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Alt 22.03.2005, 16:34
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Nicht nichts ohne dich, aber nicht dasselbe.......

Liebe Alina,

Dieses Gedicht von Erich Fried (mit Ausnahme der letzten Zeile) drückt mein Empfinden nach Mamas Tod aus.

Ich hatte ein sehr inniges Verhältnis zu meinen Eltern, aber meine Mama war mein Lebensmensch. Wir haben wirklich tausende Briefe gewechselt, hunderte Bücher gemeinsam gelesen, mit niemanden bin ich so gerne verreist, mit niemanden konnte ich so gut lachen wie mit meinen Eltern.Wir haben auch viel gemeinsam gemacht.

Wie bei Dir, ist sie mir auch das große Vorbild - im Altern, im Umgang mit Krankheit und beim Sterben. Sie ist jetzt fünfeinhalb Jahr tot, mein Papa drei Jahre. Also viel, viel länger als bei Dir. Trotzdem gibt es Momente, in denen erscheint es mir unbegreiflich, daß sie nicht mehr da sind, ich ein altes Waisenkind bin!

Ich hatte in Saphir Thread einmal geschrieben, ich sei nicht mehr die Gleiche. Positiv empfinde ich meine gesteigerte Sensibilität anderen, - so oder so leidenden Menschen gegenüber. Ich bin auch dankbar, daß mein großer Wunsch - bei meinen Eltern zu sein, wenn sie sterben - daß sich das ausging und daß wir das so gut hinkriegten. Dadurch bin ich dem "Mysterium Tod und Sterben" einen Schritt näher gekommen.

Aber das Leben das ist hatte als meine Mama noch lebte, das ist vorbei. Diese Qualität ist vorbei.Mittlerweile kann ich wieder Dinge machen, von denen ich dachte, ich will das nie mehr tun. Ganz Banales, z.B. haben wir immer viel gebacken, neue Rezepte ausprobiert und ich dachte ich will nie mehr einen Kuchen backen.Sehr lange dauerte es bis ich wieder Opern hören konnte ohne beim ersten Ton in Tränen auszubrechen.

In den ersten zwei Jahren habe ich eifersüchtig und neidisch beobachtet wie alt andere Menschen werden, habe andere Töchter und Mutter beäugt. Mittlerweile habe ich sogar Kontakt zu einigen älteren Damen. Die sind kein Mutterersatz, ich will ihnen eher etwas von der Aufmerksamkeit einer Tochter schenken.

Einmal habe ich einen Ausspruch gelesen: die größte Tragödie im Leben einer Frau ist der Tod der Mutter, der Tod der Tochter. Für mich stimmt es, aber allgemein würde ich sagen, es kommt auf die Beziehung an.
Ich würde sagen, seit dem Tod meiner Mama ist viel von meiner Lebensfreude verschwunden, das Leben ist nicht mehr so voll, eben weniger Leben, weniger Freude. Zugleich weiß ich, daß genau dies ihre Sorge war.

Jetzt muß ich aufhören - Deine Frage bezüglich Hospizarbeit beantworte ich später.

Liebe Grüße
Briele
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