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  #1  
Alt 29.04.2006, 23:37
potschemu? potschemu? ist offline
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Registriert seit: 13.12.2005
Beiträge: 9
Standard AW: Stammtisch

Hallo!
Ich habe grad eine Collage gemacht, mit Fotos und Bilder aus Zeitschriften. Ich habe Herzen zu meinem Paps gemalt und Dinge draufgeklebt, die mich an ihn erinnern. Ich bin schon wieder so traurig. wieso nimmt mir diese Trauer keiner ab? wieso muss ich alles alleine machen? Echt, ich fühle mich so einsam in letzter Zeit. Gerade war ich noch so froh und stolz auf mich, das geschaffen zu haben und nun könnt ich schon wieder heulen. Irgendwie ist keiner da, der sich mit mir freut und keiner da, der meine Trauer teilt. Hätte ich echte Geschwister (keine Halb-) wärs vielleicht leichter... Ich bin so traurig, fühle mich einsam und wie der letzte Mensch auf der Welt... Geht es noch wem so?? was macht ihr, das es euch besser geht? Ich will immer ganz viel mit freunden unternehmen, doch irgendwie fühle ich mich auch schlecht, wenn ich immer frage, ob wir wieder was machen. Anrufen tut mich fast nie wer (bis auf meine Mutter). Vielleicht sollte ich mal sagen, dass ich gerne angerufen werden würde. Die Leute wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen. Auch meine Freunde merken anscheinend nicht von selbst, das sie für mich da sein könnten(sollten). Geht es noch jemandem so?
Hat noch wer das Gefühl anderen mit seiner Trauer auf die Nerven zu gehen? Früher war ich immer sehr ausgelassen und lustig. Nur ich kann jetzt nicht so sein. Wieso ist das so schwer für die anderen? Was soll ich denn tun?
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  #2  
Alt 02.05.2006, 09:46
Benutzerbild von AndreaS
AndreaS AndreaS ist offline
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Standard AW: Stammtisch

Guten Morgen Ihr Lieben,

Vielleicht einmal ein paar positive Sätze für den Stammtisch?

Das Trauertier verhält sich gnädig. Endlich seit langer Zeit war ein langes Wochenende erträglich, auch wenn das Wetter nicht wirklich schön war, aber die Auszeit ohne DUMMKUH war es.

Ich weiß, dass man unten in dem Loch denkt, das wird nie wieder, das schaff ich nicht. Ich denke es jedesmal. Und manchmal schick ich sogar noch den Satz hinterher: Ich will es auch gar nicht.

Nun ist mir an dem langen Wochenende erstmals seit 18 Monaten passiert, dass wirklich die ganze Familie gut drauf war. Wir haben gelacht, wir haben uns verstanden, wir waren alle glücklich, jeder auf seine Art. Und es hat sich gut angefühlt. Die Gespräche mit meinen Kindern, ohne den traurigen, verzweifelten Ton, Lebensfreude, endlich! Es hat der Erinnerung den Wert gegeben, die sie verdient. Glück und Lebenslust, das WAR unser Leben und es wäre wunderbar, wenn es zurückkäme, dieses Gefühl, zunächst vielleicht nach wie vor nur hin und wieder, aber wenn es gelingen würde, habe ich am Wochenende gespürt, dass ich unser Leben, unsere Familie "retten" könnte. Dass das "Schiff vielleicht doch nicht untergeht".

Und so wie ich euch schreiben darf, wenn es mir schlecht geht, so wie ihr wisst, dass das Trauerloch mit dem Tier auch mich ständig gefangenhält, dass es lauert und mich anfällt, so möchte ich heute schreiben dürfen: Mir geht es gut. Ich habe Mut und Kraft. Wie lange weiß ich nicht, aber im Augenblick treibt es mich nach vorne. Und wisst ihr, was eigentlich das Schönste ist? Etwas, das ich längst vergessen hatte, dass fremde Menschen einem auf einmal ein Lächeln schenken, das man so sehr gebraucht hat, als es einem schlecht ging, ja, es ist wohl leichter, eine Seele, der es gut geht zusätzlich aufzumuntern, als eine traurige, leichter bestimmt, aber dieses Lächeln fremder Menschen auf meinem Spazierweg, auch das nehme ich mit, auch das treibt mich voran.

Stammtischgespräche, nicht immer nur und ausschließlich traurig. Ich hoffe, dass alle, die im Augenblick kein Licht sehen, auch bei diesen Worten ein wenig innehalten können, ein wenig daran glauben, dass es Hoffnung gibt, sich zumindest streckenweise wieder besser zu fühlen.

