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#106
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Hallo Geske,
diese Frage kann Dir wohl nur dann jemand beantworten, wenn er Deine Fremdworte enträtselt hat ![]() Den Einfluss von "loslassen" bzw. "festhalten" auf das Sterben messbar machen... Ich weiss nicht, ob ich dafür die Wissenschaft brauchen, oder meinen gesunden Menschenverstand Wenn ich sehe, dass manche Menschen erst sterben, wenn bestimmte Personen anwesend oder eben genau in dem Moment, wo diese nicht mehr anwesend sind... Mir persönlich reicht das als eines von sicher vielen anderen Indizien, dass Sterben durch "wasauchimmeresdazwischenHimmelundErdegibt" gesteuert bzw. beschleunigt oder verzögert werden kann.Allerdings habe ich als Buddhistin zum Sterbeprozess auch eine andere, nicht wissenschaftlich geprägte Einstellung, und versuche für mich persönlich immer ein wenig über den "wissenschaftlich messbaren Tellerrand" zu schauen.
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Liebe Grüße Cee © HUNGER, PIPI, KALT - so sind Mädchen halt! |
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#107
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Hallo,
ich denke, daß es bei Sterbebegleitung sehr oft darum geht, dem Sterbenden die Angst zu nehmen. Ihm Sicherheit vermitteln. Ihm die Gewißheit geben, daß er beim Sterben nicht alleine gelassen wird. Ich habe es zweimal ganz krass erlebt: Einmal bei meiner über 80-jährigen Tante, die noch bei vollem Bewußtsein war, als ich kam. Diese Angst in ihren Augen. Fast schon Panik. Sie hat jedes Wort verstanden, was ich zu ihr sagte und als ich meinte. "Ich bleib`hier. Ich geh`nicht weg. Das hier stehen wir gemeinsam durch", da wich diese schreckliche Angst aus ihrem Blick und sie sah mich an, voller Vertrauen, wie ein Kind. Sie konnte dann ganz leicht gehen, nach 10 Minuten, in meinen Armen. Das zweite Mal bei einer Freundin, die mit 54 Jahren an Magenkrebs gestorben ist. Als ich, zusammen mit meiner Schwester, in ihr Haus kam, schrie sie furchtbar laut vor Schmerzen. Eine Nachbarin saß hilflos am Bett. Als meine Freundin aber meine Schwester und mich kommen sah, atmetet sie plötzlich tief auf und hörte sofort zu schreien auf. Wir hielten sie fest, streichelten sie, redeten mit ihr und sie entspannte sich zunehmend. Eine Dreiviertelstunde später starb sie ganz friedlich in unserem Beisein. Auch mein Exmann, der, schwer krebskrank, in tiefstem künstlichen Koma lag, konnte nicht leicht loslassen. Es brauchte viele Streicheleinheiten von unseren Töchtern und viel Ermutigung, bis er sich vorsichtig auf den Weg machte. Ich denke: Sterben ist schwer. Dieses Leben loszulassen, ist etwas verdammt hartes. Ist umso schwieriger, je jünger und lebenshungriger man ist. Da beizustehen, da an der Seite zu sein, das ist sicher nicht leicht. Aber andererseits auch eine wahnsinnig große Erfahrung. Ein Geschenk, finde ich. Der größte Vertrauensbeweis. Liebe Grüße Kyria |
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#108
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... und humanes Sterben ist ganz sicher nicht an 1000 Schläuche gehängt zu werden und künstlich das Leben verlängert zu bekommen...
Denke, meine Mutter konnte wohl erst wirklich loslassen, nachdem wir alle um sie versammelt waren. Also ist sie wirklich erst gegangen, als wir alle um sie versammelt waren - nicht, als ihr Atem und Herzschlag aussetzte. Man mag darüber lachen... Insofern haben wir Sterbebegleitung gemacht, wenn diese auch erst nach ihrem medizinischen Tod erfolgte...
