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  #1  
Alt 07.12.2017, 19:56
Polly17 Polly17 ist offline
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Standard Wo ist Platz für die Angst?

Selbst hier, im Krebsforum, hab ich das Gefühl, dass Angst wenig Platz hat.

Mir geht es schlecht mit der Diagnose aber „ich soll immer nach vorn schauen“
Ja, das ist wichtig aber wo ist denn Platz für die Angst und die schlimmen Befürchtungen?
Diese werden hier ja auch sehr befeuert...
Krebs ist furchtbar!

Ich wünsche mir auch Austauch:
Angst vor der Krankheit
Angst vorm Sterben
Angst vorm Tod

Findet sich jemand hier wieder?
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  #2  
Alt 08.12.2017, 15:14
Safra Safra ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Hallo Polly,

ja na klar gibt es die Angst. Sonst würdest Du wohl kaum so viele Beiträge hier lesen können. Vor allem, wenn die Diagnose neu ist, geht einem da sehr viel im Kopf herum.

Diese Sätze bzgl. "positiv denken" auf Befehl funktionieren nicht. Dazu habe ich schon paarmal geschrieben. Also muss man für sich einen anderen Weg der Verarbeitung suchen.

Ich kann mit Deiner Frage nicht richtig etwas anfangen, zumal Du Dich sehr bedeckt hälst, was Deine eigene Diagnose betrifft.

Safra
__________________
"Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Bach des Lebens."
Friedrich Wilhelm Nietzsche
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  #3  
Alt 08.12.2017, 22:04
Nette1973 Nette1973 ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Liebe Polly

Hier ist sicher Raum und Platz für das Thema Angst. Das kann ja jeder selbst und individuell zum Thema machen. Im Leben, bei Krankheiten und gerade bei einer Krebserkrankung gehört die Angst und auch Furcht immer wieder dazu. Das Gefühl der Angst ist wahrscheinlich einfach nicht konstant gleich hoch, sondern verläuft in Phasen. Das ist ja auch gut so.

Was ist dein Wunsch? Über die Angst auf einer Meta-Ebene zu sprechen? Dann kannst du dazu einen Threat eröffnen, z.B. "Umgang mit Angst".

Oder möchtest du lieber ganz konkret über deine Ängste schreiben, sprechen. Dann formuliere sie und schreibe, dass es dir darum geht, diese jetzt auszudrücken. Dass es dir jetzt nicht darum geht, Trost zu finden, sondern über deine Ängste zu sprechen. Dann wirst du darauf auch Antworten bekommen.

Alles Liebe
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  #4  
Alt 09.12.2017, 09:15
Polly17 Polly17 ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Hallo Safra und Nette,
Danke für eure Worte und Gedanken dazu.

Ja, ich bin auf der Suche nach meinem Umgang mit dem Krebs (warum ist es wichtig die ganz genaue Diagnose zu thematisieren?) und finde es sehr schwer.

Ich glaube, mich hat es etwas gewundert, dass es dazu nicht mehr spezielle Themen hier gibt. In meinem Gefühl scheint es doch ein wenig ein Tabuthema zu sein.
Also speziell in diesem Unterforum gibt es wenig aktuelle Themen bzw. wenig Resonanz.

Einige setzen sich sicher in anderen speziellen Foren, in ihren Threads, damit auseinander.

Manches kann ich aus bestimmten Gründen nicht so offen schreiben und so hatte ich vielleicht gehofft, von anderen hier lernen zu können.

Mich beschäftigt auch die Frage: wieviel noch aushalten und probieren und wann lieber aufgeben um nicht so „elend“ zu sterben?
Aber das ist schon eine von den „schwierigen“ Fragen hier

Schwieriges Thema, schwere Erkrankung, komplizierte Jahreszeit

Grüße von Polly

Geändert von gitti2002 (10.12.2017 um 04:08 Uhr)
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  #5  
Alt 09.12.2017, 23:32
Christin12 Christin12 ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Hallo Polly,

es tut mir sehr leid, dass du diese Diagnose hast.

