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  #1  
Alt 22.09.2014, 15:16
Tomislav2 Tomislav2 ist offline
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Hallo zusammen,

jetzt bin ich doch hier, wo ich nie hinwollte. Aber das wollte hier sicherlich keiner...

Ich habe zwar schon einige bekannte Namen gesehen, will mich aber kurz vorstellen. Mein Name ist Thomas, ich bin 33 Jahre alt und Vater zweier Kinder (eine Tochter, 6 Jahre alt und einen Sohn, 2 Jahre alt). Am 22.08.2014 habe ich meine Frau nach gut einjährigem Kampf gegen den Krebs verloren. Die komplette Geschichte steht im Angehörigen-Forum: http://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=62024.

Zusammengefasst (soweit es geht) hier die wichtigsten Punkte:
Ende Juli 2013 zum ersten Mal was ertastet, nach Untersuchungsmarathon OP Anfang August. Da stand noch nicht fest, was es nun ist. 10 endlose Tage später die Diagnose Myxoides Liposarkom. Da nicht komplett alles entfernt wurde, begann anschließend die Chemo. Nach dem zweiten Zyklus musste diese abgebrochen werden, da sie eine Sepsis und eine sehr schmerzhafte Nekrose am Po hatte (insgesamt 6 Wochen Krankenhaus, davon 3 Wochen ITS). Danach Pflege zu Hause, im Januar sollte eine abgeschwächte Chemo fortgeführt werden. Im Dezember wieder was getastet - stellte sich als Rezidiv heraus. Zwischen Weihnachten und Neujahr begann dann die besagte Chemo. Im Januar/Februar waren wir guter Dinge, da die Ärztin uns Hoffnung machte. Im März folgte eine große OP, in der Tumormassen entfernt und Brachysonden eingesetzt wurden. In der Voruntersuchung stellte sich schon raus, dass die Chemo im Januar/Februar nix gebracht hatte... Anschließend gab es Brachytherapie und normale Bestrahlung. Zum Schluss ambulant, was schon wieder fast wie ein normales Leben war. Bis Ende Mai ein Darmverschluss dazukam. Not-OP, dabei Beschädigung von Nerven des rechten Beins. Danach war Laufen kaum noch möglich, was wir aber langsam wieder übten. Ebenfalls problematisch war die Ernährung. Meine Frau war schon sehr abgemagert... Anfang Juli wieder zu Hause, täglich kam der Pflegedienst wg. künstlicher Ernährung und wir kämpften um eine Reha, da ja im September die Einschulung unserer Tochter vor der Tür stand.
Irgendwie sah meine Frau in all dem keinen Sinn mehr und nahm Ende Juli Schlaftabletten. Ich bemerkte es noch und rief den Notarzt. Anschließend ITS-Aufenthalt (inkl. Sepsis). Um die Lebensqualtität zu verbessern, sollte ein Bluterguss im Bauchraum operativ entfernt werden. Dieser drückte auf den magen und wir erhofften uns, dass sie wieder essen kann. Aber es kam alles anders... Es gab etliche Not-OP's, da es immer wieder blutete. Zwischendurch immer wieder künstliches Koma. Schuld waren Tumore, die einfach diffus bluteten. Das ließ sich nicht wirklich in den Griff kriegen. Am Ende versagte noch die eine Niere, die sie noch hatte. Ich verbrachte die letzte Nacht an ihrem Bett und als sie ging, waren ich und ihre Eltern bei ihr. Es war der 22.08. um 9.30 Uhr...

Am 30.08. folgte die Beerdigung und am 06.09. mussten wir unsere Tochter ohne sie einschulen.

Soweit erst mal... Ist doch etwas lang geworden...

LG
Thomas
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Geändert von Tomislav2 (22.09.2014 um 15:56 Uhr)
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  #2  
Alt 22.09.2014, 15:36
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mausi69 mausi69 ist offline
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Lieber Thomas!

Ein bekannter Name möchte dich herzlich Willkommen heißen in unseren Reihen!
Ja wer wollte schon hier her niemand!

