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Alt 15.12.2005, 09:28
Magast Magast ist offline
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Registriert seit: 09.12.2005
Beiträge: 39
Standard AW: Alltags bewältigung

Hallo,

auch wenn der Thread hier schon einige Wochen alt ist, aktuell ist er trotzdem.

Vielleicht hat der eine oder andere es mitbekommen, meine Ma hat ein kleinzelliges Lungenkarzinom, nicht heilbar.

Die ersten Tage nach dem Befund befand ich mich irgendwie in einem Vakuum, ich wollte es nicht wahr haben.

Da ich die bin, die meine Mutter zu allen möglichen Untersuchungsterminen gefahren hat, also alles hautnah mitbekommen habe, musste und muss ich immer nett lächeln, aufmuntern, gut zusprechen.

Das mir oft die Zeit weg rennt, lasse ich meine Ma nie spüren. Aber den Rest meiner Umwelt, Freunde, Bekannte, auch meine Familie. Ich war sehr aggressiv zu anderen, kam mir jemand der eine Erkältung hat, ihm würde es ja so schlecht gehen, hab ich den sofort angepampt, was ist den eine sch**** Erkältung?

Jemand, der von Krebs gehört, aber nie damit konfrontiert wurde, kann das, was Betroffene und Angehörige durchleben, schlecht oder gar nicht nachvollziehen. Dieses Unverständnis habe ich nicht verstanden, bis ich mal darüber nachgedacht habe.

Mittlerweile hat sich diese Aggression gelegt, ich scheine nur noch zu funktionieren, schaffe es sogar, meiner Mutter Witzchen zu erzählen. Das hat gestern einen Dämpfer bekommen, sie ist jetzt auf der Palliativstation, sie darf sogar im Zimmer rauchen, weil sie nicht laufen kann. Das sagt mir schon was negatives.

Ich versorge den Haushalt, koche, putze, mache mit den Kindern Hausaufgaben, Plätzchen backen ist dieses Jahr ausgefallen. Doch wenn die Kinder Abends im Bett sind, überrollt mich jeden Abend eine riesengrosse Traurigkeit. Meine Mutter weint viel, ich auch, wenn sie es nicht sieht.

Ich zwinge mich, mich nicht ein zu igeln, bin mit meinen Kindern in einem Musikverein, ich versuche auf jeden Fall die Trainingsabende einzuhalten, den Kindern zuliebe und um wenigstens zwei mal die Woche für eineinhalb Stunden der Wirklichkeit zu entfliehen. Wer dort sein Handy während des Trainings mitnimmt, bzw. wenn es klingelt, der muss 50 Cent in die "Strafkasse" zahlen. Ich bin die einzige, deren Handy klingeln darf, also ist es auch da nur eine Scheinauszeit vor der Realität.

Morgen haben wir da Weihnachtsfeier, ich werde da auch hin gehen, aber Lust habe ich keine, und ich habe Schwierigkeiten damit, dass das Leben einfach weiter geht, wo meine Ma nicht mehr all zu lange Zeit hat.

Lg Magast
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