Angst ist leider vom ersten Tag an präsent, bei Betroffenen wie bei Angehörigen.

Das Thema Sterben wird oft tabuisiert, denn die Hoffnung auf Heilung ist bis zum letzten Moment da. Neben der Angst.

Es ist eine Gratwanderung für beide Seiten.
Und ja, es ist furchtbar.

Ich hoffe, du findest hier jemandem, um dich bzgl. deiner Fragen austauschen zu können.

Ch.
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  #6  
Alt 10.12.2017, 08:49
Polly17 Polly17 ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Danke Christin,

ich fühle mich von dir gesehen und verstanden - das tut gut

Es war hier ein Versuch aber ich hab mir da glaub ich selber was vorgemacht. Es scheint nicht der richtige Platz zu sein.

Viele Grüße

Polly
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  #7  
Alt 10.12.2017, 11:17
Elisabethh.1900 Elisabethh.1900 ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Liebe Polly, es kommt auch auf den Charakter des jeweiligen und sein Umfeld an, wie stark die Angst ist, wie sie sich äußert und ob man etwas dagegen tut.
Jeder Mensch hat eine andere Lebensgeschichte und die familiäre Situation unterscheidet sich.

Es ist eine schwierige Frage,sich festzulegen, wie weit man die Therapien fortsetzt, ehe man sag;genug, jetzt möchte ich nicht mehr.

Nach meiner Meinung spielt auch die Qualität der Behandlung eine wesentliche Rolle, hat man Ärzte, die eher Naturwissenschaftler sind, sich an Zahlen, Fakten und Befunden orientieren, oder Mediziner, denen das subjektive Empfinden der Patienten wichtig ist, mit denen man auch über das selbst bestimmte Therapieende sprechen kann.
Wichtig wäre für mich (bin Angehörige), dass der behandelnde Arzt, mit jemanden zusammen arbeitet, mit dem wir (Patient und Angehöriger) über Sterben und die letzte Lebensphase sprechen können.

Herzliche Grüße, die mit einem großen Kraftpaket verbunden sind, kommen von Elisabethh.
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  #8  
Alt 10.12.2017, 16:01
Nette1973 Nette1973 ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Liebe Polly

Ich verstehe dich sehr gut. Ich finde auch nicht, dass man hier Diagnosen ausbreiten muss. Die direkte Fragen nach der Einstufung etc. irritiert mich des Häufigeren. Mag ja sein, dass einige sich zu Experten entwickelt haben. Man will ja aber nicht immer "Expertenwissen".

Auch habe ich schön häufiger gelesen, dass Menschen, die ihre Angst vor dem Sterben konkret äusserten, darauf hingewiesen wurden, dass es sich doch noch lohne zu kämpfen. Nun ja, was soll man damit anfangen? Oder, dass man dankbar sein solle noch zu leben, egal wie. Der verstorbene Ehemann hätte alles gegeben, noch ein paar Monate gehabt zu haben. Wumm! Und nun?

Irgendwie sollte sich doch keiner anmassen, zu wissen, was für den anderen gut ist. Weil die Fragen rund um die Angst so heikel, individuelle, persönlich und intim sind, macht hier wahrscheinlich niemand einen eigenen Thread dazu auf. Es gibt hier persönliche Schicksale, die von der Diagnosestellung über den Behandlungsweg bis zum Tod reichen. Die Fragen rund um die Angst werden meist mit Aufmunterung beantwortet. Selten sagt jemand, wenn es für dich Zeit ist zu gehen, dann hast du das Recht dazu. Wenn du keine weitere Therapie mehr möchtest, dann musst du keine mehr machen.

Ich persönlich denke, dass die Fragen rund um - wie viel Behandlung möchte ich noch - wann ist genug? mit einem Onko-Psychologen/einer Onko-Psychologin gut besprochen werden können. Wichtig scheint mir auch, dass man ein gutes Palliativ-Care-Team haben muss. Viellicht ist es manchmal "besser" eine gute Palliativ-Betreuung zu haben respektive eine Komplementärbetreuung mit einem guten Team, dem man vertraut. Dort kann man selbst entscheiden und wird gut aufgefangen.