Heut ist es bei euch genau ein Monat! Ich hoffe dir geht's einigermaßen?
Wie geht's den beiden Mäusen?
Es ist alles nicht so einfach!

Lg mausi
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Du warst es wert so sehr geliebt zu werden!
Du bist es wert, das so viel Traurigkeit an deiner Stelle geblieben ist!



http://www.krebs-kompass.org/showthread.php?t=62514
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  #3  
Alt 22.09.2014, 15:48
diejüngste diejüngste ist offline
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Lieber Thomas,

ich sitze im Büro an meinem Schreibtisch und heule Rotz und Wasser.
Es tut mir wahnsinnig leid.

Ich hoffe deiner Frau geht es gut, da wo sie jetzt ist!

Alles Liebe!
Antonia
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meine liebste Mama
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Unsere Geschichte:
http://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=64138

Ich hab dich lieb Mama.
Bis zum Mond und zurück.

http://www.krebs-kompass.de/showthread.php?t=66377
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  #4  
Alt 22.09.2014, 15:52
Tomislav2 Tomislav2 ist offline
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Hallo Mausi,

Du hast recht. Ich hätte das jetzt gar nicht auf dem Schirm gehabt. Genau ein Monat...

Die Große macht sich ganz gut in der Schule. Hat schon zwei Lobkärtchen mitgebracht. Sie ist ganz lieb und fleißig... Ab und an hat sie auch schon mal ihre Gefühle rausgelassen, was ja anfangs gar nicht möglich war. Am Samstag haben wir den ersten Termin für die Kundertrauergruppe. Mal sehen...

Der Kleine ist weiterhin der Schelm, der er vorher war. Er freut sich, wenn er Bilder von Mama sieht und sagt dann aber auch gleich "Mama im Himmel". Habe am Grab ein Bild von ihr angebracht, das küsst er immer, wenn wir dort sind...

Die beiden lenken einen gut ab. Da kommt man nicht viel zum Nachdenken. Aber wenn man dann zur Ruhe kommt, dann geht es wieder los... Naja, da muss ich jetzt durch. Hab am Freitag Termin bei der Trauerbegleitung, das wird nochmal emotional. Ab nächsten Montag will ich wieder arbeiten.

LG
Thomas

Ups, da war Antonia schneller als ich. Liebe Grüße auch an Dich! Lese ab und zu auch still bei dir mit.
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  #5  
Alt 22.09.2014, 19:30
djkprinz djkprinz ist offline
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Lieber Thomas,

auch ich begrüße dich hier im Hinterbliebenen-Forum und freue mich, dass du unsere Runde erweiterst.

Ja, du hast Recht, hier will wohl keiner hin, aber leider hatten wir keine Wahl.

In vielem was du schreibst, erkenne ich mich wieder. Wir haben 3 Kinder, die schon groß bzw. größer sind. Es lenkt aber. Ich danke dem lieben Gott, jeden Tag dafür, dass er uns die 3 Kinder gegeben hat und ich nun nicht ganz allein da stehe. Es macht vieles einfacher. Man ist tagsüber abgelenkt, auch wenn meine Kinder schon 21, 20 und 15 sind.

Letzte Woche war mein erster Besuch in einem Trauercafe (nur Frauen), ob es mir was bringt, kann ich noch nicht sagen, die meisten Frauen haben einen Verlust schon vor längerer Zeit erlitten und haben vielleicht ganz andere Themen ... abwarten.

Ich werde nunmehr eine Gesprächstherapie bei einer Psychologin beginnen, um das Geschehene, besonders der Sterbeprozess hier zu Hause, aufzuarbeiten.

Ansonsten weiß ich gar nicht ob ich traurig bin, einfach nur erleichtert, dass mein Mann es geschafft hat, ich glaube, ich bin irgendwie innerlich tot. Aber das alles wird sicherlich geklärt werden.

Arbeiten werde ich ab dem 01.10.2014 auch wieder, erst mal für 4 Stunden in Wiedereingliederung. Ich denke, ein wenig Ablenkung wird mir gut tun.

Wie geht es dir sonst? Du sagst mit den Abenden hast du so deine Probleme. Kannst du denn schlafen, durchschlafen?

