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  #61  
Alt 11.10.2021, 12:40
Beccamaus Beccamaus ist offline
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Standard AW: Zwei Prognosen, die unterschiedlicher nicht sein könnten...

Ich finde es nicht gut , dass du nicht weinst. Was ist so schlimm an diesem Loch unter dir? Warum willst du die starke spielen? Du wärst sicher ein wenig belastbarer, wenn du dir selber erlaubst, Druck abzubauen indem du weinst. Du setzt dich so unter Druck. Warum ist weinen verboten, ich habe im Bett meines Papa´s gelegen und bitterlich geweint. Man sollte alles das tun, was einem in diesen Moment richtig vorkommt. Keine leeren Versprechungen, kein überspielen der Gefühle. Für die Kinder ist es auch wichtig zu erkennen wie es Mama geht. Wenn deine Kinder sehen das du weinst, können sie deine Gefühle doch auch viel besser einordnen. Deinen Mann und dir hilft es vielleicht, endlich nochmal über alles zu sprechen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, klärt unausgesprochenes. Vielleicht fällt es dir dann einfacher, ihn zu besuchen. Aber nimm dir diese Zeit, ihn zu besuchen, du wirst es sonst sicher eines Tages bereuen :-(
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Mein Daddy
* 04.08.1947 25.06.2018

ED: 03.04.2017 (metastasierendes Lungenkarzinom (Adeno))


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  #62  
Alt 11.10.2021, 20:50
Christin12 Christin12 ist offline
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Standard AW: Zwei Prognosen, die unterschiedlicher nicht sein könnten...

Liebe Plaspoo,

vielleicht wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, um dich krankschreiben zu lassen.
Du merkst ja, dass du an deine Grenzen gehst. So bleibt dir auch mehr Zeit,
um bei deinem Mann zu sein.
Ich schließe mich Beccamaus an: Besuche ihn, so oft es geht. Sage ihm,
dass du ihn liebst ..., sage alles, was dir auf der Seele brennt. Erzähle ihm von schönen gemeinsamen Erlebnissen, vielleicht könnt ihr gemeinsam lachen, dass Leid für einen Moment zur Seite schieben?
Versuche alles so zu machen, dass du nichts bereust.

Es kommt danach sicher ein "hätte ich doch ...". Dann ist es zu spät.
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  #63  
Alt 11.10.2021, 23:03
plaspoo plaspoo ist offline
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Standard AW: Zwei Prognosen, die unterschiedlicher nicht sein könnten...

Hi, ich weine nicht, weil es sich einfach falsch anfühlt, wie aufgesetzt, wenn es nicht von selbst kommt, und ich hab das Gefühl, ich kann es nicht stoppen, wenn ich es forciere. Wenn es kommt, z.B. als ich mit den Kindern geredet habe, dann kommen schon einige Tränen, das blubbert so hoch, aber ich weine nicht, versteht ihr, wie ich meine?
Ich kann mit meinem Mann leider nichts mehr besprechen. Dazu ist er inzwischen zu verwirrt und man versteht ihn auch kaum noch. Als ich es wollte, vor ein oder zwei Wochen, hat er sich geweigert, "er ist ja noch nicht tot", war seine Meinung da. Ich habe ihm einen Block und Stift gegeben und ihn gebeten, wenn er schon nicht drüber reden möchte, dann soll er bitte aufschreiben, was er denkt, was wichtig für ihn ist.

>Warum willst du die starke spielen?< Will ich ja gar nicht, aber ich will auch nicht die Schwache "spielen", ich fühle mich so schon schwach genug...

>Druck abzubauen indem du weinst< Ich habe nicht das Gefühl, dass das bei mir Druck abbauen würde...

>Versuche alles so zu machen, dass du nichts bereust.< Das versuche ich tatsächlich...


Das klingt alles so diffus und chaotisch, ich hab als Krankenschwester schon so viele Menschen beim Sterben begleitet, oder Todkranke und Verstorbene gesehen, und ich konnte immer gut damit umgehen, aber bei meinem eigenen Mann macht mich das fertig, ich will es nicht, ich will ihn so nicht sehen, ich will nicht in dieser Situation sein, ich will nicht ständig Zeit freischaufeln, um ihn besuchen zu können, weil es eigentlich nicht in den Tagesablauf passt und ich andere Sachen zu tun habe, ich will seinen Kindern nicht erklären müssen, dass der Papa nie wieder heim kommen wird, ich will nicht eine Beerdigung organisieren, ohne dass ich weiß, wie er es sich vorstellt...
Ich fühle mich wie ein kleines trotziges Mädchen, dass mit dem Fuß aufstampft und dem ich so gerne eine Ohrfeige geben würde, dass sie endlich wieder normal tickt und sich gefälligst zusammenreißt, um es ihm so angenehm wie möglich zu machen und ihm und den Kindern das Beste zu bieten, was ich bieten kann, eben ohne Rücksicht auf meine Gefühle, die müssen warten!
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  #64  
Alt 12.10.2021, 08:07
Beccamaus Beccamaus ist offline
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Standard AW: Zwei Prognosen, die unterschiedlicher nicht sein könnten...