Alles Gute für Dich. Liebe Grüsse, Nette

Geändert von Nette1973 (10.12.2017 um 16:05 Uhr)
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  #9  
Alt 10.12.2017, 17:28
Polly17 Polly17 ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Danke an euch, Elisabeth und Nette
ihr versteht, was ich empfinde.

Ich weiß um die Kraft der positiven Gedanken aber auch das andere braucht für mich Platz.
Manchmal macht es mich wütend wenn wildfremde Leute, die nur vom Krebs wissen (nicht welcher oder welches Stadium) sofort sagen „Sie werden wieder gesund“ „Sie schaffen das“
Ach ja?
Und woher wisst ihr das so genau, ohne mich weiter zu kennen?
Aber mit ist schon klar, dass es den Menschen oft zu nah ist. Krebs ist ja etwas, „was nur die anderen haben“ und wenn man das schon mitbekommt, dann soll es zumindest ein Happy end geben
Mir helfen Formulierungen mehr wie „ich weiß nicht ob Sie das schaffen aber ich drücke Ihnen fest die Daumen“

Ja, gute Onkologen sind wichtig und dort auch die Ehrlichkeit.
Mit dem richtigen Zeitpunkt ist es so ne Sache... es geschehen halt doch oft Wunder (habe ich beruflich erlebt).
Wann also aufhören mit Therapie und Kampf.
Wieviel versuchen?

Oft lese ich hier - und das erschreckt mich zutiefst - wie schnell plötzlich alles gehen kann: Eben noch krebsfrei nach Behandlung und plötzlich massig Metastasen... evtl noch „schnell“ operiert/bestrahlt oder Chemo und doch dann elend gestorben.

Auch finde ich die jeweiligen Nebenwirkungen wichtig.
Stichwort: Lebensqualität.
Auch dort gibt es ja große Unterschiede bei den Erkrankungen.

Am Anfang ging alles so rasend schnell...
Ja klar, man unterschreibt alles
aber hatte man genug Zeit um wirklich zu überlegen?
Nein, aber es ist müßig, da jetzt drüber nachzudenken.
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  #10  
Alt 11.12.2017, 11:49
Adlumia Adlumia ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Auch wenn ich nicht selbst betroffen bin, sondern die vielschichtigen Gesichter dieser Krankheit nur als Angehörige "kenne", hoffe ich dass ich dazu etwas schreiben darf.

Ich lese nicht nur im Angehörigen-Bereich sondern auch im Bereich der Selbst-Betroffenen und auch ich habe manchmal das Gefühl, dass es einerseits für den Betroffenen schwer ist über die persönlichen Ängste zu schreiben, aber auch dass es verdammt schwer ist auf doch geäußerte Ängste/Sorgen/Zweifel etc. eine Antwort zu finden (gibt es überhaupt eine Antwort..?)

- Macht man demjenigen dann noch mehr Angst, nehme ich jemandem den Mut?
- Trete ich ins Fettnäpfchen wenn ich vielleicht ganz konkret nachfrage nach der Todesangst etc.?
- "Darf" ich als ein Mensch, der die Todesangst nicht selbst erlebt, überhaupt etwas dazu schreiben, ohne dass es Vermessen, altklug etc. klingt, sondern einfach nur nach persönlicher Anteilnahme?

Mir fällt es manchmal sehr schwer überhaupt hier "Antworten" zu schreiben, weil ich nie weiß, wie kommen meine Worte an? Ich sehe jemanden dabei ja nicht ins Gesicht, ich kann keine direkte Reaktion bekommen - dieses Medium macht es an dieser Stelle mit so vielen sensiblen Themen auch schwer.
Schnell fühlt man sich vielleicht angegriffen, bevormundet etc.
Eine Garantie dafür, dass es so ankommt, wie ich es gemeint habe, gibt es nicht (gibt es natürlich auch im realen Leben nicht) aber im realen Leben kann ich auf weitere Sinneseindrücke zurückgreifen, es schneller merken, korrigieren etc.

