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  #10136  
Alt 14.06.2012, 04:35
Moonlight2011 Moonlight2011 ist offline
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Standard AW: Adenokarzinom inoperabel

Liebe Christel,

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Zitat von mouse Beitrag anzeigen
Aber auch hier gibt es wieder viele Faktoren, die mitspielen. Es ist zum Beispiel wichtig, ob und wie vorgeschädigt ein Mensch schon ist. Hat er bereits Herzprobleme? Sind Leber und Niere gesund. Wie fit ist der Betroffene?
Absolut richtig, aber genau diese Patienten (nehmen wir Herrn Müller-Meier-Schmidt, 80 Jahre alt, Angina pectoris, linke Niere auch nicht mehr so takko) tauchen ebenfalls in den Statistiken auf!

Das senkt natürlich die mediane Überlebenszeit, wenn auch ältere Menschen mit unterschiedlich "letal wirkenden" Vorerkrankungen miteinbezogen werden.
Selbst über 90jährige, die ein Bronchial-CA haben und dann versterben, werden mit berücksichtigt. Tja nun, vielleicht wäre der Patient mit 92 aber auch "einfach" aufgrund des Alters gestorben.


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Zitat von mouse Beitrag anzeigen
Wäre ich Arzt und würde von jemandem mit Stadium 4 gefragt werden: "Wie lange habe ich noch zu leben?"
Würde ich antworten, sehr wohl in dem Bewusstsein, dass die Wahrscheinlichkeit für ein langes Überleben wohl nicht gegeben sein wird: " Das weiß ich nicht, das kann ihnen niemand sagen. Sie haben sicherlich gegoogelt und wissen, es kann schnell gehen und es kann gut sein, dass Sie noch viel gute Zeit vor sich haben. Das hängt auch davon ab, wie Sie auf welche Medikamente reagieren. Seien wir also erstmal zuversichtlich."
Ja, absolut! Es ist ja auch so, dass es niemand voraussagen kann. Sicher sind Tendenzen da, aber wie sagte einer meiner ausbildenden OÄs aus der Pulmologie zu mir, als ich ihm von der Erkrankung meines Vaters erzählte: "Ich habe hier schon Patienten in Stadium I gehabt, die die besten Chancen auf Heilung hatten und dann war es ganz schnell vorbei. Und ich habe hier Patienten in Stadium III-IV gesehen, wo keiner mehr an Heilung gedacht hätte, und die sind hier munter und gesund wieder rausmarschiert und nie wiedergekommen! Rechne ab jetzt mit allem!"

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Zitat von mouse Beitrag anzeigen
Empathie erwarte ich übrigens sowohl von Ärzten als auch vom Pflegepersonal und sei sie nur professionell.
Das erwarte ich nicht mehr, seitdem ich selbst zum allerersten Mal in der Klinik beruflich unterwegs war.
"Private" Empathie gibt es nur selten und das muss auch so sein, sonst geht man als Arzt/Pflegepersonal seelisch kaputt. Das geht einfach nicht.
Ich selbst könnte z.B. nie in der Pädiatrie oder Neonatologie arbeiten, ich würde vor Emotionen keinen klaren Gedanken mehr fassen können und so das Leben der kleinen Patienten riskieren, weil ich nicht mehr fähig wäre, professionell zu denken.

Gut, und da ich "vorgespielte" oder wie von Dir genannte professionelle Empathie kenne, verzichte ich da gleich lieber ganz drauf. Ich weiß halt, wie man als Mediziner dann so tickt, und dann lieber nüchtern .
Das mag für ernstlich erkrankte Patienten ganz anders sein.

Trotzdem ist das Einfühlen in den Patienten, v.a. in onkologische, immens wichtig und ich habe hier im Forum darüber schon mehr gelernt als in der täglichen Arbeit auf Station (Uniklinik, Durchschleusen der Patienten, strenge Vorgaben hinsichtlich OP-Durchführungen, Liegezeiten, etc. Kliniken sind letztlich auch nur Wirtschaftsunternehmen mit dem Streben nach Profit).

Niedergelassene Ärzte sind da oft ganz anders, die kennen ihre Patienten sehr gut und fühlen mit, da ist aber auch die "Fallzahl" eine ganz andere als in der Uniklinik, in der ich meine praktischen Fertigkeiten erlerne, wo eine Taktung herrscht, dass Dir ganz anders wird.

So, nun ist es 3.34 Uhr und ich lerne mal weiter die Theorie .