
Standard AW: Wenn der Krebs zur Nebensache wird...

Naja, mal anders rum:

Ich bin diejenige, die 2013 die erste, 2017 die zweite Krebsdiagnose hatte. Mein Mann, 2013 noch Lebensgefährte, war mein Fels in der Brandung. Wir haben keine Kinder, keine Geschwister, außer seiner Mutter keine Verwandten. Nur hatte die zwischenzeitlich eine neue Herzklappe, zweimal Darmkrebs-OP, und mit 87 ist sie auch nicht mehr ganz autark.

Also ich denke, mein Mann hat das mit mir und ihr ganz schön was mitgemacht. Bekannt ist, dass er seit ca. 1991 arterielle Verschlusskrankheit hat, er hat Stents in der Leiste, bei der Niere. Und jetzt ist koronare Herzkrankheit dazugekommen. Medikamentös ist eigentlich alles gemacht, was geht. Lebensstil, Ernährung auch. Es liegt bei ihm in der Familie.

Nur, was ich sagen möchte: Jetzt bin ich wieder dran, die Rollen sind vertauscht. Falls meine Kontrolluntersuchung nächste Woche nicht ergibt, dass ich ein Rezidiv habe.

Krankheiten sind unberechenbar. Das 'auf sich aufpassen' gelingt dann auch nur in bescheidenem Maße.
Mit Zitat antworten
  #35  
Alt 31.05.2019, 08:00
Ursus28 Ursus28 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2018
Beiträge: 58
Standard AW: Wenn der Krebs zur Nebensache wird...

Danke für Deine Schilderung und Daumendrück, dass die Untersuchung gut verläuft.
Mit Zitat antworten
  #36  
Alt 21.09.2021, 16:45
Ursus28 Ursus28 ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 09.02.2018
Beiträge: 58
Standard AW: Wenn der Krebs zur Nebensache wird...

Nach fast 2,5 Jahren blase ich hier erst einmal den Staub weg.
Mein Mann ist seit 1. September offiziell Rentner und da mein projektbezogener Arbeitsvertrag Ende Dezember endet, habe ich für nächstes Jahr eine Auszeit geplant - für mich, für uns, um noch halbwegs schöne Lebensqualität zu genießen, wieder Kraft zu tanken nach anstrengenden Jahren.
4 Jahre wait and watch, letzte Woche dann die Nachricht, dass demnächst Chemo ansteht, weil sich die Werte verschlechert haben. Donnerstag MRT, nächste Woche Besprechung, was jetzt genau passieren wird und was das für die weiteren Planungen bedeutet.
Neben dem Krebs kämpft mein Mann noch mit anderen gesundheitlichen Baustellen, was unsere gesamte Lebenssituation belastet.
Wir hatten uns so auf das nächste Jahr gefreut, jetzt das. Das Leben kann so unfair sein.
Mit Zitat antworten
  #37  
Alt 11.10.2021, 10:36
Beccamaus Beccamaus ist offline
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: 11.06.2018
Beiträge: 196
Standard AW: Wenn der Krebs zur Nebensache wird...

Liebe Ursus, ich habe erstmal deine Geschichte nachgelesen und ich würde selbst eine Kur beantragen. Am besten eine Kur am Meer, komm 3 Wochen zu Kräften, rede dich aus, weine dich aus und erlerne Strategien für die Zukunft. Dein Mann wird dich verstehen, er muss es aber auch akzeptieren. Denn es ist wichtig, dass du gesund bleibst, sonst habt ihr beide nichts gewonnen. Es gibt wunderschöne Einrichtungen wo du deinen Mann zur Kurzzeitpflege hinbringen kannst, vielleicht erlernt er da wieder ein wenig Lebensfreude, wenn er mal vom Trott zu Hause raus kommt?
__________________
Mein Daddy
* 04.08.1947 25.06.2018

ED: 03.04.2017 (metastasierendes Lungenkarzinom (Adeno))


-------- Somewhere over the Rainbow---------

Geändert von gitti2002 (11.10.2021 um 14:25 Uhr) Grund: NB
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen


Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)
 
Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 15:53 Uhr.


Für die Inhalte der einzelnen Beiträge ist der jeweilige Autor verantwortlich. Mit allgemeinen Fragen, Ergänzungen oder Kommentaren wenden Sie sich bitte an Marcus Oehlrich, bei technischen Kommentaren an den Webmaster. Diese Informationen wurden sorgfältig ausgewählt und werden regelmäßig überarbeitet. Dennoch kann die Richtigkeit der Inhalte keine Gewähr übernommen werden. Insbesondere für Links (Verweise) auf andere Informationsangebote kann keine Haftung übernommen werden. Mit der Nutzung erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen an.
Powered by vBulletin® Version 3.8.7 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2021, vBulletin Solutions, Inc.
Gehostet bei der 1&1 Internet AG
Copyright © 1997-2014 Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V.
Impressum: Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V. · Eisenacher Str. 8 · 64560 Riedstadt / Postanschrift: Postfach 130435 · 64243 Darmstadt / Vertretungsberechtigter Vorstand: Marcus Oehlrich / Datenschutzerklärung
Spendenkonto: Volker Karl Oehlrich-Gesellschaft e.V. Spendenkonto Nr. 17252500 · Volksbank Darmstadt-Südhessen eG · BLZ 508 900 00 · IBAN DE23 5089 0000 0017 2525 00 · BIC: GENODEF1VBD