Es ist doch so schon verdammt schwer im echten Leben da draußen mit Menschen über diese Krankheit zu sprechen, so mein Eindruck. Kann man wirklich immer sagen, was man fühlt. Ja man kann es vielleicht sagen, aber wie oft helfen einem die Reaktionen des Gegenübers? Da muss man sicher schon ganz genau überlegen, bei wem kann ich wirklich mich mal richtig auskotzen, das sagen, was ich denke, auch wenn es nicht positiv, happy, kämpferisch etc. ist. --> Ist es nicht auch ähnlich mit der Trauer? Wie oft liest man hier, dass man da draußen einfach kein Gehör findet für das was man fühlt.
Weil es eben für die Meisten nicht einfach ist, Worte zu finden, zu verstehen, den Schmerz des anderen auszuhalten, die Sorgen um den weiteren Krankheitsverlauf. Niemand hat das so recht gelernt denke ich, den Umgang mit sowas. Die einen können es besser, je nach Charakter etc., die andere können (und wollen) es nicht. Viel daran ändern kann man meiner Meinung nach nicht!

Das vielleicht als weitere Gedanken, warum hier vielleicht auch gerade das ganz heikle Thema "Angst" manchmal umschifft wird, nicht weiter ausgebreitet wird etc.


Jedem einzelnen von euch, der mit dieser Krankheit konfrontiert ist, wünsche ich viel Kraft und vor allen Dingen wenigstens ein paar offene Ohren für all das, was man sagen möchte, was man fühlt!
Adlumia

Geändert von Adlumia (11.12.2017 um 11:56 Uhr)
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  #11  
Alt 11.12.2017, 15:19
Polly17 Polly17 ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Liebe Adlumia

natürlich darfst du hier schreiben.
Vorsicht, nicht erschrecken vielleicht oder sogar vermutlich wird es dich ja auch mal betreffen (also Tod und Sterben)

Deine Gedanken kann ich sehr gut verstehen, mag dir aber Mut machen immer wieder ohne Scheu bei Anderen zu schreiben.

Über den Inhalt der Botschaft entscheidet der Empfänger

Sprich: egal, wie du etwas meinst... wie es beim Gegenüber ankommt, entscheidet Hirn und Gefühl deines Gegenübers.
Du kannst also eigentlich nichts oder alles falsch machen
Aber ich bin der Meinung: solange die Motivation eine positive ist, kann es nicht falsch sein. Und wenn jemandem was nicht gefällt, kann er es schreiben und so mit dir klären

Mir haben deine Worte zB geholfen. Vielleicht nicht so, wie ich es jetzt grade brauchen würde aber ich fühle mich trotzdem gesehen und verstanden.
Danke dafür
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  #12  
Alt 11.12.2017, 15:47
Adlumia Adlumia ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Ja, zweifelsohne betrifft uns alle das Sterben bzw. der Tod. Dennoch ist es, denke ich etwas anderes, wenn man mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert wird und diese Gedanken um einiges präsenter sind, als ohne eine solche Krankheit. Auch wenn jeder weiß, dass man nicht unsterblich ist, so schiebt man diesen Gedanken vielleicht irgendwohin, weil man sich in einer vermeintlichen Sicherheit wähnt, dass es "irgendwann" einmal sein wird, nur eben nicht jetzt.
Vielleicht wird man sich durch ernste Krankheiten erst wirklich der Sterblichkeit bewusst...

Ich hoffe, du findest, wenn nicht hier, dann anderswo Menschen zum Austausch, so wie du ihn brauchst und ihn dir wünschst.
Und danke auch für dein Mutmachen, was das Schreiben anbelangt!

