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  #28  
Alt 07.08.2005, 00:15
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Von der Seele schreiben!!

Lieber Mario,

ich schreibe Dir wieder einmal etwas auf:

Segen der Trauernden

Gesegnet seien alle, die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jeden, der mir einmal zulächelt
Und mir seine Hand reicht, wenn ich mich verlassen fühle.

Gesegnet seien die, die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen.

Gesegnet seien alle, die mir erlauben, von dem Verstorbenen zu sprechen.

Ich möchte meine Erinnerungen nicht totschweigen.
Ich suche Menschen, denen ich mitteilen kann, was mich bewegt.

Gesegnet seien alle, die mir zuhören.
Auch wenn das, was ich zu sagen habe, sehr schwer zu ertragen ist.

Gesegnet seien alle,
die mich nicht ändern wollen,
sondern geduldig so annehmen, wie ich jetzt bin.

Gesegnet seien alle, die mich trösten und mir zusichern,
dass Gott mich nicht verlassen hat.

Von Marie-Luise Wölfing

Ich glaube, lieber Mario, man kann nur von einem Menschen verstanden werden, der das schon einmal durch gemacht hat. Selbst dann kann man sich nicht darauf verlassen, dass so jemand die richtigen Worte findet, keine Angst hat. Denn es ist hauptsächlich Angst und Unsicherheit wenn Menschen sagen, das wird schon wieder, das Leben muß weitergehen und halt all diese Sätze, die man unnötig wie einen Kropf empfindet.

Ich weiß, dass man Tag und Nacht über den Verstorbenen reden möchte. Vielleicht sollte ich Dich schon ein wenig vorbereiten, dass Du in ein paar Wochen, oder in einigen Monaten hören wirst, nun ist aber genug getrauert.

In der Zeit, in der man angeschlagen und verwundet ist, kann es gut sein, sich ein bisschen zurückzuziehen, bei den Menschen sein, die wissen wie einem ist. Das ist das eine. Dann kannst Du immer hier schreiben und ich denke es wird immer eine von uns da sein. Es gibt viele gute Bücher, die einem helfen.

Das einzige was meiner Meinung nach hilft, ist die ZEIT. Die muß man sich nehmen.

Du fragst Dich wie das Leben weitergehen soll ohne Deine Mami. Wen Du fragen kannst, wer Dir hilft. Ich kann Dir versprechen Mario, dass dies mit dem Tod nicht abgeschnitten ist. Ein paar Tage bevor meine Mama starb legte ich meine Wange an die ihre und sagte, ach Mama, ich hab dich so schrecklich gerne. Sie sagte, ich dich auch, und daran wird sich auch nie etwas ändern, das bleibt für immer so, das musst du dir merken.
Und es ist so. Ich fühle mich gleich geliebt wie vorher und meine Liebe zu ihr ist unverändert.

Ich habe sehr lange unter schmerzlicher Sehnsucht nach ihr gelitten. Richtig gelitten. Im Unterbewusstsein habe ich immer gewusst, dass ich durch dieses Tal der Trauer einfach durchgehen muß. Es einfach aushalten muß.

Was hat mir dabei geholfen? Ich habe versucht Mamas guten Eigenschaften Leben zu verleihen. Es ist mir nicht einmal schwer gefallen. Es hat mir auch Freude gemacht, mir Zufriedenheit gegeben, wenn ich für andere Menschen etwas getan habe.

Und irgend wann habe ich kapiert, ich muß die Beziehung zu meiner Mama auf eine andere Ebene bringen, eine emotionale, eine spirituelle. Nach wie vor bekomme ich Sehnsuchtsattacken nach ihrer körperlichen Nähe.

Wenn dann die Trauer nicht mehr so in einem wütet, man ruhiger wird, dann kommt die Zeit, in der man den Verstorbenen gut in sich hat. Dann beginnt auch die Zeit, in der man Antworten auf seine Fragen erhält.

Lieber Mario, jetzt tut es nur weh. Ich umarme Dich.
Deine Tante Briele
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