Ich schicke euch ganz viel Sonne heute. Leider scheint sie erst heute, wo ich wieder im Büro sitze. Aber vielleicht wusste sie ja, dass ich sie bei DUMMKUH nötiger habe

LG
Andrea
__________________
Που να 'σαι τώρα που κρυώνω και φοβάμαι
και δεν επέστρεψες
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  #3  
Alt 02.05.2006, 10:04
Wolke Wolke ist offline
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Standard AW: Stammtisch

Hallo Andrea,

schön, dass es sie so gut geht/ging.

Ich hab mich schon gewundert, warum es hier über das lange Wochenende relativ still war. Aber es war zumindest bei dir eine positive Stille wie mir scheint

Ich hoffe du kannst von diesem guten Gefühl etwas mitnehmen in die Woche.

Liebe Grüße Wolke

Hier ist übrigens die Sonne angekommen.
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  #4  
Alt 02.05.2006, 10:50
Benutzerbild von Petra_S
Petra_S Petra_S ist offline
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Beiträge: 299
Standard AW: Stammtisch

Hallo alle zusammen!
@ Andrea, es freut mich ganz sehr für dich, dass es euch so gut geht! Ich hoffe es schwänzelt heute Keine um dich rum, die das wieder zu nichte macht! Aber kann sie das überhaupt? Ich habe das Gefühl, im Moment würdest du dich schütteln und ihr "DUMMKUHMÜLL" würde von dir abperlen...?Gut so, ich wünsche es dir!

Ich lese in verschiedenen Beiträgen Worte, die ich nicht so fühlen kann "glücklich", "Hurra wir leben noch" und "Lebensfreude". Ich würde nach "Zufriedenheit" suchen, aber es ist noch zu viel Leere da. Womit fülle ich diese? Ich werde auf die Suche nach mir gehen müssen, um dem Ganzen irgendwie noch einen Sinn zu geben. Meine Gedanken sind nicht so positiv befürchte ich und ich möchte den Stammtisch auch nicht runterziehen.

Im Zusamensein mit meinen Kindern, Freunden ist es eigendlich immer schön. So auch am Wochenende mit meiner Großen, ein tolles Feuerwerk erlebt, zu Ehren des Schutzheiligen der Stadt! Gerade, dass es nichts mit dem Jahreswechselfeuerwerk und den sentimentalen Gefühlen zu tun hatte, ließ es mich richtig schön erleben. Wenn die Familie zusammen ist schwimmt das Schiff recht gut, eine Umverteilung der Aufgaben innerhalb der Mannschaft macht es möglich, dass es keine größeren Probleme gibt. Aber geht die Manschaft in "Einzelausgang", dann wird die Sache schon ein bisschen schwerer. Das "Gesellschaftswesen" funktioniert einigermaßen gut, doch das halbe "wir" irrt allein durch die Welt und sucht nach der verlorenen Hälfte und die Zeit bis zum Wiedersehen scheint noch so lang...

LG Petra
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  #5  
Alt 02.05.2006, 12:15
Andrina Andrina ist offline
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Beiträge: 134
Standard AW: Stammtisch

hallo ihr lieben

anemone: da bin ich froh zu hören, dass ich nicht alleine bin mit diesen gedanken! tut mir leid, dass auch du das thema krebs nicht hinter dir lassen konntest! krebs ist wirklich überall oder meinen wir das einfach, weil wir darauf sensibilisiert sind?

petra40: das kann ich gut verstehen, dass du bei ihm sein wolltest! auch wir haben gehofft, dass wir bei ihm sein können! zum glück wurde alles gefügt und von den gefühlen her, und da kann ich dir beipflichten, war es ein sehr reiner, schöner moment. warum? das frage ich mich au oft, immer öfter eigentlich je länger es her ist. dabei habe ich gemeint, ich hätte mich schon während der krankheit meines papis damit auseinandergesetzt.

petra s.: du ziehst bestimmt niemanden runter! es ist schwer, an machen tagen mehr, an anderen weniger! jeder ist anders, hat seinen eigenen rythmus und seine art damit umzugehen und nur weil "andere" solche gedanken haben, braucht es bei dir nicht auch so zu sein! es freut mich aber zu hören, dass es dir gelingt das zusammensein mit deinen lieben als schön zu empfinden!

potschemu?: ich fühle mich auch manchmal einsam! trotz freund und guten freunden! es ist wirklich so wie du schreibst, auch wenn es traurig klingt! in der trauer ist jeder allein und jeder muss selber einen weg finden damit umzugehen! wenn du kannst, dann sprich mit deinen freunden darüber und sag ihnen wie es dir geht, was du erwartest, wie sie dir helfen können! wenn ich mich traurig und einsam fühle, erleichert mich das weinen und auch das lesen und schreiben im krebs-kompass hilft mir sehr!