Alles Gute!
Adlumia

Geändert von Adlumia (11.12.2017 um 15:59 Uhr) Grund: etwas vergessen
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  #13  
Alt 15.12.2017, 10:44
nirtak nirtak ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

ich habe keine angst vor dem sterben oder dem tod an sich
ich habe aber angst vor dem davor
ich habe angst vor nadeln, zugängen und kathetern
ich habe angst vor schmerzen und übelkeit
ich habe angst nicht mehr alleine auf toilette oder ins bad zu können
und dann ist da noch die angst vor der hilf- und machtlosigkeit, ich glaube das ist die schlimmste
und der gedanke was ich damit meiner familie antue

die angst ist immer da, machmal schläft sie, manchmal flüstert sie nur ganz leise aber immer wieder schreit sie auch ganz laut

ich weiß dass diese angst normal ist in meiner situation, ich weiß auch dass ich gar nicht so viel angst haben brauche, weil es dann immer weniger schlimm ist als die angst einem gesagt hat und ich weiß auch dass eigentlich alle angst haben müssten, weil über jeden kann jederzeit etwas hereinbrechen, die anderen wissen nur noch nichts vor dieser angst, selig die dummen, selig die ahnungslosen.

ja die angst ist immer irgendwo, aber mittlerweile ist sie nicht mehr mein feind, den es zu besiegen gilt, sondern sie ist mein begleiter der mir auch sagt lebe jetzt, genieße jetzt.
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  #14  
Alt 15.12.2017, 17:43
Clea Clea ist offline
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Standard AW: Wo ist Platz für die Angst?

Hallo,
auch ich bin nur Angehörige. Meine Mutter war die Betroffene.
Aber ich hatte eine Scheißangst. Angst vor der Wahrheit,
Angst, dass nicht mehr alles so wird wie es sein sollte,
Angst, meine Ma leiden zu sehen, sie war doch immer so stark.
Angst vor dem Alleinsein, Angst vor der Trauer meines Papas und meines Bruders,
Angst davor, dass alle ihr Leben weiterleben und ich es nicht verpacke.
Das sind vielleicht andere Ängste als die eines Betroffenen.
Aber ich denke, dass Betroffene sich auch um ihre Hinterbliebenen sorgen
und so vielleicht auch dort noch kämpfen und hoffen, wo sie sich selbst vielleicht nur noch einen würdigen Lebensabend wünschen würden.
Man kämpft für die anderen, obwohl man selbst- und auch die aanderen- schon weiß, dass es hoffnungslos ist.
Ich persönlich hatte sehr körperliche Symptome: hoher Puls, höherer Blutdruck, schlechter Schlaf, Zittern, Übelkeit, Völlegefühl, Kloß im Hals. Da war die nackte Panik.
Und dann für mich die Notwendigkeit, stark zu sein für Ma, damit sie sich nicht auch noch Sorgen um mich macht. Sie sollte für sich kämpfen, nicht für mich.
Aber sie hat es nicht geschafft. Wir hatten 7Wochen und 5Tage.
Irgendwie stelle ich mir mein eigenes Lebensende anders vor, selbstbestimmter.
Meine Ma hat uns alles entscheiden lassen, sie hat alles unterschrieben, was wir ihr vor die Nase gehalten haben.
Als es bergab ging, war es unsere Entscheidung, keine Flüssigkeit mehr zu geben und mit dem Antibiotikum aufzuhören. Wir konnten nur mutmaßen, ob sie das so gewollt hätte. Ich hoffe es bis heute. Aber ich weiß es nicht.
Ich kann dir deine Ängste nicht nehmen, dieses Schalentier ist einfach so grausam und es kann dich binnen kürzester Zeit fressen.
Wenn du selbst für dich entscheiden kannst, was du willst und wann du etwas nicht mehr willst, kann ich dir aus meiner Erfahrung nur sagen, sage es deutlich und sage, dass es für dich so in Ordnung ist. Das könnte wenigstens deinen Angehörigen etwas Druck nehmen.
Es gibt ja solche und solche Diagnosen, bei uns war es eben eine vernichtende, aber das muss bei dir ja nicht auch so sein. Daher bist du diejenige, die entscheiden kann und sollte. Das ist vielleicht die Macht, die dir noch bleibt. Und wenn du dich entscheidest, statt an der Chemo lieber am Krebs zu sterben, dann ist das eine sehr mutige Entscheidung, der zumindest meine Hochachtung sicher ist.
Ich wünsche dir auf deinem Weg viel Kraft und liebe Menschen, die dich begleiten.
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  #15  
Alt 15.12.2017, 23:03
Elisabeth15 Elisabeth15 ist offline
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Beiträge: 36
Daumen hoch AW: Wo ist Platz für die Angst?