Ich freue mich von dir zu hören.

LG Heike
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  #6  
Alt 22.09.2014, 22:10
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mausi69 mausi69 ist offline
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Lieber Thomas!

Ich kann es gar nicht vergessen, deine Annika ist genau zwei Monate nach meine Mama gegangen. Bei uns sind es heut drei Monate ein viertel Jahr, wo rennt die Zeit hin?
Mir kommt es vor als wäre es erst gestern gewesen!

Es freut mich sehr das Lara sich so super in der Schule macht. In wie weit sie den Verlust ihrer geliebten Mami verarbeitet wird die Zeit zeigen oder auch die Kindertrauergruppe. Ich finde es toll das es sowas gibt und ich wünsche der kleinen Maus, das man ihr da auf kindliche Weise helfen kann!

Wie schon mal geschrieben ist der kleine zum Glück noch zu klein um zu realisieren das er die Mami verloren hat.

Es ist doch gut, wenn die zwei die so schön ablenken. Aber wie du schon schreibst, wenn du zur Ruhe kommst kommt die Traurigkeit und du machst das einzigst richtige du lässt es zu!
Euern Hochzeitstag so zu verbringen war für dich enorm schwer, aber du scheinst das alles sehr bewusst so gemacht zu haben, auch ein weg mit der Trauer klar zu kommen!


Ich habe deine Stärke schon während eures Kampfes bewundert. Du machst das alles super!
Annika wäre sehr stolz auf dich!!!

Lg mausi
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http://www.krebs-kompass.org/showthread.php?t=62514
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  #7  
Alt 23.09.2014, 07:18
simi1 simi1 ist offline
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Hallo Thomas,

ein herzliches Willkommen im Hinterbliebenenforum. Es tut mir sehr leid, dass auch du nun diese Runde erweitern musst.

Die Resilienzfähigkeit von Kindern ist beachtlich, dennoch halte ich deinen eingeschlagenen Weg, einer Begleitung von außen, für sehr wichtig. Auch unsere Jungs können sich in der Therapie viel besser öffnen und manches von der Seele reden. Zuhause haben sie das Bestreben, uns nicht zusätzlich zu belasten und damit vermeintlich noch trauriger zu machen.

Dir wünsche ich viel Kraft und hoffe, dass dir das Schreiben in diesem Forum ein wenig seelische Entlastung bringt.

Herzliche Grüße
Simi
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  #8  
Alt 23.09.2014, 20:28
Tomislav2 Tomislav2 ist offline
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Hallo nochmal,

ich sag ja: Alles bekannte Namen... Leider treffen wir uns alle hier wieder.

Ich danke euch für eure lieben Worte, teilweise kamen da schon wieder die Tränen...

Ja, abends ist es schwierig. Wenn die Kinder schlafen und man zur Ruhe kommt. Aber seit 2 bis 3 Tagen habe ich auch oft zwischendurch meine Hänger. Einschlafen ist da eher schwierig. Während der ganzen Krankheit habe ich geschlafen wie ein Stein, hingelegt und Augen zu, fertig. Seit Annika's Tod ist das nicht mehr so. Der Kopf kann nicht so richtig abschalten. Wenn ich doch mal pünktlich einschlafe und werden dann nachts wach, wars das... Tabletten will ich aber nicht nehmen. Habe ich die ganze Zeit nicht. Muss ja auch da sein, wenn ein Kind sich nachts meldet.

Habe mich heute mit dem Thema kur beschäftigt. Das OK vom Arbeitgeber hab ich ja schon und der Hausarzt würde das auch befürworten. Werde morgen mal ein bisschen rumtelefonieren.

Achso. Hab mir vorgenommen, in den nächsten Wochen den Thread zu benutzen, um nochmal alles aufzuarbeiten. Mal sehen, wie ich es hinkrieg und ob es mir was bringt...

LG
Thomas
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  #9  
Alt 23.09.2014, 20:48
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mausi69 mausi69 ist offline
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Lieber Thomas!

