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#3
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Liebe Traumtänzerin,
komme gerade aus dem KH, wo mein Mann seit Freitag sein muss. Als wir ihn einlieferten, hatte ich plötzlich die Gewissheit, wir befinden uns im freien Fall. (Lungenkrebs) Er hat seine Diagnose seit Mai, die Chemo hat auch nichts gebracht, nun bekommt er die Tablette Tarceva. Nach wenigen trügerischen Momenten (nicht Tagen) werden wir immer wieder eingeholt, es kommt immer etwas anderes dazu. Sein Nebentumor im Bauch erfreut sich seines "Lebens" und ist immer noch stolze 14cm groß, in der Leber erfolgte auch eine muntere Progression (6cm), vom Befall der Nieren sprechen wir gar erst gar nicht. (Seine zeitweilige Beeinträchtigung der linken Hand ... woher kommt die wohl, muss man Knochenmetastasen, vielleicht Gehirnmetastasen befürchten? ) Das Hauptproblem ist auch bei ihm das Wasser in der Lunge, was wohl der Primärtumor dort ausschwitzt. Es war wieder mal so schnell so schlimm, dass er - wie dein Papa - nicht die Treppe zum Schlafzimmer hinaufkam. Akute Luftnot, absolute Kraftlosigkeit, Essen nur noch Fresubin. Nun scheint es ihm besser zu gehen, er hat eine Dauerdrainage bekommen und es soll in der Lunge auch geklebt werden. Aber da muss auch noch einiges abgeklärt werden nach dem Ergebnis der Lungenpunktion. Am Freitag hatte ich wie deine Mama die große Angst, was kommt denn noch, ist es jetzt das Ende? Wie werden wir zu Hause damit fertig werden, wenn er demnächst entlassen wird? Ein Bett unten im Wohnzimmer -- oder doch irgendwie oben, weil da auch unser großes Bad ist, - aber vielleicht geht das gar nicht mehr. Unten könnte er auch in seinen geliebten Garten ... Die Tumorschmerzen machen ihm auch unterschiedlich zu schaffen. Morphin am Ende, - wahrscheinlich. Die Medikamentation deines Papas ist wie die meines Mannes: auch er hatte Wasser in den Beinen, dann schließlich nur noch im rechten Fuß. Er hatte eine Trombose, die er auf Grund des Blutverdünners nicht bemerkt hatte. Die Entwässerungstabletten nimmt er nun nicht mehr. Immer wenn das Wasser aus der Lunge ist , wird auch der Fuß schlanker. Einen Stützstrumpf muss er halt doch tragen. Mich berührten deine Worte sehr, denn ich habe mich in ähnlicher Situation in deiner Mama und meine Tochter ein wenig in dir entdeckt. Es geht ihr ähnlich wie dir, sie kann sich auf ihr gerade begonnenes Studium überhaupt nicht konzentrieren, ist immer wieder hin- und hergefahren, hat nun die Befürchtung den Anschluss zu verpassen. Sie war so verzweifelt: "Ich will mein altes Leben zurück!" Das wird es nie mehr geben. Der Gedanke an ein beurlaubtes Semester kam uns auch schon, aber das ist wohl kompliziert. Wie wirst du es halten? Sie - auch meine "große" Tochter, die als Leistungssportlerin immer unterwegs sein muss - ist zu sehr belastet. Dennoch haben wir besprochen, das war der letzte ganz große Wunsch meines Mannes, dass beide ihren wohlverdienten und lange geplanten Urlaub antreten sollten. Mit schlechtem Gefühl, mit der Angst natürlich, ihr Papa übersteht die nächsten 2 und halb Wochen nicht. Jeden Tag beginnt man mit der Angst, auch wir. Die Frage, warum uns das geschehen musste, dass unser Leben so brutal von jetzt auf sofort einbrechen musste, stellt sich nicht mehr. Es ist wohl unser Weg. Ich wünsche dir und deiner Mutter ganz viel Kraft, die Zuversicht, dass manches, was jetzt als unlösbar scheint, sich entwickeln wird. Auch ihr beide seid ein starkes Team und tragt das Schicksal gemeinsam. Du machst jetzt - wie meine Töchter auch - Erfahrungen, die eigentlich noch zu früh kommen. Aber das macht dich stark, wissend, du erkennst das Eigentliche, die Tiefe der Gefühle, das, was am Ende bleiben wird, sehr genau. Ich wünsche dir, liebe Traumtänzerin, dass du in deinen Studiensorgen aufgefangen wirst, es wird weitergehen nach einer Zeit, - auch dein "altes Leben". Alles Gute Herzlichst Dickie |
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