Hallo Polly,
ich kann nur allzu gut verstehen, wie es in Dir aussieht. Mit demThema Angst lebe ich -selbst Betroffene mit Lungenkrebs im Endstadium/Erstdiagnose Oktober 2011- jetzt schon seit über 6 Jahren. Am Anfang war es ganz ganz schlimm. Aber ich hatte/habe einen Mann, mit dem ich ganz offen über alles reden kann, das hat mir sehr geholfen. Als es damals hieß "Sie haben nicht mehr lange, erledigen Sie möglichst bald alles noch Wichtige" habe ich das gar nicht richtig wahrgenommen. "Ihre Frau wird bald sterben" sagten die Onkologen zu meinem Mann. Ich glaube, bei ihm war die Angst vor meinem Tod noch stärker ausgeprägt als bei mir. Ich selbst habe mir gar nicht vorstellen können, gehen zu müssen, habe auch nicht geweint. Ich wollte damals nur in meinen Geburtsort, wo meine Geschwister mit ihren Familien leben, um dort zu sterben und beerdigt zu werden. Aber dann kam alles anders. Entgegen der Prognosen der Ärzte habe ich den kleinzelligen Lungenkrebs -mit einem Rezidiv im Jan. 2013 - überlebt. Natürlich war vor jedem Kontrolltermin die Angst wieder da, aber sie wurde weniger, je länger die krebsfreie Zeit anhielt. Heute ist die Angst vor dem Krebs fast gar nicht mehr da. Ich empfinde mich als geheilt, obwohl die Ärzte dieses Wort nicht in den Mund nehmen. Sie sind nur sehr erstaunt über meine unwirkliche positive Entwicklung und verstehen nicht, wie ich es geschafft habe, den Krebs so lange Zeit zu überleben. Ich selbst habe damals meinem Mann versprochen, nicht zu sterben, und was ich verspreche, das halte ich auch! Punkt! Und auch den Ärzten habe ich -bei Bemerkungen über meinen bevorstehenden Tod- Paroli geboten. Ich will nicht!!!!!! Das stand bei mir an erster Stelle, alleine schon meinem Mann zuliebe. Und die Angst haben wir beide dann irgendwie nicht mehr zugelassen, nein, das Leben geht weiter. Wir haben unsere Lebensfreude nie aufgegeben, unseren Humor wiedergefunden und wir haben uns vor ca. 1 Jahr getraut, in meinem Heimatort nochmal neu zu bauen (mit weit über 60 Jahren). Dazu gehört auch Mut, aber ich lasse mir mein Leben nicht einfach so nehmen.
Ich möchte dir durch meine Geschichte zeigen, dass man auch ganz anders mit der Angst vor dem Krebs/vor dem Tod umgehen kann. Nicht die Angst bestimmt mein Leben, sondern ich selbst und kein anderer. Wenn man so denkt, entwickelt der Körper soviel Selbstheilungskräfte, dass man den Krebs besiegen kann. Das glaube ich zumindest. Heute geht es mir auch nicht jeden Tag gleich gut, aber ich komme gut zurecht und freue mich auf jeden Tag, den ich zusammen mit meinem Mann verbringen darf. Am Ende dieses Monats steht das Umzugsunternehmen vor der Tür - Einzug ins neue Haus und in ein neues geschenktes Leben!
Ich wünsche dir, dass ich dir mit meinen Ausführungen vielleicht ein Adventstürchen geöffnet habe, durch das du mit deiner Angst gehen kannst.
Ich hoffe es sehr für dich, kämpfe, denn es lohnt sich!
Ganz liebe Grüße
Elisabeth
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