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22.12.2008 Mama In Liebe und Dankbarkeit... ![]() ________________________ Lass vergehen, was vergeht Es vergeht, um wiederzukehren Es altert, um sich zu verjüngen Es trennt sich, um sich inniger zu vereinen Es stirbt, um lebendiger zu werden |
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#109
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Hallo,
Zitat:
Meine Frau hat das zum Glück nicht getan, da wäre ich auch nachhaltig böse auf sie gewesen. Und ich glaube, sie wollte und konnte loslassen. Als sie 3 Tage vor ihrem Tod mit Alpträumen aufgewacht ist von Pflegern und Ärzten, die sie abholen kommen und in die Klinik bringen. Und als sie sich da an meiner Hand festgekrallt hat und ich ihr ein dutzend mal versprechen musste, dass ich das nicht zulassen und dass ich sie in ihren letzten Tagen nicht allein lassen werde. Da habe ich wohl schon gespürt, dass sie etwas zum Abschluss bringen möchte und nochmal die Rückversicherung braucht, dass es in ihrem Sinne geschieht - obwohl sich sowas im nachhinein natürlich immer leicht behaupten läßt. Mit die letzten Worte, die meine Frau mit viel Mühe noch artikulieren konnte, Stunden bevor sie starb, waren: "Onkel Heinz". Ich war ziemlich verwirrt, weil ich von einem Onkel Heinz noch nie etwas gehört hatte. Später habe ich meine Schwägerin gefragt, und dir hat es mir erklärt: erst vor kurzem hatte sie mit meiner Frau über deren Onkel Heinz gesprochen. Der war nämlich derjenige, der beim Vater meiner Frau und Schwägerin in der Nacht bei ihm war, als er gestorben ist. Dann machten diese letzten Worte meiner Frau plötzlich Sinn. Viele Grüße, Stefan |
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#110
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Hallo Stefans,
lese schon einige Zeit deine Einträge und finde diese sehr gut und ehrlich beschrieben. Meine Mutter hat sich ihren Todestag ausgesucht. Auch wenn es noch so komisch klingen mag. Ich wollte es selber nicht wahr haben als ich auf den Kalender blickte. Als damals unser Hund erschossen wurde, sagte sie 4Tage später. "Du wirst sehen nächste Jahr werde ich auch sterben." Ich redete natürlich gegen an. 2Jahre später ist sie dann gestorben am 04.02.2008. Meine Mutter wollte nicht alleine sterben und hat auf ihre Art alle zu sich gerufen. Und die die nicht da waren, dachten ständig an sie. Gruß Alex |
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#111
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Guten Abend,
etwas entsetzt lese ich seit einiger Zeit von der Vermessung des Sterbens. Eine Frage stellt sich dabei mir persönlich: Was bringt mir das als dem Hinterbliebenen?? Nix. Absolut nix. Der Tod ist ein absolut intimes und individuelles Geschehen. Die Seele verlässt ihren gequälten Körper um in ein anderes Leben zu gehen. Die Seele weiss, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, der Körper nicht. Wobei ich mir sicher bin, die Seele kann den Körper noch etwas steuern, wenn sie stark genug ist. Für mich persönlich war es schnurzegal, in welcher "Phase", oder auch nicht, sich meine Frau zu irgendeinem Zeitpunkt befand. Wichtig war einzig und allein, dass ihr gequälter Köper zur Ruhe kam und ihre Seele in Frieden gehen konnte. Der Tod ist nichts, was man nüchtern und kalt "messen" kann. Die Seele sowieso nicht. Da beginnt nämlich der Glaube und der hat wiederum mit "messen" nichts am Hut. Die Idee dazu ist meiner Ansicht nach geboren aus der Angst vor dem Tod und dem manchmal unsäglichen Drang alles und jedes verstehen zu müssen. Das wird nicht gelingen. Dazu ist unser Gehirn zu mickrig. Was uns Angst machen sollte, ist das Sterben, nicht der Tod. Der Tod ist nämlich der grössere Teil des Lebens. Zitat:
ich kann dir diesen Worten nur zustimmen. Du hast es sehr genau ausgedrückt. "Loslassen", das sagen viele aber die wenigsten können damit wirklich umgehen, haben nicht wirklich verinnerlicht, was das bedeutet. Es ist ein absolut radikaler Schnitt. Es fällt um so leichter, je inniger das Verhältnis untereinander war. Genau an diesem Punkt zeigt sich die wahre Liebe zum Partner. Es geht dabei einzig und allein um dessen Wohl, das eigene wird hintenan gestellt mit dem Wissen, dass es dem/der Verstorbenen hinterher besser geht, nicht aber dir selbst. Denn dann beginnt dein Leidensweg. Schön, dass das in deinem Herzen angekommen ist. Liebe Grüsse Helmut
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Zeit zum Weinen, Zeit zum Lachen.