Das sind sehr harte Gedanken die du da formulierst, ich empfehle dir auf jeden Fall dieses furchtbare Erlebnis danach professionell aufzuarbeiten. Wie gesagt, bleibe zu Hause (ich habe leider keine Ahnung warum du dich dagegen so wehrst, ich wäre schön längst krank), dann brauchst du dir keine Zeit frei schaufeln, du kannst die ganze Zeit bei deinem Mann bleiben während die Kids im Kiga/Schule sind. Wenn er nicht drüben reden wollte, dann ist es so. Dann musst du das beste draus machen und darüber hinaus das planen wo du denkst es wäre das richtige. Immerhin kennt ihr euch und du wirst instinktiv schon alles schön planen. Aber diese Gedanken würde ich noch beiseite schieben, genieße die Zeit mit deinem Mann, die Wärme und die Nähe. Was würde ich für geben, dass ich es nochmal genießen könnte, auch wenn mein Papa die letzte Zeit verwirrt war, sie spüren dennoch das da wer ist, der einen nah steht. Geh einfach mal in den Wald, schreie einmal alles aus dir raus, vielleicht geht es dir dann besser, sich slebst ohrfeigen, geht leider schlecht :-)
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Mein Daddy
* 04.08.1947 25.06.2018

ED: 03.04.2017 (metastasierendes Lungenkarzinom (Adeno))


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  #65  
Alt 12.10.2021, 11:25
schakoBerlin schakoBerlin ist offline
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Standard AW: Zwei Prognosen, die unterschiedlicher nicht sein könnten...

Hallo plaspoo….

So hart Deine Situation auch ist, Du musst da durch.
Ich kann mich da nur anschließen, Du brauchst dringend professionell Hilfe
im Anschluss.
Ich habe meine Mutter beim sterben begleitet, ja es war die Hölle für mich, ganze 12 Tage habe ich im Krankenhaus im Bett neben Ihr verbracht.
Davor habe ich Sie 8 Jahre im Kampf, gegen diese beschi..ene Krankheit unterstützen.
Ich möchte Dir nicht zu nahe treten aber ich lese nur „Ich will“!
Ich denke das Du eines Tages diese Einstellung bereuen wirst.
Ich wünsche Euch alle Kraft dieser Welt und hoffe, Du findest den passenden Weg für Dich/Euch.

Alles liebe Patrick
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  #66  
Alt Gestern, 00:54
plaspoo plaspoo ist offline
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Standard AW: Zwei Prognosen, die unterschiedlicher nicht sein könnten...

Ich hab mal wieder ne Stunde Zeit und antworte auf eure Beiträge...

>Du brauchst dringend professionell Hilfe im Anschluss< Die bekomme ich aber nicht, zumindest empfanden die Psychologen, an die ich mich vor Monaten mal gewandt habe, mich eher als Zeitverschwendung und Belastung... So kam es zumindest rüber. Meine Hoffnung war ja, dass mir die Mutter Kind Kur in der Hinsicht was bringt, aber auch da kam nichts bei rum. Ich brauch niemanden, der mir Sachen erklärt, die ich schon weiß. Und solange sich niemand die Mühe macht, in mir mehr als nur eine "starke" Frau zu sehen, wird auch niemand (Professionelles) auf die Idee kommen, mir helfen zu wollen, glaubt mir, das habe ich schon versucht... Mein Hausarzt war bisher der einzige, der tatsächlich beschreiben konnte, wie ich mich fühle. Ich kann es nämlich nicht wirklich in Worte fassen. Und dann sitze ich vor den Psychologen, die fragen "und, wie soll ich Ihnen helfen?", worauf ich einfach keine Antwort habe, weil ich mir eben immer schon selber helfe, schon seit ich Kind bin, brauche ich keine anderen Menschen, um mir mit meinen Gefühlen zu "helfen"... Hier mit euch zu schreiben, bringt mir mehr als jeder Psychologe, mit dem ich bisher gesprochen habe.