Kur hört sich gut an! Deine Schilderungen nachts schlecht schlafen oder nicht einschlafen können, die Hänger zwischen durch kommt mir alles bekannt vor. Habe ich alles bei meinen Papa miterlebt!
Es ist nicht nur die Trauer die du bewältigen musst, nein auch die ganzen letzten Monate musst du verarbeiten!
Es ist wie ein Trauma.
Du kommst jetzt immer mehr zur Ruhe und dadurch sind die Gedanken in der Zeit als ihr noch gekämpft habt und das große loch was Annika's Tod hinterlassen hat! Das alles muss aufgearbeitet werden. Ich denke eine kur würde dir wirklich gut tun!

Ich wünsche dir alles liebe!


Mausi
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Du warst es wert so sehr geliebt zu werden!
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http://www.krebs-kompass.org/showthread.php?t=62514
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  #10  
Alt 24.09.2014, 22:05
Tomislav2 Tomislav2 ist offline
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So, wie "angedroht", will ich mal beginnen, alles aufzuarbeiten. Ich hoffe dass es mir hilft, die Gedanken zu sortieren und wieder einen Schritt nach vorn in der Trauerbewältigung zu machen...

Teil 1 -> Wie alles begann...

Annika und ich kommen aus dem selben Dorf. Daher kennt man sich schon in der Kindheit. Da sie 3,5 Jahre älter war als ich, hatten wir aber nicht sooo viele Berührungspunkte. Näher kamen wir uns 1999. Ich war 18, sie 21. Wir hatten uns für die Disco verabredt und verbrachten dort auch (mit mehreren Freunden) einen schönen Abend. Nach ein paar tagen ging ich zu ihr, da öffnete mir ihre Mutter und sagte, sie wäre bei ihrem Freund. Den hätte sie doch am Wochenende in der Disco kennengelernt... Das wars erstmal. Im Sommer kam dann die Volksfest-Zeit. Jedes Wochenende in einem anderen Ort und bei einem der Feste trafen wir uns auf der Tanzfläche und gingen danach raus zum Erzählen. Danach trafen wir uns öfters "zufällig", bis wir dann auch mal zusammen irgendwo hinfuhren. Richtig gefunkt hat es dann am 18.Juli 1999. Ich weiß es noch wie gestern. Wir waren zwei Orte weiter bei einem Volksfest. Ich gestand ihr, dass ich mich verliebt ahbe, sie war aber noch etwas reserviert. Dann war es aber so, dass unser Fahrer mit einem Mädchen wegfuhr und wir keine Rückfahrmöglichkeit hatten. Also mussten wir zu Fuß gehen. Es waren ungefähr 6 km. Während wir gingen, ging die Sonne auf, es war total romantisch. So kam es morgens um 5 vor ihrer Tür zum ersten Kuss....

Nun ja, später stand ich immer öfters bei ihr auf der Matte. Meistens ging ich erst morgens nach Hause, frisch machen und los zur Arbeit. So ging das einige Zeit, bis wir 2003 unser eigenes Nest bauten. Wir bauten das Dachgeschoß in ihrem Elternhaus für uns aus. Es ist sehr schön geworden, mit vielen Balken usw. Es war wirklich unser Nest. Wir kamen ganz gut klar, vorher haben wir ja beide nicht außerhalb vom Hotel Mama gewohnt.

Sie ging mit sehr viel Engagement ihrem Beruf nach. Sie war Arzthelferin in einer kleine Allgemein-Praxis. Sie liebte ihren Beruf und die Patienten. Gerade zu den älteren Leuten hatte sie einen guten Draht. Wir hatten schöne Urlaube, waren oft in der Türkei, einmal auch auf Zypern und auch in Thailand.

Dann kam so langsam der Wunsch nach einem Kind. Anfangs klappte es nicht, weshalb wir auch einige Untersuchungen haben über uns ergehen lassen. Aber als im April 2007 gegenüber von unserem Haus auf dem Giebel der Kirche ein Storch saß, muss das das Startzeichen gewesen sein. Hört sich blöd an, war aber so. Danach war sie schwanger. Und sie war gerne schwanger...