http://www.krebs-kompass.org/howthread.php?t=31376 http://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=48070 Die von mir im Krebs-Kompass verfassten Texte dürfen auf anderen Homepages und in anderen Foren ohne meine ausdrückliche Zustimmung weder verwendet noch veröffentlicht werden. Auch nicht auszugsweise. |
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#112
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Zitat:
Mir bereitet diese allgemeine Auffassung Unbehagen, die wie eine Entlassung des Sterbenden durch den Angehörigen wirkt. Ist das eine Erlaubnis zum Sterben? Sicher ist es nicht so gemeint, eher ein Symbol für Abschied, dennoch hier stellt der Angehörige seine Aussage vor das Sterben. Gruß Geske |
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#113
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hallo zusammen..
ich kann diesen satz auch nicht aufnehmen....dass sich der sterbende seinen 'moment' zum sterben aussuchen kann....indem man ihm sagt, du kannst jezt loslassen.... ist das moeglicherweise wunschdenken..? aktives sterben hat mir mein vater gezeigt...als er wusste, dass er ein totaler pflegefall sein wuerde und dass er meine mutter ueberfordern wuerde, mit seinem moeglicherweise langsamen sterben.... von heute auf morgen hat er die nahrungsaufnahme verweigert, die zaehne zusammengepresst....er wollte nichts mehr essen und auch nichts mehr trinken....er wollte seiner frau ersparen, ihn austherapiert zu hause zu pflegen.. weil er wusste, dass seine frau, meine mutter, das nicht aushalten wuerde... seine letzten tage verbrachte er in einer palliativ station...in der er nach einem tag verstarb... als ich dort seine sachen abholte, war gerade mittagessen fuer die 'patienten', die noch selber zu tisch gehen konnten...ich hatte noch nie so etwas menschenunwuerdiges gesehen... meine frau ist an dem gleichen hirntumor gestorben, vier jahre spaeter....waehrend ich auf der toilette sass und ein lieber freund auf sie aufpasste... viele wuerden jetzt sagen, dass sie sich davon geschlichen hat, als ich gerade mal fuer ein paar minuten nicht bei ihr war...aber das kann ich nicht glauben..es war ihr krankheitsbestimmter ablauf, was in diesem augenblick geschah..sie konnte sich das nicht aussuchen....wenn sie die wahl gehabt haette...haette sie sich anders entschieden...sie haette nicht losgelassen...und ich auch nicht...!! wir reden hier ueber den tod und das sterben und das ist gut so...wo wenn nicht hier... ich moechte gerne eine frege in den raum stellen, an alle, die ihre partner bis zum tode gepflegt haben, wie ich...wir wissen alle, dass uns als angehoerige morgen das gleiche passieren kann...wie wuerdet 'ihr' euch mit einer diagnose verhalten, die euch sagt, dass ihr gerade mal noch ein paar monate zu leben habt..? ganz krass gesagt...wuerdet ihr euch pflegen lassen bis zum ende, mit dem wissen, das ihr heute habt.. wie das vor sich geht....oder wuerdet ihr euch vorher umbringen, um euren partnern und euch selbst den leidensweg zu ersparen..? ich hoffe fuer mich, dass ich mal die kraft dazu habe, wenn es mal soweit ist...aber das zaehlt nur fuer mich.... ist aber auch vielleicht ein thema fuer alle, wie denkt ihr darueber, wie empfindet ihr das?? |
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#114
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Guten Morgen.
