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Alt 08.09.2009, 14:33
Benutzerbild von trauriges großes Mädchen
trauriges großes Mädchen trauriges großes Mädchen ist offline
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Registriert seit: 07.09.2009
Ort: Rostock
Beiträge: 4
Standard AW: HCC - 3 Buchstaben

Hallo Endzeitstimmung,

zuallererst möchte ich Dir sagen, das ich genau nachempfinden kann, wie Du Dich gerade fühlst und ich Dir gerne etwas Trost spenden möchte
In meiner Familie passiert gerade genau dasselbe mit meinem Paps, er ist ebenfalls 72 Jahre alt.
Auch meine Mutter verdrängt alles was die Krankheit betrifft, sie sagt sie will das alles gar nicht hören. Allerdings weiß Sie was auf Sie zukommt.
Im Moment wird mein Vater wieder im KH behandelt wegen Wassereinlagerungen in den Beinen und den extremen Nebenwirkungen durch Nexavar (offene Beine und Infektionen durch ständiges Pulen).
Bei uns sind es jetzt knapp 4,5 Monate die er mit der Diagnose lebt.
Auch mir geht es wie Dir mit dem Tod und Sterben...aber wenn es die eigene Familie/ Eltern betrifft ist es doch etwas ganz ganz anderes, gerade wenn man wie meine Mutter und ich "vom Fach" ist.
Da wird man auf einmal total verletzlich und legt jedes Wort auf die Goldwaage.
Was die Chemo bei deinem Paps betrifft würde ich Dir persönlich davon abraten.
Es ist denke ich eine Therapie die zwar lebensverlängernd wirkt aber zu welchem Preis ist doch sehr fraglich.
Bei meinem Vater hat dieses Medikament massive Nebenwirkungen ausgelöst-ständige Durchfälle, null Appetit, massive Hautreaktionen, schwerste Depressionen. Bestehender Bluthochdruck sowie der Diabetes wurde zwar besser - allerdings nur vorrübergehend. Was dazu führte das die sowieso schon geschädigten Gefäße jetzt vermutlich zu Gefäßverschlüssen in beiden Beinen und obendrein auch noch zu massiven Wassereinlagerungen in beiden Beinen geführt hat.
Obendrein haut eine Chemo ja alles weg was da ist egal ob gesund oder krank.
Mein Vater hat seitdem seinen Mut verloren und kann sich kaum noch allein bewegen. Er braucht Hilfe beim aufstehen, hinsetzen, anziehen, duschen...etc etc. Er weint viel und ist sehr verzweifelt. Aber auch wütend was ihn zu extrem verletzenden Aussagen seine eigenen Kinder und Ehefrau betreffend verleitet.
Es ist traurig ihn so zerfallen zu sehen und in meinen Augen hätte er diese Chemo nie anfangen dürfen-dieses Teufelszeug hat ihn so sehr verändert.
Natürlich muss ich dazu sagen das sowas immer der letzte Strohhalm ist und ich wahrscheinlich ebenfalls danach greifen würde. Aber - so hart wie das jetzt klingen mag - HCC ist in jedem Fall tödlich, Nexavar wirkt da nur lebensverlängernd wobei sich aber jeder die Frage stellen sollte zu welchem Preis. Nach meinen jetzigen Erkenntnissen wünschte ich mein Paps hätte diese Zeug niemals genommen, dann wäre er jetzt vielleicht schon nicht mehr bei uns aber er hätte sich nicht mit diesen wahnsinnigen Schmerzen quälen müssen, die die Infektion und die Ödeme ausgelöst haben.
Und Nexavar hat eine Hoffnung in ihm ausgelöst doch irgendwie zu überleben, aber das ist nur Augenwischerei finde ich. Das Leben das mein Daddy jetzt lebt ist unwürdig. (Ich weiß das klingt hart aber es ist so.)
Doch wie auch immer Dein Vater sich entscheiden wird ob ja oder nein zur Chemo, was ich Dir sagen möchte ist das Du soviel Zeit wie möglich mit ihm verbringen solltest und sag ihm was du ihm sagen wolltest. Nutze die Zeit dir ihr noch habt, leider kann diesen Zeitraum niemand eingrenzen.
Bei meinem Vater heißt es von Ärzteseite "wir rechnen nur in Monatsabschnitten" und wir sind für jeden Monat dankbar.
Nimm Deinen Sohn mit zu seinem Opa solange es noch geht und Du wirst auch die Kraft finden und haben Deine Mutter wo du kannst zu unterstützen...und sei es das Du den Staubsauger schwingst während sie einfach da sitzt und grübelt. Alles ist eine Hilfe, ich bin mir sicher Du wirst es schaffen denn du hast die Kraft gehabt deine Ängste hier zu formulieren.
Macht eurem Vater/Ehemann eine schöne Zeit auch wenn es vielleicht nicht mehr lange dauert, aber ihr werdet alle davon zehren.
Fühle Dich ganz doll gedrückt, Du bist nicht allein!

Ich wünsche Dir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen die Du nicht ändern kannst - den Mut, Dinge zu ändern, die Du ändern kannst und die Weisheit das eine vom anderen zu unterscheiden.

Herzliche Grüße schickt Dir ein trauriges großes Mädchen
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