>Ich möchte Dir nicht zu nahe treten aber ich lese nur „Ich will“!
Ich denke das Du eines Tages diese Einstellung bereuen wirst.< diese Kritik verstehe ich nicht so ganz? Ich hab doch nur geschrieben, was mir im Moment lieber wäre. Natürlich begleite ich meinen Mann und natürlich versuche ich da Zeit freizuschaufeln, wo es geht, um bei ihm zu sein, mit den Kindern und auch allein. Ich mach alles, was in meiner Macht steht, dass es ihm so gut geht, wie es momentan eben geht und ich mach alles dafür, dass nach seinen Wünschen und Vorstellungen (soweit ich davon Kenntnis habe) gehandelt wird. Ich organisiere seine Besucher, dass nicht alle auf einmal da sind und er aber so oft wie möglich jemanden bei sich hat. Ich gebe mein Bestes, um die Kinder, sowie Kindergarten und Schule vorzubereiten, ich plane Beerdigung und auch alles was danach noch so auf mich zukommt. Ich hab mit meinem Arbeitgeber schon geklärt, wie die Arbeit in Zukunft aussehen kann, hab verlängerte Betreuungszeiten gebucht, etc. Nebenbei versorge ich Haushalt und Haustiere, unter anderem meinen Hund, der mich seit über 13 Jahren begleitet, der auch kurz vor dem Tod steht und mehr Aufmerksamkeit bräuchte. Die Steuer von 2019 soll auch bis Ende des Monats gemacht sein, das hat bisher mein Mann immer gemacht... Ich bin nicht alleine hier, ich kann es leider nicht leisten, tagelang am Stück neben seinem Bett zu verbringen. Ich vertraue dem Personal insoweit, dass sie mir Bescheid geben, wenn er mich unbedingt da haben will, dann würde ich das versuchen, möglich zu machen.

>ich empfehle dir auf jeden Fall dieses furchtbare Erlebnis danach professionell aufzuarbeiten. Wie gesagt, bleibe zu Hause (ich habe leider keine Ahnung warum du dich dagegen so wehrst, ich wäre schön längst krank), dann brauchst du dir keine Zeit frei schaufeln, du kannst die ganze Zeit bei deinem Mann bleiben während die Kids im Kiga/Schule sind< ich habs oben schon geschrieben, professionelle Hilfe bringt mir nichts, wenn sie mir nicht helfen wollen. Ich bereite da mein komplettes Leben vor denen aus und dann kommt die Frage "und wo kann ich Ihnen da helfen?". Was bitte soll man da antworten? Die sollen doch diagnostizieren, was mit mir kaputt ist und mir dementsprechend helfen, woher soll ich das denn wissen, für mich ist alles "normal". Ich bin jetzt krankgeschrieben, erstmal bis zum 24ten, weil es einfach momentan so unabsehbar ist und ich es nur fair für die Kollegen finde, dass ich mich nicht mitten im Dienst oder kurz davor krankmelde. Trotz alledem ist er jetzt gerade wieder stabil und das ist ja auch gut so, wie lange das so geht, kann aber keiner sagen. Aber auch das ändert nichts daran, dass ich eben nicht stundenlang bei ihm sitzen kann. Momentan sind Ferien, das heißt, der Große ist zuhause, bei ihm merke ich, dass er sich unwohl fühlt, wenn wir seinen Papa besuchen. Ich habe Mo/Di und Do die Haushaltshilfe hier, die noch nicht alleine zurecht kommen (die eine hat noch nie im Leben eine Spülmaschine eingeräumt, die andere soll für uns kochen und hört nach der Hälfte des Rezepts einfach auf... ) und dann noch diverse andere Termine. Der Hund will auch raus und einkaufen muss ich zwischendurch auch mal. Und selbst was Essen und auch mal Duschen ist auch sinnvoll, das vernachlässige ich in letzter Zeit eh schon, Schlaf hab ich nachts auch nur so 4-5h, weil ich stundenlang wach liege und versuche die Situation für den nächsten Tag besser zu planen und hoffe, dass nicht kurz nachdem ich eingeschlafen bin ein Anruf vom Hospiz kommt und ich den verpasse.

Also, Tipps, wo ich noch mehr Zeit herbekommen kann, sind gerne gesehen.
Ich hoffe, mein Ton hier wirkt nicht zu grob, so liest es sich nämlich irgendwie, aber ich bin wahnsinnig froh, dass ich mich hier einfach ausschreiben kann und dass ihr mit mir mitgeht und mir berichtet, wie es bei euch war, und mir auch den Kopf zurechtrückt, wenn ich zuviel Blödsinn schreibe. Ich höre eben von allen immer nur, dass sie mich so stark finden, aber mir sagt keiner, ob das auch richtig so ist, oder was ich anders machen soll? Soll ich mich zwingen vor Anderen zu weinen, wirkt es dann besser? Wirke ich dann eher wie eine gute Ehefrau/Mutter? Ich hab keine Ahnung...
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