Auch über mein Sterben habe ich mir Gedanken gemacht. Sollte ich so,wie meine Eltern,an Krebs sterben,wir haben beide begleitet,möchte ich nicht,dass meine Kinder bei mir sind. Ich habe ihnen gesagt,dass ich das ab einem bestimmten Punkt alleine ausmachen möchte. Gestern haben wir die Urne meiner Mutter beigesetzt und ich bekomme dieses schlimme,traurige Bild von ihr nicht aus dem Kopf,wie sie in den letzten Stunden aussah,wie ihr liebes Gesicht sich veraenderte und wie sie verfiel... Das möchte ich meinen Kindern nicht antun,doch die wiederum sehen das ganz anders. Tja ,das ist sehr schwierig,denn aussuchen,wie man stirbt,kann man sich meistens nicht. Liebe Grüsse von Brigitte. |
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#115
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Zitat:
Als präfinales Rasseln (auch "Death rattle", "Todesrasseln") wird die geräuschvolle Atmung vor Todeseintritt bezeichnet. Sie entsteht durch das Vibrieren von Bronchialsekret in den unteren Atemwegen und ist daher nicht durch Absaugen zu beheben. Obwohl diese Atmung mehrere Stunden bestehen kann und von Angehörigen oft als "schweres Atmen" empfunden wird, scheint der Sterbende keine Atemnot zu leiden, wenn er ansonsten ruhig und entspannt wirkt. Manchmal ist heftiges Brodeln ein Symptom für eine zu hohe Flüssigkeitszufuhr. Mein Papa hatte das auch, ich habe das "nur" am Telefon gehört, fands ganz scheusslich, die Erklärung hier hat mir aber geholfen! Beste Grüße Sanni
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The best and most beautiful things in the world cannot be seen or even touched. They must be felt with the heart. Papa ich liebe Dich! ![]() |
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#116
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Ich bin fest davon überzeugt das Menschen die an einer schweren todbringenden Krankheit leiden zu einem Teil mit bestimmen können wann sie gehen.
Vielleicht ist es einfach ein aufhören zu kämpfen,ein los lassen. Aber sie können es beeinflussen. Meine Mama hat mich damals im Januar gefragt ob ich bei eintreten ihres Todes meinen Bruder zu mir nehme. Dies haben wir schrieftlich als Testament,als letzten WIllen verfasst. Sicher wußte sie zu diesem Zeitpunkt schon mehr als ich,vieles hat sie uns verschwiegen-waren wir ja auch erst 17 und 11. Das Problem wäre gewesen - wäre sie vor meinem 18.Geburtstag gegangen,hätte es probleme mit dem Jugendamt gegeben meinen Bruder wirklich zugesprochen zubekommen.Und er ebenso wie ich wären im Heim gelandet. Am28.03., der Tag vor meinem 18. Geburtstag waren wir(Oma und ich) früh im KH,da sagte meine Mama sie will Thomas(meinen Bruder) nochmal sehen bevor ie ihre OP hat(am nächsten Tag), also fuhr ich am nachmittag mit ihm nochmal hin. Leider habe ich damals nicht erkannt das dies ihr Abschied war,ich war dieser ganzen Krankheit die sie 5 Jahre lang hatte und wie ein Löwe kämpfte nicht bewußt. Am nächsten Tag war die OP,aus dieser sie nicht wieder aufwachte. Und am Abend des 29.03. um 20.50 Uhr ist sie gegangen. Heimlich,still und leise. Sie wußte an diesem TAG;meinem 18.Geburtstag,den ich jedes Jahr als Geburtstag und Todestag habe das ich nun 18 bin und alles regeln werde,(sie kannte ja meinen sturen Kopf ;-) ) ,das ich Thomas bekomme. Nichts war ihr mehr verhasst als das er zu Pflegeeltern müsste. Sie wußte das wir das schaffen werden und ihre letzten Wunsch erfüllen werden. Nun konnte sie aufhören. Ihre Kraft war zu Ende,sie wollte nicht gehen-nie hätte sie uns Kinder allein gelassen,doch sie wußte das sie keine Reserven mer hat. Mit dem Wissen das nun alles klappt ist sie friedlich eingeschlafen. Deshalb bin ich sicher,das in bestimmten Situationen die Sterbenden den Punkt mit bestimmen können. Und heute noch,bin ich so stolz auf sie. Der Weg mit dem Jugendamt war schwer,denn so einfach wollten sie mir den 11jährigen Lausbub als 18.jährige nicht überlassen. Aber sie mußten-es war schriftlichihr Testament,ihr letzter Wille und das Amtsgericht hat mir die Vormundschaft erteilt. Mama,das hast du klasse gemacht. Ach jetzt muß ich wieder weinen. Aber ich platze vor Stolz. Liebe Christa,man kann spüren bei deinen Zeilen wie sehr du deinen Mann vermisst. Ich wünsche dir das es irgendwann besser wird,der Schmerz etwas nach lässt. LG Heike