Bevor das Kind kam, heirateten wir noch. Sie war eine wunderschöne Braut. Die Haare in einem schönen Rot-Ton gefärbt, das Kleid, oh mein Gott, was habe ich sie geliebt... Anschließend flogen wir nach Paris in die Flitterwochen. Alles schon mit kleinem Bäuchlein...

Dann eines abends im Januar 2008 lag sie auf der Couch und sagte "Schatz, ich glaub ich lauf aus..." Wir beide so. "Was machen wir denn jetzt?" Total wie blöde... "Wir rufen mal unten an..." Naja, dann ging es ins Krankenhaus, Tasche war auch noch nicht gepackt... Die ganze Nacht passierte noch nix, erst am nächsten Morgen kam unsere Tochter zur Welt. Ich war dabei und wir waren so stolz und glücklich. Annika nahm anderthalb Jahre Elternzeit und genoss es in vollen Zügen, Mama zu sein. Sie war mit Leib und Seele Mama.

Unsere Tochter entwickelte sich prächtig, kam in die Kita und meine Frau musste sich wegen der Schließung ihrer Praxis einen neue Stelle suchen. Sie fand auch wieder was ähnliches. Allerdings war da das Klima mit der Chefin nicht so toll. Wenn sie nicht so eine nette Kollegin und die vielen netten Patienten gehabt hätte, hätte sie dort hingeschmissen. Dann kam der Wunsch, ein zweites Kind zu kriegen. Irgendwann besuchte sie mich auf Arbeit mit einem Paket blauer Babystrümpfe. Da wusste ich bescheid. Wir hatten uns zwar ein Mädchen gewünscht, aber ok, es wurde ein Junge. Auch gut. Dass er uns so viel Freude machen würde, konnten wir noch nicht ahnen..

Seine Geburt war jedenfalls relativ spektakulär. Errechnet für Ende Dezember. Wir hofften, dass es nicht Weihnachten passiert. Das klappte. Dann hofften wir, dass er noch bis ins neue Jahr wartet, auch geklappt. Am 4. Januar 2012 sollte dann eingeleitet werden. Morgens hin, sie bekam das wehenfördernde Zeug und... nix. Mittags nochmal und... wieder nix. Nachmittags bin ich erstmal gefahren. Um 22:00 Uhr rief sie mich an. Sie liegt am Wehenschreiber und es passiert immer noch nichts. Wird wohl heute nix mehr. Eine halbe Stunde später rief sie wieder an, total hysterisch, es geht los... Ich ins Auto, ab ins KH. Auf der Entbindungsstation ein Gewusel... Morgens hieß es noch "Sie können sich den Kreißsaal aussuchen, ist nix los". Jetzt zwei Notkaiserschnitte und eine normale Entbindung, alle Kreißsäle belegt. Ich griff mir irgendeine Schwester und fragte nach meiner Frau. Sie sagte mir, dass unser Nachwuchs schon schneller war... Sie hatte ihn im Wehenschreiber-Zimmer bekommen. Durch den Streß hatte keiner so richtig Zeit und so lag sie dort ewig rum, bis mal jemand kam und mal die ganze "Sauerei" wegmachte. Die Geschichte haben wir so oft erzählt...

Auch hier nahm sie wieder anderthalb Jahre Elternzeit (ich übrigens auch immer den ersten Monat). In der Zeit hat sie den Job bei der einen Ärztin hingeschmissen. Wir suchten dann im Sommer letzten Jahres wieder mal eine neue Stelle. Die Freude war groß, dass ein Allgemeinmediziner in der Nähe eine Arzthelferin suchte. Ich fuhr sie zum Vorstellungsgespräch und irgendwie passte die Chemie von Anfang an. Sie arbeitete einen Tag Probe und bekam den Job. Da wussten wir noch nicht, wie wichtig der Arzt noch für uns werden würde... Das ganze Team war während er gesamten Zeit total rührig und wir bekamen jede erdenkliche Hilfe. Wenn ich heute dort hinkomme, werde ich auch erstmal von allen dort gedrückt. Und das, obwohl sie nur einen Tag Probe arbeitete...

