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#7
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Hallöchen @ all,
ich komme gerade von meiner Mum. Ich wollte mit ihr spazieren gehen, das führte schon wieder zu einer Streitigkeit. Meine Mum möchte nicht spazieren gehen, sie möchte nicht einkaufen gehen, oder kaffee trinken, nicht mit mir die Oma besuchen oder ihre Enkel sehen. Sie möchte nicht ins Kino und nicht shoppen. Sie ist nur noch zu Hause und schmeißt den Haushalt. Ansonsten macht sie nichts mehr. Mittlerweile hat sie auch Schmerzen im Rücken, Gesäß und der Seite, was auch davon kommen könnte, dass sie fast den ganzen Tag sitzt. Ihre Muskeln bilden sich garantiert zurück. Ich denke, ihr fehlt die frische Luft. Ihre Antwort auf so gut wie alles: Sie hätte nächste Woche Mittwoch einen Termin beim Hausarzt. Davor macht sie nichts. Sie redet weder mit meiner Sister und mir, noch mit meinem Dad. Sie sagt sowas wie, sie hätte nur eine Momentane Schwäche. Hat sie den Ernst der Lage überhaupt erkannt? Und sie mache sich über sowas wie Krebs keine Gedanken. Und sie rede nicht mit uns darüber. Und wir sollen sie nicht nerven. Zwischendurch regt sie sich auf und schreit uns an. Telefoniert sie mit meiner Schwester, kann es sein, dass sie einfach auflegt. Und als ich heute bei ihr war, setzte sie sich nach unserem Streitgespräch an den Tisch, hielt sich die Ohren zu, schaute in eine andere Richtung, und ging nicht mehr auf mein Gesagtes ein. Das hat sie komplette ein/ein/halb Stunden durchgezogen, dann bin ich gefahren. Das einzige Mal, dass sie weitgehend über die Krankheit sprach war, dass sie nicht möchte, dass meine Schwester ihre Kinder mitbringt, weil sie nicht will, dass sie meine Mum irgendwann hassen. Aber sie sieht nicht außergewöhnlich krank aus oder läge im Bett. Sie hält sich weitgehend normal in der Wohnung auf. Gegen ihre Schmerzen möchte sie keinen Arztbesuch und keinen Tabletten, sie legt sich dann lieber schon um 19 Uhr ins Bett. Essen tut sie normal bis wenig. Als hätte sie den Appetit verloren. Sie war bestimmt 17 Jahre nicht mehr beim Arzt und hält von diesen leider auch nicht viel. Sie sagt, sie hätte eure E-Mails gelesen, die mir persönlich viel Hoffnung machen. Dann gibt´sie an, sie hätte nicht alles daraus verstanden, und möchte aber auch nicht, natürlich nicht, darüber reden. Sie möchte, dass wir auch nicht darüber reden. Das kriege ich nicht hin. Hilflos mitansehen, wie meine Mum stirbt und still daneben sitzen. Das geht irgendwie nicht. Vor allen Dingen habe ich so viel Hoffnung wegen euch, wie ihr alle so mutig gegen die Krankheit kämpft und viele schöne Augenblicke dadurch gewinnt. Meine Schwester fragt mich jeden Tag, was wir noch versuchen wollen. Ich nehme mir vor, ihr einen Brief zu schreiben. Ob das was ändert? Ich befürchte, nicht. Danke, für eure E-Mails. Mir haben sie schonmal geholfen. Ich kann auch aus meinem Bekannten- und Verwandtenkreis mit niemanden darüber reden, außer einer lieben Freundin, weil meine Mum das nicht möchte. Das kann ich auch weitgehend verstehen und respektiere das. Hoffnungsvolle Grüße Dolo |
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