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gekämpft, gehofft und doch verloren MEIN ENGEL *24.02.1969 + 30.03.2010 ![]() IN HERZ UND GEDANKEN FÜR IMMER BEI MIR DEINE NULPE |
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#117
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Hätte ich gewusst, dass meine Mutter nur noch 5 Tage zu leben hat nach der Entlassung nach Hause, hätte ich sie nach Hause gebracht um jeden Preis. Sie wollte auch nach Hause. Aber ich meinte die Fahrt zur Chemo jede Woche ist zu lange vom Dorf in die Stadt - sie musste sich jedes Mal übergeben, wenn sie irgendwo hin transportiert wurde, und sei es im Krankenhaus nur von einer Station auf die nächste - und dachte es wäre angenehmer. Sie willigte ein, ins Pflegeheim zu gehen und freute sich, dass ich mir frei nahm um die Tage alles zu organisieren und sie beim Krankentransport zu begleiten. War es eine Strafe, dass ich am gleichen Abend von einem Auto angefahren wurde, weil es vielleicht doch nicht richtig war mit dem Pflegeheim? Oder war es nur ein Dämpfer, ein paar Gänge runterzuschalten... jedenfalls musste ich die Pflege dann wirklich den Pflegekräften dort überlassen und konnte sie nur noch füttern mit meinem unverletzten rechten Arm. Parallel zur Pflegeplatzorganisation hatte ich auch die ambulante Pflege und Hilfsmittel für zuhause vorbereitet, einen Tag vor der Übersiedlung ins Pflegeheim kam noch jemand ins Krankenhaus um die Maße von Mama zu nehmen für einen Rollstuhl. Ich dachte, das Pflegeheim sei nur übergangsweise, für ein paar Wochen... im Krankenhaus, schon vor ihrer ersten Chemo die sie Montag bekam bevor sie Mittwoch entlassen wurde, hatte sie stark abgebaut... konnte nicht mehr alleine aufstehen, war hingefallen, war zu schwach um alleine zu essen... deshalb fuhr ich Montag in der Mittagspause extra hin um ihr zu essen zu geben und nahm mir für die weiteren Tage frei.... als sie Mittwoch im Pflegeheim war und ich kurz draußen den Bürokram erledigte mit der diensthabenden Schwester, war mein Freund bei mir und meine Mutter saß im Bett und brachte es nicht fertig, sich alleine zurückzulegen und sagte zu meinem Freund: "Die haben mich vergessen!" und dann "Dass das so schnell geht..." und mein Freund meinte das bezog sich auf ihren Abbau, weil sie gar nichts mehr machen konnte. Und trotzdem hatte ich Hoffnung bis zum vorletzten Tag, wie töricht die Augen zu verschließen und weiter auf Besserung zu hoffen... statt sich voll und ganz auf das Sterben einzulassen! Aber als die 2. Chemo abgesagt wurde weil ihr Zustand das wirklich nicht mehr erlaubte, hatte ich die Hoffnung, dass sie sich erst mal nur erholen muss und dann die nächste Chemo kommt... und wenn sie sich bischen erholt, dass sie paar Tage später an Weihnachten im Rollstuhl sitzen und von mir im Pflegeheim herumgefahren werden kann... da standen überall so schöne Weihnachtsbäume! Ich wollte ihr einen Weihnachtsbaum ins Zimmer stellen an Heiligabend. An ihrem letzten Tag aber, morgens, da sah ich den Tatsachen ins Auge... und habe sie losgelassen und nur gehofft, dass sie bald erlöst wird. Der rasselnde Atem... vielleicht war es das wie oben beschrieben... vielleicht auch Wasser in der Lunge, bedingt durch den Tumor?