Wir fuhren nochmal an die Ostsee, bevor es wieder Ernst wurde. Dort klagte sie über Rückenschmerzen. Sie dachte, sie hätte sich verhoben, als sie mal wieder den Jungen rumschleppte, weil der Herr zu faul zum Laufen war... Dann bekam sie weitere Bauchschmerzen, die erstmal mit Schmerzmitteln behandelt wurden. Ende Juli 2013 saß sie im Garten auf der Hollywoodschaukel und zog ein Bein hoch und sagte, dass diese Position weh tut und sie was im Bauch spürt. Wir sagten, dass sie zum Frauenarzt soll um das zu klären. Also fuhr sie dorthin. Die Ärztin vermutete nach der Ultraschall-Untersuchung einen verkapselten Blinddarm (sie war ja erst im März dort und da war noch nix zu sehen). Überweisung ins KH, um das genauer abzuklären. Ich nahm mir frei und fuhr sie dorthin. Wie das bei einer Ambulanz so ist, wartet man die ganze Zeit... Am Ende des Tages wurde sie stationär aufgenommen, damit eine Bauchspiegelung gemacht werden kann. Die wurde dann auch gemacht, aber anschließend musste sie komischerweise am nächsten Tag zum CT. Der Hammer war, dass das nicht in dem KH gemacht wurde und man da hinfahren musste. Einen Tag nach der Bauchspiegelung hat der Arzt sie dort ALLEINE mit dem Taxi hingeschickt. Mit Urinbeutel in der Hand, sie konnte kaum krauchen und dann sowas.. Das Ende vom Lied war, dass es hieß, da ist was, aber wir wissen nicht was es ist. Wir haben Angst, da irgendwas verkehrt zu machen und überweisen sie an die Spezialisten der Uniklinik. Melden sie sich nächste Woche dort...

Von da an nahm das Unheil seinen Lauf... Für jetzt reicht's erstmal. Wenn ich demnächst mal wieder Lust habe, geht es weiter..
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  #11  
Alt 25.09.2014, 16:35
hermannJohann hermannJohann ist offline
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Hallo Thomas,
zunächst einmal mein herzliches Beileid.
Es ist eine sehr schlimme Geschichte. Ich hoffe, dass Ihr von den Verwandten genug Unterstützung bekommt.
Liebe Grüße
Hermann
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  #12  
Alt 25.09.2014, 23:18
Tomislav2 Tomislav2 ist offline
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Hallo,

danke Herrmann für Deine Worte. Ja, hab viel Unterstützung durch die Familie...

Das Thema Kur ist auf einem guten Weg. Habe mit der Klinik telefoniert wegen freier Termine und das dann bei der Krankenkasse auf den Weg gebracht. Nächste Woche kriege ich die Unterlagen vom Arzt und dann geht der Antrag los. Wenn alles klappt, geht es dann Mitte Mai 2015 (ja noch ein bisschen hin...) nach Sellin auf Rügen. Der Termin passt mir aber ganz gut. Lt. Klinik sollte wenigstens ein halbes Jahr zwischen Verlust und Kur liegen. Und im Winter ist das sicherlich nicht so schön (wäre sowieso nix mehr frei...).

LG
Thomas
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  #13  
Alt 26.09.2014, 17:06
Mouri Mouri ist offline
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Hallo Thomas,

erstmal mein herzliches Beileid für Annika. Ich wünsche Dir und deine Kinder viel Kraft für die Zukunft und hoffe, dass ihr sehr lang Gesund bleiben werdet.