andrea s.: schön zu hören, dass es dir so gut geht und dass ihr das auch zusammen geniessen konntet! ich verstehe was du meinst, wenn du schreibst, dass das der erinnerung den wert gegeben hat, den sie verdient!

am wochenend ging es mir auch gut, so gut wie schon lange nicht mehr! besonders der samstagabgend (geburtstag von meiner oma) war sehr schön! das "gutgehen" kommt mir aber immer trügerisch vor, so als ob ich wüsste, dass es schnell wieder anders kommen kann! gestern war es dann soweit! eine situation, in der es ruhe und nerven gebraucht hätte... nur habe ich die im moment einfach nicht oder nur sehr begrenzt! zuerst ein ziemlicher ausraster (opfer war mein freund) und dann nur noch traurigkeit und leere und das gefühl, dass alles sinnlos ist! wie muss sich da erst meine arme mami fühlen?

wenn alles "rund" läuft, geht es soweit ganz gut und dann gibt es sogar die momente, die schön sind und hoffnung machen auf die zukunft, aber wenn es nicht so "rund" läuft und ich zusätzliche kraft, nerven, ruhe oder derartiges brauche, bin ich extrem schnell am limit! ich bin einfach nicht mehr belastbar, es wird mir schnell alles zu viel! und heute geht meine weiterbildung nach zwei wochen auszeit wieder los! ich sage euch, wenn ich das hinter mir habe und alles bestanden habe, mach ich eine flasche auf!

liebe grüsse,
andrina
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  #6  
Alt 02.05.2006, 13:44
Anemone Anemone ist offline
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Beiträge: 527
Standard AW: Stammtisch

Hallo alle zusammen,
hab mich gestern abend auch schon gewundert, dass "Funkstille" in unserem Stammtisch war, aber ich bin nach einer ziemlich langen und anstrengenden Maiwanderung zu müde gewesen, um mich noch zu melden.
Andrea, was Du geschrieben hast, klingt so schön und hoffnungsvoll.
Mir ging es an dem langen Wochenende auch ganz gut. Das tiefe Loch war weit entfernt, das Trauertier saß ganz unten am Grund des Lochs...
Sonntag waren meine sämtlichen Kinder und Enkel bei mir, da war natürlich Leben in der Bude, das hat mir sehr, sehr gut getan.
Gestern dann, wie gesagt, eine große Mai-Wanderung mit Freunden. War auch wunderschön, wenn auch das Trauertier in einigem Abstand hinterhertrabte (... die schöne Aussicht hier, die herrlich blühenden Bäume..., das würde meinem Schatz jetzt auch gefallen).
Schlimm war mal wieder das Heimkommen ins stille, leere Haus. Das wird mit jedem Mal schlimmer, ich kann dann nur noch weinen.
Wie geht Ihr damit um?
Heute gehts mir wieder besser, das schöne Wetter lockt mich in den Garten. Ich werde meine sämtlilchen Blumenkübel und -kästen mit neuen Blumen bepflanzen.
Seid alle ganz lieb von mir gegrüßt, ich drück Euch und wünsch Euch einen Tag mit viel Sonne (drinnen und draußen!)
Anemone
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  #7  
Alt 02.05.2006, 22:17
Blue Blue ist offline
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Beiträge: 193
Standard AW: Stammtisch

Hallo Zusammen,

ich hatte 2 „freie Tage“ – frei deshalb, weil ich Samstag und Sonntag nichts vorhatte, keiner hatte die Absicht, mich aus meinem Nest zu holen, den einen Versuche habe ich erfolgreich abgeschmettert und ich habe mich darauf gefreut. Endlich mit einem Buch anfangen, das schon viel zu lange ungelesen hier liegt. Endlich Raum und Zeit, nachdem meine Fingerarbeit mich nicht wirklich weitergebracht hat. Es ist ein Buch für Trauerbewältigung und ich brauche Raum und Zeit dafür.

Tränenreiche Zeit, bin vermutlich am Montag mit verheulten Augen aufgekreuzt, aber irgendwie kommt es mir vor, als ob da etwas neu sortiert wurde. Doch, auch Dankbarkeit für die Zeit die wir hatten, auch für das letzte Jahr. Und für die gemeinsame letzte Erdenzeit und den vielen kleinen Gesten. Und die Gewissheit, die ich schon längst vergessen hatte, auch die Gewissheit ist wieder da. Auch wenn ich jetzt beim Schreiben weine.

Diese Woche habe ich Urlaub und mache mich morgen auf den Weg zu meiner Freundin. Ein anderes Buch nehme ich mit und werde dann dort unter dem Baum in der Frühjahrssonne meine Wünsche formulieren.

Danke Andrea, Danke fürs Zuhören, hat richtig gut getan. Ich habe es noch nie erzählt, keine Ahnung warum.

Bruni
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