Ach sorry falls ich zuviel schreibe... meine Art es zu verarbeiten, auch hier... und man sagt mir es kommt alles wie es kommen soll und trotzdem denke ich: Hätte ich dies... hätte ich das... wäre dies... wäre das... sinnlos jetzt. Ich habe Mama gebeten, mir zu verzeihen, wenn ich etwas falsch gemacht hatte... etwas übersehen hatte... nicht richtig wahrgenommen hatte... Es ging alles für mich so schnell... ich denke aber sie hatte sich trotzdem sehr lange gequält... schon vor der Diagnose muss sie diesen Tumor schon ein ganzes Weilchen mit sich rumgetragen haben... der Arzt gab ihr so komische Tropfen gegen ihre Schmerzen, die nicht wirkten...und sagte dann: doppelte Dosis! Auch das nutzte nichts... 4 Wochen lang Schmerzen... dann erst Überweisung ins Krankenhaus! Wann verbessert man die Früherkennung?! Es war zu spät für sie...
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22.12.2008 Mama In Liebe und Dankbarkeit... ![]() ________________________ Lass vergehen, was vergeht Es vergeht, um wiederzukehren Es altert, um sich zu verjüngen Es trennt sich, um sich inniger zu vereinen Es stirbt, um lebendiger zu werden |
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#118
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Die Aussage einer Mutter, die sich freut, dass ihr Kind gut versorgt ist, hat ja nicht nur unmittelbar mit dem Loslassen des eigenen Lebens zu tun, solche Aussagen können auch in ganz normalen Lebenssituationen gemacht werden. Viele Grüße Geske |
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#119
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... und wenn diese Aussage aus dem Sterbebett gemacht wird, hat sie sehr wohl eine andere Bedeutung, als wenn sie im Alltag dahergesagt wird! Punkt.
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22.12.2008 Mama In Liebe und Dankbarkeit... ![]() ________________________ Lass vergehen, was vergeht Es vergeht, um wiederzukehren Es altert, um sich zu verjüngen Es trennt sich, um sich inniger zu vereinen Es stirbt, um lebendiger zu werden |
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#120
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Hallo zusammen,
meine Frau ist am Montag von mir gegangen. Bereits eineinhalb Wochen vorher, hatte sie einen Tag an dem sie mich rief und meinte es sei Zeit zu gehen. Doch sie stabilisierte sich wieder etwas und lebte dann (ich nenne es so) in einer Art Zwischenwelt .. nicht richtig hier und nicht richtig dort. Trotz hochdosiertem Morphium sprach sie nahezu täglich davon, dass sie gehen möchte, es doch noch nicht schaffen könne. Ich zermarterte jeden Tag, was noch zu erledigen wäre, auf was sie noch warten will, was ich tun kann. Die Lösung fand ich nicht. Sie litt fürchterlich und sie wollte gehen. So habe ich den lange vor mir her geschobenen Termin beim Bestatter auf ihren Wunsch gemacht. Doch das war es auch nicht. In der Nacht vor ihrem Tod hatten wir beinahe einen Streit, weil sie mir vorgeworfen hat, ich würde nur auf ihren Tod warten. Ich habe sie (und ich leide sehr darunter) angeschrien, dass ich nicht warte, sondern dass ich mit ihr leide, dass ich jeden Schmerz mit fühlen würde, dass ich nicht mehr weiss was zu tun ist, um ihr ein loslassen zu ermöglichen. Ohne zu wissen habe ich in diesem Gespräch anscheinend das richtige gesagt ... ich sagte ihr... Mein Schatz, ich bin bereit loszulassen und mich dem kommenden zu stellen. Ich sagte es ihr vorher schon, doch sie spürte wahrscheinlich, dass ich noch nicht so weit wäre. In der Stunde ihres Todes, konnte sie friedlich schlafen und konnte ohne weiteres leiden gehen. Sie hatte einen so friedlichen Gesichtsausdruck. Ich bin mir sicher, dass sie darauf gewartet hat, bis ich wirklich bereit war, das unabwendbare anzunehmen und damit hat sie selbst in dieser Stunde wieder nur an mich, nicht an sich selbst gedacht. Liebe Grüße Thomas P.S.: Entschuldigt den langen Text, doch wenn ich anfange sprudelt es nur so aus mir heraus.
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Manuela 08.02.1963 - 19.01.2009 |
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