ich heiß Mouri und komme aus Frankreich, bin aber seit nun 8 Jahren in Deutschland. Ich bin auf diese Seite gestoßen, denn mein Bruder (40, 41 anfang Oktober) hat auch Krebs. Was mich aber noch dazu Sorge gemacht hat, ist das es ähnlich wie bei deiner Geschichte aussieht :
Es wurde auch letztes Jahr, auch Ende Juli 2013, festgestellt, dass er ein Tumor im Bauch hat. Die Ärzte wussten auch erstmal nicht, was er genauer hat. Sie wollen ihn nicht operieren, denn Sie meinten, wenn es nur 0,1% davon gibt, es wird wieder kommen. Sie haben deswegen von Anfang an mit Chemo begonnen. Das ging bis Januar/Februar. Dann war wieder da Ende Mai/Anfang Juni. Nach meiner Anweisung, hat er mit einer Wasserdiät begonnen. Das hat 23 Tage (!!) gedauert. Ich kenne zwei Personen, die so was gemacht haben, und es geht heute ihnen viel Besser! Habe einen Bericht darüber auf Arte gesehen, und 2/3 der Personen die so was gemacht haben, ging es Ihnen danach besser! Scheinbar gehört er zu dem 1/3...
Er hat seitdem wieder Chemo bekommen. Ich habe ihn in Frankreich das letzte Mal Ende August gesehen. Soweit ging alles gut (wir haben uns sogar gestritten....)
Heute habe ich meine Schwester angerufen, weil sie Geburtstag hat. Sie hat mir geboten, Ende Oktober uns bei meinen Eltern zu treffen (bin schon dort Anfang Oktober, wollte aber nur bis Mitte Oktober bleiben). Als ich ihr sagte, dass es schwierig für mich ist, dies zu planen, sagte sie mir, dass die Ärzte wissen nicht für wie lange noch er hat zu leben. Sie sagte mir, sein Zustand hat sich verschlechtert.
Vor ungefähr 1h30 sagte sie mir, dass er ein Liposarkom hat. Deswegen bin ich jetzt hier. Als ich deine komplette Geschichte gelesen habe, sind mir die Tränen gefallen.
Ich weiß nicht genauer, was er hat, denn mein Bruder mag nicht Informationen angeben. Er ist so stolz, und will nicht, dass wir uns sorgen machen. Keiner weißt Bescheid, nur ich (seit kurzem), ein paar Freunde und meine Schwester. Meine Eltern wissen schon, dass er Krebst hat, aber ahnen nicht (vielleicht doch meine Mutter, denn sie fängt an ab und zu zu weinen), dass es so schlimm sei..
Wir hoffen noch, dass es andere Lösungen sind, habe sogar gelesen, dass er noch über 10 Jahre weiterleben kann. Aber seit deinem Bericht und der von Igelin76 mache ich mich jetzt große Sorge...
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  #14  
Alt 26.09.2014, 22:18
Tomislav2 Tomislav2 ist offline
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Hallo mourie,

Dank dir für deine Anteilnahme. Mir tut es leid für euch, dass ihr auch betroffen seid. Hat denn die Chemo eine Verbesserung gebracht? Oder anders: Wäre mittlerweile an eine op zu denken? Es ist ja so, das jeder Fall einzigartig ist. Man kann nicht von einem Fall auf den anderen schließen. Ich kann dir nur meine Erfahrungen mitgeben. Dieses Biest ist wirklich selten, daher wissen viele Ärzte gar nicht mit umzugehen. In Deutschland gibt es dafür spezielle Sarkom-Zentren, die nur auf so was spezialisiert sind. Vielleicht gibt es das in Frankreich auch... Ansonsten war es bei uns so, dass das Liposarkom hochgradig aggressiv war. Im Nachgang kommt es mir auch so vor, als ob es nach jeder op schlimmer wurde...

Wenn du irgendwas wissen willst, meld dich einfach...

LG
Thomas
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  #15  
Alt 26.09.2014, 23:31
Mouri Mouri ist offline
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Hallo Thomas,

vielen Dank für deine Antwort. Ja in Frankreich sind es auch Sarkom-Zentrum. Der erste Zyklus (6 Chemo innerhalb 4/5 Monate oder 6, weiß ich nicht genauer, denn er verrät nichts!) hat was gebracht, denn das war praktisch verschwunden, und er war wie vorher und konnte wieder ganz normal leben (und uns mittlerweile auch nerven ). Ich dachte der zweite Zyklus wäre genauso gewesen. Wie gesagt habe heute die Nachricht bekommen, dass seine Lage sich verschlechtert hat. Ich wollte mit ihm sprechen er ist aber nicht erreichbar. Am Wochenende werde ich mehr davon wissen. Wenn ich da welche Frage habe, melde ich mich dann bei dir. Vielen Dank dafür!
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